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Insights

Pharma und Tech: eine perfekte Symbiose?

Blaise Jacholkowski & Stefan Weiß &

Vier Typen von Innovationspartnerschaften am Schnittpunkt zwischen Pharma und Technologie - Zusammenarbeit für den beiderseitigen Erfolg und Integration des Endprodukts in Ihr eigenes digitales Ökosystem.

Insight in brief

  • Die Zukunft in der Gesundheitsindustrie liegt in Therapien, die sich an den „4Ps“ (precise, personalized, participatory und preventive) orientieren. Hierzu bedarf es neuer Allianzen und Partnerschaften – insbesondere zwischen Pharma- und Technologieunternehmen.  
  • Auch wenn jede Partnerschaft anders ist, sehen wir hier vier Modelle: Strategische Allianzen, produktspezifische Partnerschaften, Partnerschaften mit Start-ups sowie Partnerschaften mit einem Vermittler in einer beratenden Funktion.  
  • In diesem Blogpost beschreiben wir die wichtigsten Merkmale dieser Partnerschaften und geben Tipps, wie sie zu einem Erfolg für beide Seiten werden.  

Neue Dimensionen: digitale Innovationen im Pharmabereich

Innovationen im Pharmabereich sind nichts Neues – ganz im Gegenteil: Bahnbrechende Ideen sind an der Tagesordnung, die Branche lebt von der Entdeckung und Vermarktung neuer Moleküle und Therapien. 

Die Definition von Innovation im Pharmabereich erfährt derzeit allerdings einen Wandel. 

Innovation bezieht sich nicht mehr nur auf die herkömmliche Arzneimittelentwicklung, sondern über alle Grenzen von Wissenschaft und Technologie hinweg auf das gesamte Healthcare Ecosystem. Das Ergebnis ist eine personalisierter Ansatz der Gesundheitsversorgung, welcher die genetische Disposition berücksichtigt und Patientinnen und Patienten miteinbezieht - eine Medizin, welche die 4 Ps in sich vereint: „Participatory, personalized, precise, preventive“. 

Von digitalen Technologien getriebene Innovationen stehen für Pharmaunternehmen immer häufiger im Zentrum des Interesses, sodass die Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen einen kritischen Faktor für den Erfolg ausmacht. Trifft man hier die richtigen Entscheidungen, sind die optimalen Grundlagen für ein rasches Wachstum gelegt. Wählt man den falschen Partner aus, kann es passieren, dass Zeit und Geld in eine Partnerschaft versenkt werden, die keinerlei Mehrwert generiert. 

Im vorliegenden Blog betrachten wir vier Ansätze für Tech-Partnerschaften: strategische Allianzen, produktspezifische Partnerschaften, Partnerschaften mit Start-ups sowie Partnerschaften mit einem Vermittler in einer beratenden Funktion. Wir analysieren die wichtigsten Faktoren, die es bei der Entscheidung für eine der Varianten sowie der Umsetzung zu beachten gibt, und erörtern, wie man die daraus entstehenden Produkte und Projekte in das eigene digitale Ökosystem integriert. Dabei werfen wir einen Blick auf einige der bekanntesten Pharma-Tech-Partnerschaften.  

Sehen wir uns zu Beginn aber einmal an, warum Pharma-Tech-Partnerschaften so komplex sein können. 

Alle Parameter miteinbeziehen

Technologieunternehmen sind sich des Potenzials digitaler Innovationen im Pharma-Bereich nur allzu bewusst und sind daher intensiv auf der Suche nach Partnern.  

„Pharma + Tech = digitale Innovation“ - so einfach ist die Gleichung aber nicht. 

Das traditionelle Modell für Innovationen im Pharma-Bereich wird weiterbestehen. Die Herausforderung besteht darin, nicht die bisherigen Mechanismen zu ersetzen, sondern sie auf die neuen technologischen Möglichkeiten abzustimmen, die alten und neuen Modelle effektiv und nutzbringend zusammenzuführen.  

Innovation ist in den Bereichen Pharma und Tech grundsätzlich sehr verschieden. Nicht jeder Aspekt in Ihrem Forschungs- und Entwicklungsprozess kann mit Hilfe von Technologie verbessert werden - und nicht jede neue Technologie ist im Pharma-Kontext einsetzbar. 

