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Potenziale einer Kreislaufwirtschaft: Umweltbelastungen und Ressourcenabhängigkeit reduzieren – Lieferketten sichern

Ressourcenknappheit und geopolitische Abhängigkeiten in der Supply Chain sind im 21. Jahrhundert zu großen Problemen geworden. Dieser Blogpost zeigt: Kreislaufwirtschaft ist eine nachhaltige und ökonomische vielversprechende Strategie, um diese Herausforderungen zu lösen.

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Der Klimawandel, die steigende Bevölkerungszahl und Krisen drohen die ohnehin schon angespannten Ressourcen weiter unter Druck zu setzen. In diesem Zusammenhang kommt den Unternehmen eine wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern und die Lieferketten zu sichern.

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Eine Lösung ist die Kreislaufwirtschaft, der die Bedeutung der Wiederverwendung und Regeneration von Materialien in einem geschlossenen Kreislaufsystem hervorhebt. In diesem Blog wird untersucht, wie eine Kreislaufwirtschaft die Abhängigkeit von knappen Ressourcen und geopolitischen Risiken verringern kann, indem Produkte und Materialien in einem kontinuierlichen Kreislauf gehalten werden.

Unsere Produkte heute sind die Materialdepots von morgen

Der Übergang von einer linearen zu einer Kreislaufwirtschaft erfordert ein grundlegendes Umdenken in Bezug auf die Produktion und den Verbrauch von Gütern. Anstelle eines linearen "Entnehmen-Herstellen-Entsorgen"-Modells müssen wir ein System schaffen, in dem Produkte und Materialien so lange wie möglich in Gebrauch bleiben, wie in nachfolgender Abbildung gegenübergestellt.

  • Linear economy
  • Grafik Kreislaufwirtschaft, wie sie in Zukunft sein sollte

Das bedeutet, dass Produkte so konzipiert werden müssen, dass sie langlebig und leicht zu reparieren oder wiederzuverwenden sind. Und, dass geschlossene Kreislaufsysteme geschaffen werden müssen, bei denen Abfälle vermieden und technische und natürliche Materialien in einem kontinuierlichen Kreislauf gehalten werden.

Der Schlüssel zu diesem Ansatz ist die Einführung nachhaltiger Geschäftsmodelle, bei denen die Ressourceneffizienz und die Abfallverringerung im Vordergrund stehen. Wie können Unternehmen dies erreichen? Indem sie ihre Produkte und Lieferketten überdenken und einen geschlossenen Kreislauf bei der Herstellung und dem Produktdesign aufbauen. Darüber hinaus kann die Einführung von dienstleistungsbasierten Geschäftsmodellen, bei denen Produkte geleast oder gemietet (Pay-per-Use) statt verkauft werden, dazu beitragen, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Abfälle zu reduzieren.

Dabei wird schnell klar: Die Kreislaufwirtschaft ist zu komplex, um sie allein zu realisieren. Es braucht Partner, die in gemeinsamen Ökosystem über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg zusammenarbeiten und Innovation realisieren. Für diesen Ansatz der Ecosystem Innovation müssen Unternehmen entsprechende Netzwerke aufbauen und Kooperationskompetenzen entwickeln. Denn die Wertschöpfung wird sich im Vergleich zur „linearen Ökonomie“ verändern, innerhalb der Ökosysteme werden neue Rollen entstehen und Akteure hinzukommen, gleichzeitig werden sich auch Rollen und Akteure verändern oder ganz wegfallen.

Reduzierte Umweltbelastung und steigende Lieferkettensicherheit

Die Kreislaufwirtschaft bietet auch erhebliches Potenzial zur Verringerung von Umweltauswirkungen wie Emissionen und Abfall. Unternehmen können die für die Herstellung neuer Produkte erforderlichen Rohstoffe reduzieren, indem sie Ressourcen länger nutzen. Das wiederum verringert den Energieverbrauch für Abbau und Produktion und spart Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus wird durch die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien die Abfallmenge erheblich reduziert, wodurch die Umweltbelastung auf Deponien verringert und der Bedarf an neuen Materialien minimiert wird.

Ein weiterer wichtiger Vorteil der Kreislaufwirtschaft ist das geringere Risiko von Unterbrechungen der Lieferkette, die durch geopolitische Spannungen oder Ressourcenknappheit verursacht werden. Indem wertvolle Materialien und Ressourcen in einem geschlossenen Kreislauf gehalten werden, sind Unternehmen besser in der Lage, ihren eigenen Ressourcenverbrauch zu steuern und alternative Materialquellen zu nutzen, ohne von einer einzigen Quelle oder Lieferkette abhängig zu sein.

