Zühlke – Empowering Ideas

Team, das an der Produktentwicklung eines Prototypen arbeitet
Insights

Produktentwicklung in Rekordtempo mit dem Experience Prototype

Fabian Laasch & Daniel Schmalz &

Eine schnelle Produktentwicklung, die uns wettbewerbsfähig macht und Kunden zufriedenstellt – das ist möglich! Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einem Experience Prototype genau das erreichen

Kaum eine andere Branche ist so schnelllebig und vom Wettbewerb geprägt wie die Konsumgüterindustrie. Zwar ist über die gesamte Konsumgüterbranche hinweg enorme Schnelligkeit gefragt, besonders betrifft es jedoch Branchenzweige wie die Home Appliances, Consumer Electronics und Fast Moving Consumer Goods. Diese müssen zusätzlich zu der Schnelligkeit einen sehr hohen Innovationsdruck befriedigen.

Insight in brief

  • Schnelligkeit als Herausforderung und Trend auf dem Konsumgütermarkt
  • Verwendete Prototyp-Formen
  • Die Vorteile des Experience Prototypes
  • Der Experience Prototype anhand eines konkreten Produktbeispiels

Der Trend zur Schnelligkeit wurde mit der digitalen Transformation aufgrund weiterer Möglichkeiten zur Nutzung neuer Technologien und Services weiter verstärkt.

Zudem kommen neben den diversifizierenden Kundenanforderungen weitere übergeordnete Trends hinzu, die berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören die Automatisierung, Dezentralisierung, Nachhaltigkeit, Individualisierung, und somit Kundenzentrierung, sowie Produkt- und Kundensicherheit (Datenschutz).

Auf Zühlke Insights gehen wir auf genau diese Themen ein. In dem folgenden Artikel sprechen wir über die bereits mehrfach genannte Schnelligkeit.

Was hat es mit dieser Schnelligkeit auf sich?

Mit der Schnelligkeit ist im Besonderen die sogenannte Time-to-Market gemeint: Unter dem Begriff versteht man die Dauer der Produktentwicklung bis hin zur Platzierung des Produktes am Markt.

Besonders tricky wird es bei der Berücksichtigung des aktuellen Kunden-Feedbacks. Hier müssen die Anforderungen, Erwartungen und Resonanzen erfasst und so schnell wie möglich in die laufende Produktentwicklung integriert werden, um eine schnelle Time-to-Market sicherzustellen.

Wie kann ein solcher Prozess gemeistert werden? In dem Artikel Drei Ingenieure und die agile Systementwicklung behandelte mein Kollege Thomas Rahn die agile Produkt- und Systementwicklung mit deren Eigenheiten, Herausforderungen und Vorteilen. Zusätzlich finden Sie zu dem Thema der User- und Customer Experience hier einen spannenden Artikel von Neil Moorcroft: Drei Schritte zur Beseitigung von Reibungsverlusten bei Customer Journeys. Generell gilt, um eine kundenzentrierte Produktentwicklung in Rekordtempo realisieren zu können, bedarf es einer Verschmelzung der Kompetenzen der agilen System- oder Produktentwicklung mit denen der User- und Customer Experience. Dabei arbeiten die Personen eng im Team zusammen, um die Übergänge und iterativen Feedbacks so flüssig und reibungslos wie nur möglich darzustellen.

Eine beliebte Methode (neben vielen anderen Möglichkeiten) stellt die Erstellung eines schnellen Prototypes, des sogenannten Experience Prototypes, dar.

Schnell zu realisierende Prototypen

Der Experience Prototype setzt sich aus den zwei Prototyp-Formen ´Looks Like Prototype´ und ´Works Like Prototype´ zusammen. Wir zeigen Ihnen im Folgenden, was es damit auf sich hat.

Looks Like Prototype: Bei dieser Art der Prototypen hat das Design, beziehungsweise die User Experience, den Vorrang. Mit dem Prototyp soll in Erfahrung gebracht werden, ob die Art des Designs und die Nutzerführung bei dem Kunden gut ankommen. Wie ist die Kundenreaktion zu dem berührbaren Prototyp? Es geht um Dimensionen, Wertigkeiten der Oberflächen und um die Farbgebung. Bei dem Looks Like Prototype wird keinerlei Funktionalität implementiert!