Am Beispiel des Einsatzes von KI in klinischen Studien wird deutlich, dass moderne Technologie dazu beitragen kann, Entwicklungszyklen zu verkürzen und Kosten zu senken. Für Pharma-Unternehmen ist das eine Win-Win-Situation. 

So eindeutig ist der Zusammenhang im Bereich digitaler Innovationen im Pharmabereich aber nicht immer. Tech-Innovation zeichnet sich durch agile Entwicklung, schnelles Scheitern und den Einsatz von Minimum Viable Products (MVPs) aus. Für einen Bereich, in dem es um die Gesundheit von Patienten und Patientinnen geht, sind das aber nicht unbedingt die idealen Methoden. 

Es gilt, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen: die Flexibilität und Dynamik der Tech-Branche und die fachliche Kompetenz und Erfahrung des Pharmabereichs, die für sichere Lösungen sorgen. 

Wenn Sie mit digitalen Innovationen abheben möchten, werden Sie wahrscheinlich Ihre Komfortzone verlassen müssen. Aber Sie können sicher sein, dass die sich ergebenden Chancen das Risiko wert sind. 

Probleme für Lösungen finden 

Normalerweise hat man ein Problem und sucht dafür eine Lösung. Im Technologiesektor ist das manchmal umgekehrt: Ein Tech-Start-up bietet eine Lösung an, für welche das Problem bzw. ein passendes Anwendungsfeld erst noch zu identifizieren ist. Sie müssen also verifizieren, ob Ihr Problem bzw. Ihr Geschäftsfeld mit der offerierten Lösung zusammenpasst - oder sicherstellen, dass Sie durch den Einsatz der Lösung das Problem zumindest rascher in den Griff bekommen können.  

Ihr zukünftiger Technologiepartner mag spannende Möglichkeiten und tolle Ideen und Konzepte bieten, aber passt seine Lösung auch zu Ihrem Produkt-Portfolio, Ihrer Entwicklungs-Pipeline und Ihrer Unternehmenskultur? 

Außerdem ist zu bedenken, dass Sie hier in einem sich rasch ändernden regulatorischen Umfeld agieren. Die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Technologie zum Wohl der Patientinnen und Patienten werden gerade erst erarbeitet. Egal wohin die Reise für Sie geht, sollten Sie jedenfalls sicherstellen, dass Sie den Weg dorthin - gemeinsam mit Ihrem Tech-Partner – schon vorher genau festlegen. 

Für Technologiepartnerschaften gibt es kein Standardmodell, das für alle funktioniert. Jedes Unternehmen hat individuelle Ansprüche. Es haben sich in den letzten Jahren jedoch vier typische Formen von Partnerschaften herauskristallisiert. Im Folgenden betrachten wir die vier Partnerschaftsmodelle und deren wichtigste Merkmale im Detail. 

Strategische Allianzen 

Die größten Pharma-Tech-Partnerschaften sind strategische Allianzen: Große, internationale Unternehmen schließen sich für milliardenschwere Vorhaben zusammen, um gemeinsam das Potenzial digitaler Innovationen und neue Marktchancen auszuschöpfen. 

Aktuelles Beispiel ist die Allianz von Novartis und Microsoft. Im Rahmen der 2019 bekanntgegebenen, mehrjährigen Partnerschaft wollen die zwei Branchenriesen unter Nutzung großer Datenmengen und KI die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung neuer Medikamente revolutionieren. Novartis hat in diesem Zusammenhang ein eigenes KI-Innovationslabor gegründet, um den Einsatz von KI im gesamten Unternehmen zu realisieren. 

Da strategische Allianzen in der Strategie eines Unternehmens fest verankert sind, muss das Top-Management die Ausrichtung festlegen und die Richtung vorgeben. CEO und Chief Digital Officer (CDO) des Unternehmens haben die Zügel fest in der Hand, definieren die gemeinsame Vision und stellen sicher, dass diese Vision von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf allen Ebenen des Unternehmens mitgetragen wird. Auch bei der Wahl der geeigneten Partner übernimmt das Top-Management die Führung.  

