Digitale Reife ist im europäischen Einzelhandel keine Option mehr. Sie ist zur Trennlinie geworden zwischen jenen, die vorankommen, und jenen, die zurückfallen. Das zeigt unsere aktuelle Studie mit Retail Economics.
Eine der zentralen Erkenntnisse lautet: Digitale Vorreiter laufen nicht jedem Tech-Trend hinterher. Sie sind deshalb so erfolgreich, weil sie mit klarem Fokus und im richtigen Maßstab agieren und Projekte konsequent umsetzen. So verwandeln sie digitale Fähigkeiten in echten Erfolg.
Viele Einzelhändler wissen durchaus, was zu tun ist. Die eigentliche Herausforderung liegt vielmehr darin, unter Druck die richtigen Schwerpunkte zu setzen, wenn Zeit, Budget, Talente und Risikobereitschaft begrenzt sind.
In diesem Artikel stellen wir fünf Einzelhandelsunternehmen vor, die sich durch ihre digitale Reife auszeichnen, und zeigen, was ihre Entscheidungen in der Praxis über Impact, Strategie und Umsetzung aussagen. Diese Case Studys finden Sie auch im Report zu unserer Studie, die wir gemeinsam mit Retail Economics durchgeführt haben.

Next: Wenn digitale Fähigkeiten selbst zur Umsatzquelle werden
Next überzeugt durch technologischen Fortschritt und gezielte Kommerzialisierung. Mit der Total Platform hat das Unternehmen ein API-basierte, modulare Infrastruktur geschaffen, die Partner-Marken den Zugang zu gemeinsamen Services für E-Commerce, Lagerhaltung, Versand, Retouren und Kundenservice ermöglicht.
Dabei handelt es sich nicht um ein Nebengeschäft, sondern um eine ernstzunehmende Umsatzquelle. Im Geschäftsjahr bis Januar 2025 stieg der Gewinn aus dem Bereich „Investments und Total Platform“ deutlich – von 42,8 auf 76,6 Millionen Pfund. Ein klarer Beleg dafür, dass digitale Infrastruktur selbst zum skalierbaren Geschäftsmodell werden kann.
Next zeigt, wie sich modulare Technologien, standardisierte Schnittstellen und konsequente Governance skalierbar monetarisieren lassen. Aus technologischer Stärke entsteht so ein profitabler Servicezweig.
Lidl: Wachstum sichern mit souveräner Infrastruktur
Für die Schwarz Gruppe, Mutterkonzern von Lidl, ist digitale Reife vor allem eine Frage der digitalen Souveränität und Resilienz, nicht nur der Innovation.
Durch die Weiterentwicklung der internen IT-Infrastruktur zu einer kommerziellen Cloud- und KI-Plattform reduziert die Gruppe ihre Abhängigkeit von Hyperscalern und gewährleistet gleichzeitig Datensouveränität. Die Plattform verarbeitet Petabytes an Daten und betreibt zehntausende Server und steht mittlerweile auch externen Unternehmen zur Verfügung.
Bemerkenswert ist die strategische Zielsetzung: Die Infrastruktur dient nicht nur als Schutzschild gegen externe Störungen, sondern auch als neuer Wachstumstreiber. Vor dem Hintergrund unübersichtlicher regulatorischer Anforderungen und operativer Unsicherheit wird Resilienz selbst zum Wettbewerbsvorteil.