Works Like Prototype: Dem gegenüber befindet sich der Works Like Prototype. Hier steht die Funktionalität an erster Stelle. Mit dem Prototyp soll die Machbarkeit eines Produktes getestet werden. Die Hauptfunktionen (mit dem größten Mehrwert oder mit dem höchsten Risiko) werden daher in den schnellen Prototypen implementiert. Dabei legen wir ausdrücklich keinen Wert auf das Äußere – ganz im Gegenteil, diese Art der Prototypen ist meist ganz bewusst das „hässliche Entlein“. Farbgebung und Aussehen werden nicht detailliert. Der im finalen Produkt zu Verfügung stehende Bauraum wird nicht beachtet, solang das zu testende Konzept Potential hat, verkleinert zu werden. Dies alles geschieht, um Zeit zu gewinnen und Budget zu sparen.

Experience Prototype: Eine Kombination beider Prototypen ist naheliegend und wird Experience Prototype genannt. Hier implementieren wir Haptik, Nutzerführung und Design in Kombination mit den Hauptfunktionen – sodass der Endkunde Design und Funktion bewerten kann. In einer Testphase können wir so eine valide Aussage zu seiner Kaufentscheidung abfragen.

Das klingt zunächst so, als würde an dieser Stelle eine Gesamtentwicklung des Produktes stattfinden. Dies ist aber ausdrücklich nicht der Fall! Das Innenleben des Experience Prototype ist weit entfernt von jeglicher Serienreife. Die internen Komponenten werden nicht auf niedrige Kosten, hohe Lebensdauer oder optimale Montage optimiert. So können zum Beispiel von Hand lackierte Gehäuse eingesetzt werden, die in der Serienproduktion viel zu teuer in der Herstellung sind. Das Entfallen von Features, wie der Security oder der guten Wartbarkeit der Software spart ebenfalls kostbare Entwicklungszeit.

Kombination eines "Looks Like" und "Works Like" Prototype

Mit einem Experience Prototype ergeben sich die folgenden Vorteile:

  • Das Feedback der Nutzer zu Usability, User Experience, Design und Feature Set kann innerhalb von einigen Wochen und unter realistischen Bedingungen geprüft werden.
  • Da der Experience Prototype serienreif aussieht, sind die Aussagen zur Kaufbereitschaft deutlich aussagekräftiger. Es besteht sogar die Möglichkeit den Test nicht als solchen zu deklarieren, sondern ein reales Verkaufsgespräch vorzutäuschen. Die Aussagekraft der Antworten auf die folgenden zwei Fragen unterscheidet sich drastisch! „Wir machen einen Test, könnten sie sich vorstellen diesen Prototypen zu kaufen?“ versus „Wir haben ein neuartiges Produkt am Markt, möchten sie es kaufen?“
  • Grundsätzlich lässt sich also mit dem Experience Prototypen mit vergleichsweise geringem Aufwand und Budget früh entscheiden, ob das Produkt einen Mehrwert für den Nutzer liefert und ob es sich lohnt Geld in die Serienentwicklung zu investieren.

Wie kann solch ein Experience Prototype aussehen und wie geht man vor?

Ein konkretes Beispiel liefern unsere Schweizer Kollegen mit dem Greenhouse. Hier wurde innerhalb einer Woche ein Gewächshaus mit App-Anbindung entworfen.

Ein interdisziplinäres Team mit Kompetenzen in den Bereichen Industriedesign, Mechanik, Elektronik, Embedded Software und Mobile Software hat intensiv an dem Experience Prototypen gearbeitet. Ziel war es, ein funktionales Gewächshaus als Haushaltsgerät zu entwerfen, das eine Beleuchtung, Belüftung und Bewässerung bedarfsgerecht steuert – und dabei noch schick und serienreif aussieht.