Strategische Partnerschaften erfordern einen laufenden Abgleich und eine ständige Annäherung aneinander. Die Partner müssen die Möglichkeiten und Grenzen der Leistungsfähigkeit des jeweils anderen sehr genau kennenlernen - hinsichtlich der Technologien, Daten, Abläufe, gesetzlichen Vorgaben etc. Unzählige Fachbereiche und Funktionen im jeweiligen Unternehmen sind involviert. Hier können einschlägig besetzte Arbeitsgruppen maßgeblich zum Erfolg einer Pharma-Tech-Partnerschaft beitragen. 

Strategische Allianzen sind jedoch nicht immer erfolgreich. Im Jahr 2016 gründete Sanofi gemeinsam mit dem Google-Spin-Off Verily Life Sciences das Joint-Venture Onduo. Ziel der Kooperation war es, im Diabetes-Management unter Verknüpfung professioneller Betreuung, Software und technischer Geräte eine innovative Lösung für die integrierte Patientenversorgung zu entwickeln. Den beiden Unternehmen war das ein Investment von 500 Millionen USD wert. Drei Jahre später beendete der neue CEO Paul Hudson das Joint-Venture Onduo jedoch, da sich Sanofi seiner Ansicht nach „übernommen“ hatte und sich lieber wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren sollte. 

Die Gründe für das Versagen strategischer Allianzen sind vielfältig, und dass selbst Schwergewichte wie Sanofi und Google dabei scheitern oder eine Kurskorrektur vornehmen müssen, zeigt, wie heikel und komplex solche Unternehmungen sind. Eines steht aber dennoch fest: Strategische Partnerschaften werden angesichts des immensen Potenzials von digitalen Innovationen im Pharmabereich bzw. Technologiesektor in den nächsten Jahren eine noch viel wichtigere Rolle spielen.

Produktspezifische Partnerschaften 

Hierbei handelt es sich um Partnerschaften auf einer mittleren Ebene, die typischerweise in Zusammenhang mit bestimmten, von den Pharmaunternehmen anvisierten Technologien oder klinischen Outcomes entstehen. 

Dabei kann es sich um ganz unterschiedliche Outcomes und Ziele handeln, von der Beschleunigung einer bestimmten Phase der Arzneimittelentwicklung durch Einsatz einer spezifischen technologischen Lösung, über die Entwicklung begleitender telemedizinischer Behandlungsformen bis hin zur Entwicklung von Digital Therapeutics (DTx). 

Gute Partnerschaften in diesem Bereich zeichnen sich durch eine verstärkte Fokussierung auf das Patientenwohl aus. Allerdings konzentrieren sich Konzeptions- und Entwicklungsteams oft lieber auf die Lösung kniffliger technischer Probleme und verlieren dabei den Business Case aus den Augen. Hier ist es von zentraler Bedeutung, sich durch die vielen neuen Möglichkeiten und gewonnenen Erkenntnisse nicht vom ursprünglichen Ziel ablenken zu lassen.  

Denken wir etwa an ein Szenario, in dem mit Unterstützung eines interessanten, neuen Technologiepartners eine neuartige Behandlungsmethode für seltene Krankheiten entwickelt werden könnte. Das klingt zwar zunächst großartig. Aber ergibt es auch Sinn im Zusammenspiel mit Ihrem übrigen Portfolio? Um Erfolg zu haben, muss man manchmal auch Nein sagen. 

Stellen Sie den Sinn und Nutzen für Ihr Unternehmen und für Ihre Kunden in den Mittelpunkt, wenn Sie bei der Wahl der Form der Partnerschaft und des Partners zu einer nachhaltigen Entscheidung gelangen möchten. Innerhalb der Partnerschaft ist es allein Ihre Aufgabe, die Sicht der Ärzte und die Interessen der Patienten zu vertreten. Stellen Sie sich nicht die Frage „Was könnten wir tun?“, sondern „Was sollten wir tun?“. 