Sainsbury’s: First-Party-Daten gezielt in Mehrwert verwandeln
Retail Media boomt. Viele Einzelhändler tun sich jedoch schwer damit, entsprechende Strategien skalierbar, messbar und konsistent umzusetzen. Oft scheitern sie an fragmentierten Daten, uneinheitlicher Governance und unklarer Erfolgsmessung.
Sainsbury’s Nectar360 hat mit Pollen einen anderen Weg gewählt: Die einheitliche, KI-gestützte Retail-Media-Plattform basiert vollständig auf First-Party-Daten. Pollen vernetzt Online-, Offsite- und In-Store-Kanäle. Werbekampagnen können nun entlang einer einzigen, verlässlichen Kundenidentität geplant und ausgespielt werden.
Verlässlich, skalierbar, effizient – Pollen macht Retail Media für Marken und Agenturen besser planbar und messbar. Ein überzeugendes Beispiel für digitale Reife, getragen durch Datenkompetenz und praxisnahe KI.
IKEA: Innovation von innen heraus skalieren
IKEA betrachtet digitale Transformation als menschenzentrierten Wandel und versteht die Einführung neuer Technologien ebenso sehr als kulturelle wie als technische Herausforderung.
Ein globales KI-Kompetenzprogramm vermittelt tausenden Mitarbeitenden und Führungskräften von IKEA KI-Wissen. Die Trainings reichen von KI-Grundlagen über GenAI bis hin zu verantwortungsvollem Einsatz und digitaler Ethik. So werden Kompetenzen breit im Unternehmen verankert statt nur in Spezialistenteams gebündelt.
Durch gezielte Investitionen in Menschen, Werte und den alltäglichen Einsatz baut IKEA digitale Reife auf, die sich langfristig auszahlt.

Co-op: Effizienz und Innovationskraft durch Partnerschaften
Co-op treibt digitale Reife mit einem bewusst partnerschaftlichen Delivery-Modell voran. Statt interne Teams massiv aufzubauen, setzt Co-op auf flexible Skalierung nach Bedarf – realisiert gemeinsam mit Zühlke über ein dediziertes Teammodell.
So kann das Unternehmen Engineering-Kapazitäten in Spitzenzeiten gezielt erweitern, ohne Kompromisse bei Qualität, Steuerung oder Kosten einzugehen. Dieser Ansatz reduziert Overhead, spart Zeit und verschlankt die Engineering-Prozesse, was wiederum eine schnellere Umsetzung kritischer Projekte ermöglicht.
Ein pragmatischer Ansatz für digitale Reife mit klarem Fokus auf Umsetzung und Effizienz, bei dem Partnerschaften als strategische Fähigkeit verstanden werden.
Von der Vision zur Umsetzung: Jetzt den nächsten Schritt gehen
Diese fünf Einzelhändler zeigen eindrucksvoll: Für digitale Reife im europäischen Retail-Sektor gibt es kein Patentrezept. Trotz ihrer unterschiedlichen Größen, Geschäftsmodelle und strategischen Ausrichtungen setzen sich alle fünf Unternehmen aus demselben Grund vom Wettbewerb ab: Sie haben die Lücke zwischen Planen und Umsetzen geschlossen.
Was sie eint, ist nicht die Technologie, die sie einsetzen – sondern wie gezielt sie diese einsetzen. Digitale Fähigkeiten werden als Teil der kritischen Infrastruktur verstanden. Sie werden daher klar gesteuert, strategisch skaliert und auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet. Ob Plattform-Monetarisierung, datenbasiertes Retail Media, souveräne Infrastruktur, partnerschaftliche Umsetzung oder die Verankerung von Kompetenzen in der Firmenkultur – bei allen steht der Business Impact im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung.
Den meisten Einzelhändlern fehlt es nicht an Ideen, sondern an Fokus. Sie müssen die richtigen Prioritäten setzen, Investitionen gezielt bündeln und ihre Organisation so aufstellen, dass die Umsetzung zur Routine wird.
Zühlke unterstützt Retail-Unternehmen dabei, klare Prioritäten zu setzen und diese konsequent umzusetzen. Von der Modernisierung veralteter Plattformen über den Weg in die Cloud bis hin zur gezielten Integration von Künstlicher Intelligenz mit messbarem Mehrwert. Sprechen Sie uns an und erfahren Sie, wie digitale Reife bei Ihnen konkret aussehen kann.