Um in der kurzen Zeit einen solchen Stand des Gerätes zu entwickeln, ist es wichtig, dass man zu großen Teilen Tools und Herstellverfahren verwendet, mit denen sich das Team bereits auskennt! Ein wenig experimentieren ist möglich, birgt aber die Gefahr von Verzögerungen. Daher ist es sehr hilfreich, auf bestehenden Artefakten und Wissen aufzubauen.

Im Detail stammen die Mechanik-Teile aus dem Zühlke-internen 3D-Drucker und sind innerhalb von Stunden verfügbar. Eingesetzt wurden außerdem standardisierte Elektronik-Komponenten der professionellen Prototyping-Plattform Tinkerforge. Hiermit werden einzelnen Aktor- und Sensor-Bausteine zunächst direkt über USB und den PC ansteuerbar und testbar. Nach erfolgreichem Test kann die Ablaufsteuerung dann schnell auf eine standalone-fähige CPU überspielt werden. Die Wahl der Programmiersoftware ist aufgrund der Tinkerforge-Plattform frei wählbar und das Team orientiert sich wieder an den eigenen Kompetenzen, um auch hier Geschwindigkeit aufzunehmen. Das Verlöten von Kabeln oder gar das Entwickeln von Platinen ist ebenfalls nicht notwendig. 

Paralleles Entwickeln in den unterschiedlichen Disziplinen mit Blick auf die schrittweise und kontinuierliche Integration von einzelnen Entwicklungs-Artefakten ermöglicht schnelles vorankommen und vermeidet eine Big-Bang-Integration kurz vor Ende der Deadline. Schlussendlich steht nach wenigen Tagen der voll funktionsfähige Experience Prototype für Tests mit realen Anwendern zur Verfügung.

Sehen Sie sich den Gewächshaus-Prototypen über die Vuframe-App in 3D an: 

Gewächshaus-Prototyp in der Vuframe-App

Fazit

Es existieren bereits vielversprechende Ansätze und Methoden, um dem ständigen und kontinuierlichen Innovationsdruck auf dem Konsumgütermarkt gerecht zu werden.

Auf Basis einer agilen System- und Produktentwicklung lassen diese zum einen Schnelligkeit und damit eine kurze Time-to-Market zu. Zum anderen ist es möglich, in Verbindung mit Customer Experience, laufend Kundenresonanzen in die Produktentwicklung einzubringen.

Das aufgezeigte Beispiel verdeutlicht, dass innerhalb weniger Tage ein System nicht nur in der Software, sondern auch in der Hardware prototypisch exploriert werden kann. Dies erlaubt den unterschiedlichen Stakeholdern die Evaluation in Bezug auf die grundsätzliche Machbarkeit und Abschätzung von kommenden Entwicklungsbudgets für die Serienreifmachung.

Was das konkret für Sie und Ihre Produktentwicklung bedeutet, können wir gerne in einem persönlichen Gespräch klären. Schreiben Sie uns dazu einfach unten über das Kontaktformular an.
 

Fabian Laasch

Fabian Laasch

Lead Business Consultant
Ansprechpartner für Deutschland

Fabian Laasch arbeitet als Lead Business Consultant bei Zühlke mit einem Hintergrund in Elektronik und Embedded Software. Er verfügt über insgesamt 15 Jahre Erfahrung in der Produktentwicklung, mittlerweile liegt der Fokus auf den frühen Konzeptphasen und dem methodischen Erarbeiten von innovativen Produktideen. Die Suche nach dem Nutzer-Mehrwert in einer Produktidee begeistert ihn am meisten.

Daniel Schmalz Zühlke

Daniel Schmalz

Business Development Associate
Ansprechpartner für Deutschland
Daniel Schmalz ist Business Development Associate bei der Zühlke Gruppe im Hamburger Büro. Vor seinem Eintritt bei Zühlke arbeitete er als Vetriebsingenieur bei einem Maschinenbau Unternehmen und beriet Kunden bei Übertragungstechnologien. Neben seinen Vertriebsaktivitäten war er als Projektmanager und Product Owner für digitale Initiativen sowohl für die interne als auch für die Kundenwertschöpfungskette verantwortlich. Daniel Schmalz hat einen Master in Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt auf Automatisierungstechnik und neue Technologien.