Für ein wechselseitiges Verständnis zwischen Pharma und Tech ist zuallererst eine gemeinsame Sprache notwendig. Bei Zühlke empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden, Bilder und Grafiken zu verwenden und Einblicke in die realen Abläufe zu geben, um Ihren Technologiepartnern Ihre Welt verständlich zu machen. Einander zu verstehen ist eine grundlegende Voraussetzung für das Gelingen der Partnerschaft, denn oft stellt sich heraus, dass Fachleute der unterschiedlichen Disziplinen - wenn sie in Ihrem jeweiligen Jargon kommunizieren - zwar oft glauben, einander verstanden zu haben, in Wirklichkeit aber aneinander vorbeigeredet haben.  

Sehr gut darstellen lässt sich das am Beispiel der Abkürzung „API“: Im Pharma-Umfeld steht dieses Akronym für „Active Pharmeceutical Ingredient“, den Wirkstoff eines Arzneimittels, wohingegen in der Technik-Welt „Application Programming Interface“, eine Programmierschnittstelle, gemeint ist.  

Wenn Sie sich für ein Projekt entscheiden, sollten Sie jedenfalls sicherstellen, dass Sie bei all der Dynamik des Erfolgs auch immer die ursprüngliche Intention im Blick behalten. Manche Tech-Innovationen im Pharmabereich sind zwar theoretisch für einen breiter gefassten Einsatzbereich geeignet, jedoch wird Ihnen im dynamischen Ablauf der Partnerschaft kaum Zeit dafür bleiben, von einer hypothetischen Anwendung profitieren zu können. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, verheißungsvoll scheinenden Zielen auf Nebenschauplätzen hinterherzujagen, wenn der Erfolg des ursprünglichen Zwecks so nahe liegt. 

Start-up-Partnerschaften 

Start-up-Partnerschaften im Pharmabereich sind das Partnerschaftsmodell mit der höchsten Dynamik und Flexibilität. Häufig sind sie allerdings auch sehr kurzlebig. 

Dieses Modell bietet sich für Pharma-Unternehmen an, die neue Wege ausprobieren möchten und dabei auf interne Hindernisse stoßen. Hier ein typisches Szenario: Sie möchten mit Unterstützung von KI einen Antikörper selektieren, mit dem Sie in die nächste Forschungsphase gehen können. 

Wenn Sie für diesen Zweck eine Start-up-Partnerschaft eingehen, bestehen gewisse Risiken bzw. Unsicherheiten. Das Start-up ist vielleicht ein Newcomer in der Pharma-Branche und hat in Ihrem Bereich möglicherweise keinerlei Erfahrung vorzuweisen. Das Start-up hebt vielleicht nie ab, wächst nicht in den neuen Bereich hinein. Sie können möglicherweise nur eingeschränkt auf Daten oder das gemeinsam erarbeitete Intellectual Property zugreifen. Oder es stellt sich heraus, dass die Unternehmenskultur und Arbeitsweisen so unterschiedlich sind, dass sich eine Zusammenarbeit als schwierig erweist.  

Ein Beispiel einer gelungenen Start-up-Partnerschaft im Bereich der digitalen Innovation im Pharmasektor ist die Kooperation zwischen Roche und mySugr. Das 2012 gegründete Start-up hat mit der App „mySugr“ ein offenes Diabetes-Ökosystem geschaffen, das den Alltag von Menschen mit Diabetes unter der Devise „we make diabetes suck less“ verbessert. 

Mithilfe der App wird unter Integration von Fitness- und Medical Devices die tägliche Belastung im Umgang mit Diabetes verringert und die allgemeine Befindlichkeit verbessert. Roche und mySugr starteten die Kooperation 2014. Im Jahr 2017 wurde die App zu 100 % von Roche übernommen, kolportierter Verkaufspreis: zwischen 75 und 100 Millionen USD.  

Das kleine Wiener Start-up konnte sich dank der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmariesen auf Wachstum und Weiterentwicklung sowie optimierten Produktnutzen und höchste Benutzerfreundlichkeit konzentrieren. Nach dem Exit blieb mySugr als Marke und Tochterfirma von Roche eigenständig und darf jederzeit weitere Devices und Lösungen integrieren, einschließlich Produkte von Mitbewerbern von Roche.  