Beispiele: Kreislaufwirtschaft in der Mode-, Haushaltsgeräte- und Automotive-Branche

1. Circular Fashion

Die Modeindustrie basiert aktuell auf einem weitgehend linearen System „Take, Make, Waste“ und führt damit zu erheblichen Umweltbelastungen. Recycling ist ein Baustein auf dem Weg zur Circular Economy, wird aber durch Herausforderungen wie Mischgewebe und den kurzen Lebenszyklus von Textilien ("Fast Fashion") begrenzt. Das Unternehmen Circular.fashion möchte die Kreislaufwirtschaft in der Mode etablieren. Das "Circular Design Tool", eine Datenbank und Software, unterstützt Unternehmen, die Kreislauffähigkeit ihrer Produkte von Anfang an in den Designprozess zu integrieren. Es bietet Werkzeuge und Informationen zu Materialien und ihrer Wiederverwendbarkeit und hilft dabei, Designs so zu optimieren, dass sie mit minimalen Überschüssen und vorzugsweise aus sortenreinen Materialien produziert werden können. So erleichtert Circular.fashion die Rückführung von Textilien in den Produktionskreislauf.

2. Mietmodell für Haushaltsgeräte

"BlueMovement" ist ein Mietmodell für Haushaltsgeräte von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH). Kunden mieten ihre Waschmaschinen, ihren Trockner oder andere Geräte, anstatt sie zu kaufen. Sie haben so immer Zugang zu den neuesten Geräten und verlängern gleichzeitig die Lebensdauer der Geräte. BSH sorgt dabei für die Wartung und Reparatur der Geräte und nimmt sie am Ende ihrer Lebensdauer zurück, um sie zu recyceln oder aufzubereiten. Durch die Reduktion von Elektroschrott und des Bedarfs an neuen Ressourcen für neue Geräte hat das Konzept wesentlichen nachhaltigen Impact. Darüber hinaus motiviert es die Hersteller, langlebige und leicht zu reparierende bzw. zu wartende Geräte zu produzieren, da sie selbst für die Instandhaltung und das Recycling der Geräte verantwortlich sind.

3. Kreislauffähige Automobilproduktion

Eine spannende Idee für die Automobilproduktion kommt von Wissenschaftlern der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen: Um das Konzept der Kreislaufwirtschaft zu berücksichtigen, schlagen Sie vor, das Produktionssystem von Toyota weiterzuentwickeln. Das System beinhaltet eine einfachere Demontage, die Aufbereitung langlebiger Komponenten zur Wiederverwendung und den Austausch und Recycling verschlissener Komponenten in standardisierten und automatisierten Prozessen. Die Nutzungsdauer von Automobilen soll zudem durch regelmäßige Hardware-Updates verlängert werden – ein Konzept, das im Bereich Software bereits erfolgreich etabliert ist. Die Forscher betonen den Bedarf einer passenden Produktstruktur und neuer Prozesse für sogenannte "Re-Assembly Factories“ und haben daher den Open-Source-Ansatz "Oscar" (Open Service Cloud for the Smart Car) vorgestellt. Das Konzept basiert auf einem Fahrzeug-Grundaufbau, der im Lebenszyklus eines Fahrzeugs mehrfach erweitert und weitergenutzt werden kann. Mit Hilfe einer digitalen Produktakte des Fahrzeugs und seiner wesentlichen Komponenten soll die Automobilproduktion nachhaltiger werden. Für den Kunden bedeutet das Konzept: Immer die neuesten technologischen Entwicklungen und Designtrends, ohne komplett neue Produkte kaufen zu müssen.

Der Circular Economy gehört die Zukunft

Die Einführung eines Kreislaufwirtschaftskonzepts ist eine Win-Win-Lösung für Unternehmen und Umwelt. Indem sie Materialien und Produkte in einem kontinuierlichen Kreislauf halten, können Unternehmen Abfälle reduzieren und die Verwendung neuer Materialien minimieren, während sie gleichzeitig ihre Abhängigkeit von knappen Ressourcen und geopolitischen Risiken verringern. Die Umstellung auf nachhaltige Produktionsmodelle mit geschlossenen Kreisläufen erfordert einen systemischen Wandel und erhebliche Investitionen, aber die langfristigen Vorteile für Unternehmen und Umwelt liegen auf der Hand. Da viele Unternehmen bereits den Weg für diesen Wandel ebnen, ist es an der Zeit, dass auch andere sich der Kreislaufwirtschaftsbewegung anschließen und zum Aufbau einer nachhaltigen Zukunft beitragen.

Wie können Unternehmen die ersten Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft gehen? Wir haben einen wissenschaftlich basierten, konkreten Leitfaden entwickelt, der die Orientierung erleichtert und Sie erfolgreich durch die fünf Phasen der Transformation begleitet. Werden Sie noch heute zum “First Mover” und erschließen Sie das Businesspotenzial der Circular Economy.

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Moritz Gomm Zühlke
Ansprechpartner für Deutschland

Moritz Gomm

Senior Business Solution Manager  

Dr. Moritz Gomm ist Senior Manager für Sustainability Innovation & Engineering. Als Gründer mehrerer Start-ups (einschl. der Zühlke Niederlassung in Hongkong) und kreative Person berät er Unternehmen zum Thema Business Innovation und coacht Start-ups mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit.

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