Hinzu kommen der organisationale und der kulturelle Change. Welchen enormen Aufgaben es dabei zu bewältigen gilt – und wie Anwendungsmodernisierung mit KI dabei hilft.
- Warum alte Legacy-Systeme dringend ersetzt werden müssen
- Wie Anwendungsmodernisierung mit KI hilft, Riesenprojekte zu zerlegen und schrittweise eine neue IT-Architektur aufzubauen
- Welche Rolle ein professionelles Changemanagement spielt
- Wie die Bank der Zukunft aufgestellt ist
Quer durch alle Branchen müssen Traditionsunternehmen ihre über Jahrzehnte entstandenen IT-Architekturen erneuern. In der Folge zählen etwa laut der Lünendonk-Studie 2025 IT-Modernisierung und Cloud-Transformation zu den Bereichen, in denen IT-Dienstleister die höchste Nachfrage verzeichnen.
Für Banken ist dieser Umbau eine besondere Herausforderung. Als Teil der kritischen Infrastruktur unterliegen sie strengen regulatorischen Vorgaben. Zudem wurden die historisch gewachsenen Kernbankensysteme bislang noch kaum angerührt – nicht zuletzt, weil sie bisher stabil gelaufen sind und resilient waren. Neue Funktionen und Services wurden angedockt.
Ziel: eine moderne, modulare und vernetzte IT
Mittlerweile jedoch haben sich die Kernbankensysteme zu einer tickenden Zeitbombe entwickelt und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit der deutschen Banken. So wurden die Legacy-Systeme nicht für das Tempo, die Komplexität und die Agilität entwickelt, die heute gefordert ist. Traditionsbanken bleiben insbesondere im Vergleich mit den schnellen und wendigen Fintechs zurück.

Hinzu kommt: Das benötigte Wissen, um zum Beispiel die alten Systeme an neue regulatorische Anforderungen anzupassen, liegt in den Köpfen weniger IT-Experten, die bald in Rente gehen werden. Bereits kleine Fehler im Code können massive Auswirkungen haben.
Ziel muss es daher sein – entgegen den monolithischen und undurchsichtigen Kernbankensystemen – eine modulare und vernetzte IT aufzubauen, die auf modernen Strukturen wie Cloud, Saas, KI und Open Banking basiert, anpassungsfähig ist und von allen Beteiligten verstanden wird.
Der CIO trägt eine enorme Verantwortung
Innerhalb der Banken ist die Modernisierung der Kernbankensysteme eine zentrale Aufgabe des CIO. Er trägt die Verantwortung für die Transformation und damit auch ein hohes persönliches Risiko, was seinen eigenen Erfolg im Unternehmen betrifft. So handelt es sich um eine Aufgabe, die bis zu einem Jahrzehnt und länger dauern kann. Die Kosten können explodieren und eine Verzögerung, ein IT-Ausfall oder ein Sicherheitsvorfall sich ebenfalls extrem negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Bank auswirken.
Zugleich wächst die Bedeutung der IT und damit auch des CIO innerhalb der Unternehmen: Die IT ist das Zukunftszentrum der Bank. Hier entscheidet sich, wie gut eine Bank im Wettbewerb besteht und wie sie auf den Kunden wirkt. Oder anders formuliert: War früher eine Bank ein Bankhaus mit einer IT-Abteilung, wird sie immer stärker zu einem Softwarehaus mit einer Banklizenz.
Moderne KI hilft beim Verstehen und Umbauen der Systeme
Beim Verstehen der bestehenden Kernbankensysteme kann Anwendungsmodernisierung mit KI die entscheidende Unterstützung bieten. Mit ihrer Hilfe kann das implizite Wissen, das bislang nur in den Köpfen der Entwickler steckt, mit einem so genannten digitalen Zwilling sichtbar gemacht werden.
Dabei handelt es sich um eine durch rückwärtsgewandte Dokumentation erstellte Wissensdatenbank, die mit natürlicher Sprache abgefragt werden kann. Sie ermöglicht es, gezielte Änderungen vorzunehmen und in einem zweiten Schritt auch einzelne Module zu analysieren und ebenfalls mithilfe moderner KI zu erneuern. Das bedeutet: Die Herkulesaufgabe der technologischen Transformation kann in kleinere und gut planbare Schritte aufgeteilt werden.
Erste positive Beispiele dafür gibt es bereits. So hat eine führende Schweizer Privatbank in den vergangenen Jahren genau diesen Weg beschritten. Sie hat begonnen, die Wissensschichten ihrer Kernsysteme maschinell auszulesen, Abhängigkeiten zu modellieren und Logik transparent zu machen. Das Ergebnis: kürzere Release-Zyklen, geringere Fehlerquoten, schnellere Reaktionszeiten auf regulatorische Änderungen – und erstmals eine Architektur, die erklärt, was sie tut.
Der CIO als Change- und Prozessmanager
Von zentraler Bedeutung sind bei diesem Transformationsprozess jedoch nicht nur die passenden Technologien. Unabdingbar ist auch, dass der CIO Changemanagement beherrscht, denn mit der technologischen Änderung muss es auch prozessuale Änderungen geben – Änderungen in den Arbeitsweisen, in den Rollen und Verantwortlichkeiten.
Der CIO muss seine Mitarbeitenden vom Wandel überzeugen und oftmals auch die Unternehmensführung. So betrifft der Change auch längst nicht nur die IT, sondern die gesamte Organisation.