Johnson & Johnson hingegen hat einen anderen Weg eingeschlagen: Die Initiative JLABS ist ein weltweites Netzwerk offener Innovations-Ökosysteme, das Pharma-Unternehmen und Digital-Health-Anbieter zusammenbringt. Auf Grundlage einer unverbindlichen Vereinbarung („No strings attached“) können Start-ups die Räumlichkeiten von J&J zu einem geringfügigen Preis nutzen und dort unter voller Beibehaltung ihrer Autonomie ihre Technologien weiterentwickeln. Wenn die Entwicklungen ausgereift sind, ist J&J als erstes am Zug. 

Laut einer Untersuchung des Analyse- und Beratungsunternehmens für digitale Gesundheit, Research2Guidance (R2G), sind die drei häufigsten Gründe für das Scheitern von Partnerschaften eine fehlende gemeinsame Strategie (keine KPIs, kein Budget, keine Führung), unrealistische Erwartungen und lange Entscheidungsfindungsprozesse.   

Wenn Sie eine Start-up-Partnerschaft in Betracht ziehen, überlegen Sie sich zuvor gut, was Sie sich davon versprechen und was Sie bereit sind einzubringen. Die Tech-Unternehmen werden die Partnerschaft als willkommene Gelegenheit betrachten, den Sprung in den Healthcare-Markt zu schaffen. Sie wiederum erhalten möglicherweise Zugriff auf wertvolle Daten. In diesem Zusammenhang werden Sie sich mit Vereinbarungen zum Thema IP und Beteiligungsmodellen auseinandersetzen müssen. Für solche Partnerschaften sind häufig nichtmonetäre Vergütungen, einschließlich Markt-Know-how und Marktzugang, genauso wichtig wie der finanzielle Aspekt. 

Es gilt, wie auch bei den anderen Partnerschaftsmodellen: Sehen Sie sich gerne an, was für Sie interessant ist, aber konzentrieren Sie sich auf das, was für Sie lohnend ist. Welchen Deal Sie auch eingehen, er muss mit Ihrer Geschäftsstrategie abgestimmt sein, eine sinnvolle Ergänzung zu Ihren bestehenden Projekten darstellen und auf Ihre Zielgruppe zugeschnitten sein. Stellen Sie Ihre wahrscheinlichsten Anwendungsfälle ins Zentrum der Überlegungen und seien Sie sich im Klaren darüber, was die Technologie leisten soll und was Sie von der Partnerschaft insgesamt erwarten.  

Beispiele für Start-up-Partnerschaften 

Im Bereich der Start-up-Partnerschaften ist viel in Bewegung. Aktuell werden zahlreiche Partnerschaften zwischen großen Unternehmen und Start-ups abgeschlossen. Viele davon sind wegweisend für die Zukunft.  

Novartis und Pear: Einsatz von DTx gegen Drogen- und Medikamentenmissbrauch 

Als Pionier auf dem Gebiet entwickelt Pear Therapeutics verschreibungspflichtige digitale Therapeutika (DTx) für die Behandlung schwerer Krankheiten. Im Bereich Partnerschaften mit dem Pharma-Sektor kann Pear Therapeutics auf eine Erfolgsbilanz verweisen.  

Nachdem die Novartis-Tochter Sandoz bereits zuvor in Pear investiert hatte, ging Pear mit Sandoz 2018 eine Entwicklungspartnerschaft ein. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollte Pear bei der Vermarktung seiner DTx-Produkte zur Bekämpfung von Substanzmissbrauch (reSET) und Opiodabhängigkeit (reSET-O) unterstützt werden.  

Im Jahr darauf reduzierte Sandoz jedoch sein Engagement und legte die Vermarktung der beiden Produkte zurück in die Hände von Pear, da Sandoz sich auf sein eigentliches Kerngeschäft konzentrieren wollte. Die Beteiligung an Pear Therapeutics wurde jedoch aufrechterhalten.  

Dieser Rückzug eines Branchengiganten aus einer Tech-Partnerschaft im Bereich DTx hat manchen Beobachtern zu denken gegeben, wurde aber von anderen auf interne Umstrukturierungen bei Sandoz zurückgeführt, das Markt- und Investoreninteresse im DTx-Segment sei ungebrochen, hieß es.  

Akili und Pfizer: Einsatz digitaler Therapeutika bei Alzheimer und ADHS 

Der Deal zwischen Pear und Sandoz war die erste Entwicklungspartnerschaft im Bereich Pharma und DTx. Aber bereits 2014 ging der Spieleentwickler Akili Labs mit Pfizer eine Partnerschaft ein, im Rahmen derer das Videospiel „Projekt Evo“ zur Früherkennung von Alzheimer eingesetzt wurde: Erste Anzeichen der Krankheit können durch die Erfassung von digitalen Biomarkern detektiert werden.  

In der Folge wurde das Spiel unter der Bezeichnung Endeavor Kindern mit ADHS, die während der COVID-19-Pandemie das Haus nicht verlassen durften, zur Verfügung gestellt (nicht verschreibungspflichtig).  

Kaiku Health und Roche/Novartis: Einsatz von DPMM in der Krebstherapie 

Nach mehreren Pilotprojekten 2019 entschlossen sich Kaiku und Roche zu einer erweiterten Zusammenarbeit im Rahmen eines „Feasibility Programms“.  

Auf Basis der entsprechenden Vereinbarung soll Kaiku bei der Entwicklung und beim Testen von drei innovativen DPMM-Modulen (Digital Patient Monitoring und Management) für Roche-Produkte mitarbeiten, wobei der Fokus auf der Krebsimmuntherapie und anderen personalisierten Krebstherapien liegt. Mithilfe der Module sollen die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten gesteigert, Ressourcen besser genutzt, klinische Abläufe optimiert und Erkenntnisse für die Praxis gewonnen werden.  

Vor kurzem hat nun Kaiku eine weitere Vereinbarung mit Novartis auf dem Gebiet des Melanom-Monitorings unterzeichnet. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden die beiden Unternehmen ein neues Symptom-Tracking-Tool für Patienten entwickeln, die eine bestimmte Kombination von Arzneimitteln einnehmen - mit Handlungsanleitungen für die Patienten und Patientinnen sowie Benachrichtigungen an das Pflegepersonal, wenn sich ihr Zustand verschlechtert.  

Sanofi und Voluntis: Digitales Diabetes-Management 

Voluntis unterzeichnete 2017 eine Vereinbarung mit Sanofi, um Insulia und Diabeo, zwei digitale Diabetes-Management-Systeme für Diabetes-Typ-2 zu lancieren. Pilotprojekte waren in den USA und mehreren europäischen Ländern geplant. Mit diesem Deal wurde eine bereits 2011 begonnene Allianz formalisiert.  

Im Zuge der Veröffentlichung der neuen Strategie von Voluntis im Jahr 2020 stellte sich aber heraus, dass Insulia nun doch nur für Frankreich ausgerollt und der Deal für Diabeo (eine gemeinsame Entwicklung von Sanofi und Voluntis) nicht verlängert werden sollte.  

Click und diverse Pharma-Unternehmen: digitale Behandlungsformen und Finanzierung 

Click ist ein Biotech-Unternehmen, das im Bereich Software as a Medical Device (SaMD) einen bisher ungedeckten Bedarf befriedigt.  

Bei dem 500 Millionen Dollar-Deal zwischen Click und Boehringer Ingelheim geht es um eine Zusammenarbeit zu einem verschreibungspflichtigen digitalen Therapeutikum für Menschen, die an Schizophrenie leiden. Im Rahmen einer weiteren Kooperation arbeitet Click mit Otsuka and Verily zum Thema digitale Behandlungsmethoden bei Depressionen zusammen. 2018 sicherte sich Click eine Summe von 17 Millionen USD in einer von Sanofi organisierten Finanzierungsrunde.   

Beratende Vermittler als Partner 

Im Vorhergehenden sind wir auf die drei Haupttypen von Pharma-Tech-Partnerschaften eingegangen. Es gibt jedoch einen vierten Typus, der eine sinnvolle Ergänzung zu den übrigen Partnerschaftstypen sein kann: die Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Berater und Vermittler, der die Kooperation zwischen Ihnen und Ihrem Tech-Partner ausarbeitet.  