Zielbild ist oftmals ein Unternehmen, in dem in crossfunktionalen Teams gearbeitet wird, die sich auf bestimmte Kundenbedürfnisse oder Produkte konzentrieren, wie zum Beispiel Baufinanzierung oder Privatkundengeschäft. In diesen Teams entwickeln Experten aus Kundenbetreuung, Marketing, Vertrieb und Softwareentwicklung gemeinsam neue Services.
Es gibt auch bereits Beispiele von Banken, die weite Teile der IT den betreffenden Fachbereichen zugeordnet haben. Klar ist auch: Um eine solche neue Organisationsform und die passenden Arbeitsweisen zu etablieren, ist nicht zuletzt auch ein kultureller Wandel notwendig.
Beobachten, Verstehen, Anpassen, Überprüfen
Doch wie beginnt nun ein CIO mit dieser umfangreichen Transformation? Zunächst einmal sollte er sich ein detailliertes Bild von der bestehenden IT-Landschaft (IST-Zustand) machen und ein Zielbild erarbeiten, wohin sich die IT und die gesamte Organisation entwickeln sollen (SOLL-Zustand).
Ein pragmatischer erster Schritt in Richtung IT der Zukunft besteht darin, zunächst ein Modul herauszugreifen – z. B. Payments/Zahlungsverkehr, digitale Kontoeröffnung und Costumer Onboarding – und dieses mithilfe von KI vollständig und inklusive aller Abhängigkeiten und Risiken zu analysieren, zu verstehen und in ein neues modernes System zu überführen.
Dies schafft ein erstes, überprüfbares Lernmodell und zeigt schnell den Nutzen der Anwendungsmodernisierung mit KI auf. Wichtig ist es, Kriterien festzulegen, anhand derer priorisiert wird, welche Module zuerst angegangen werden. In der Regel werden diejenigen ausgewählt, bei denen ein hoher Modernisierungsdruck besteht, z. B. aufgrund regulatorischer Vorgaben oder drängender Kundenanforderungen.
Auch beim Umbau der Organisation sollte, um das von einer Bank angestrebte Zielbild zu erreichen, zunächst in Pilotprojekten und mit ersten Teams gestartet werden. Gedacht werden sollte grundsätzlich in Lernzyklen: Beobachten, Verstehen, Anpassen, Überprüfen. Auf diese Weise entwickeln sich die IT-Architektur, die Organisation und die Kultur Schritt für Schritt in Richtung Zielbild.

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