Das Vermittlungsunternehmen sollte sowohl mit dem Pharma-Ökosystem als auch mit digitalen Innovationen im Pharmabereich/Technologiesektor vertraut sein und nachweislich Erfahrung darin haben, die beiden zusammenzubringen. 

Die Kooperation mit einem beratenden Vermittler bringt eine Reihe von Vorteilen: 

Auf der einen Seite vermeiden Sie eigenen Managementaufwand für die Suche nach Tech-Unternehmen oder die Orientierung am Technologie-Markt. Mit einem fachkundigen Scout an Ihrer Seite ist sichergestellt, dass Sie die richtige Gelegenheit nicht verpassen. Außerdem sind Sie auf diese Weise nicht auf die Unternehmen und Technologien beschränkt, die Sie ohnehin schon kennen. 

Wir unterstützen unsere Pharma-Kunden sowohl in strategischer als auch in operativer Hinsicht dabei, neue Geschäftsfelder zu erschließen, sei es durch z. B. die Entwicklung von Medical Software, Medical AI, Konnektivität von Medizinprodukten, frühe Phasen der Konzeptionierung und Prototypentwicklung, Prozessautomatisierung in der Produktion, Evaluierung von Geschäftsmodelle im Bereich Digital Health oder den Aufbau eines Innovation Lab.  

Darüber hinaus kann ein externer Vermittler auch beratend unterstützen, wenn Tech-Unternehmen von sich aus mit einem Kooperationsangebot an Sie herantreten. Sie müssen sich nicht selbst überlegen, ob dieses unbekannte Unternehmen vielleicht ein guter Partner wäre, sondern beauftragen einfach Ihren Vermittler mit der Analyse. 

Darüber hinaus hat eine Partnerschaft mit einem beratenden Vermittler den Vorteil, dass Sie bei der Umsetzung Ihrer Ideen und Visionen wesentlich dynamischer agieren und auf Technologie-Trends reagieren können. Der Effekt: Sie kommen dadurch schneller auf den Markt. 

Zühlke bietet ein solides Fundament im Bereich digitale Innovationen im Pharmabereich. Wir wissen, wie man ambitionierte Vorhaben im Pharmabereich technologisch umsetzt, sodass hochwertige Ergebnisse im Pharma-Ökosystem erzielt werden können. Egal, an welcher Art von Partnerschaft Sie interessiert sind, wir können Sie dabei unterstützen. 

Blja

Blaise Jacholkowski

Principal Business Consultant

Blaise holds a Master in Microtechnology Engineering with Biomedical specialization from the EPFL as well as an Executive MBA in General Management and Finance. He joined Zühlke at the end of 2020 as Principal Business Consultant and combines 15+ years of experience in Life Sciences (Pharmaceuticals, Medtech & Healthtech) in consulting, professional services and as an entrepreneur. He tackled multiple projects in the context of digital, cultural & workforce transformation, and took part in various startup acceleration programs as a jury member in the selection committee or as a mentor. 
 

Stefan Weiß

Stefan Weiß

Lead Business Consultant
Ansprechpartner für Deutschland

Dr. Stefan Weiss ist Lead Business Innovation Consultant bei der Zühlke Gruppe und verfügt über breites Hintergrundwissen in den Neurowissenschaften kombiniert mit einer breiten Expertise in Geschäftsmodellen und Innovationsmanagement. Vor seiner Zeit bei Zühlke, gestaltete Stefan die Zukunft von Healthcare und Life Sciences im Innovationszentrum der Merck KGaA aktiv mit. Mit Leidenschaft treibt er die Digitalisierung der Pharma- und MedTech-Industrie mit Fokus auf innovative Geschäftsmodelle voran, bei denen er seine wissenschaftliche und wirtschaftliche Expertise optimal anwenden kann. Bei Zühlke erweitert er die technische Exzellenz um domänenspezifisches Know-How und stärkt damit die Partnerschaften mit Pharma- und MedTech-Kunden.