Industrie

Die Reise zum erfolgreichen Nachhaltigkeitsreporting – und darüber hinaus

Die Pflicht zum Nachhaltigkeitsreporting ist für Unternehmen eine massive Herausforderung. Doch diese Pflicht kann auch zur strategischen Chance werden. Wie? Das haben wir mit führenden Fachleuten im Rahmen unseres Zühlke Industry Talks diskutiert. Die Key Messages erfahren Sie hier.

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Wie können Unternehmen die von der Corporate Social Responsibility Directive (CSRD) auferlegte Pflicht zum Nachhaltigkeitsreporting in eine strategische Chance verwandeln? Und wie können Verantwortliche nicht nur Herausforderungen wie Kosten- und Zeitdruck, Datenverfügbarkeit und -management sowie Auditierbarkeit lösen, sondern auch kontinuierliche Wertschöpfung sicherstellen? 

In unserem gemeinsam mit dem Industriemagazin durchgeführten Zühlke Industry Talk diskutieren wir diese zentralen Fragen gemeinsam mit:

Die wichtigsten Erkenntnisse und Key Messages der Diskussion lesen Sie unten. Den gesamten Talk können Sie jederzeit hier im Player ansehen!

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„ Wir verschwenden alle Zeit und Geld für ein Stück Papier. “
Dr. Francis Froborg
Lead Sustainability Consultant, Zühlke Group

Status-quo: Verloren im Dschungel des Nachhaltigkeitsreportings

Dr. Francis Froborg von Zühlke schildert zu Beginn Ihre Erfahrungen aus Gesprächen mit Kunden, Interessenten und Partnern: „Aus all diesen Gesprächen und Erfahrungen hat sich für mich eine wichtige Hypothese rauskristallisiert: Wir verschwenden alle Zeit und Geld für ein Stück Papier.“ Diese Hypothese beschreibt das Dilemma vieler Unternehmen, die sich im Dschungel aus Daten, Tools und Regularien verlieren.

“Leider ist der heilige Gral der ESG-Tools noch nicht erfunden.”
Mathias Nell, Head der Sustainability der SALESIANER Group

Ohne klaren Plan und mit der Hoffnung, dass ein Tool alle Probleme löst, enden viele Unternehmen mit explodierenden Excel-Dateien und unübersichtlichen Toollandschaften, die keine Skalierung zulassen und somit auch keine Wertschöpfung über das Reporting hinaus. Francis Froborg betont, dass es essenziell sei, einen strukturierten Ansatz zu verfolgen und die richtigen Werkzeuge zu nutzen, um den Überblick zu behalten.

Externe Herausforderungen: Neue Regularien und enge Zeitvorgaben

Aber auch mit der entsprechenden Übersicht, wie sie z. B. das Whitepaper „How to navigate the ESG IT tool jungle“ bietet, bleiben noch ausreichend Herausforderungen auf der Agenda der Unternehmen. „Insbesondere die Umsetzung von vielen neuen Regularien uns sehr enge Zeitvorgaben stellen nicht nur kleine und mittlere Unternehmen, sondern auch erfahrene Konzerne vor große Herausforderungen“, so Brigitte Bichler von der OMV Group. 

Das bestätigt auch Christoph Gantzer von ClearEdge Business Partners. Der Druck, die Vorgaben korrekt und vorausschauend umzusetzen, werde noch verstärkt, da es langfristig wichtig sei, nicht nur der Berichterstattung gerecht zu werden, sondern tatsächlich einen positiven Einfluss zu erzielen und ESG-Reporting als strategische Chance zu nutzen. Für die erfolgreiche Umsetzung der Vorgaben und eine Verankerung von Nachhaltigkeit auf strategischer Ebene sei die Integration von finanziellen und nicht-finanziellen Daten eine Kernaufgabe, meint Christoph Gantzer: „Unternehmen müssten entscheiden, ob sie Nachhaltigkeitsreporting als Bürde oder als strategischen Vorteil betrachten, dieses Committment muss für den Erfolg gegeben sein.“

Interne Herausforderungen: Datenverfügbarkeit und Datenmanagement

Neben den externen Herausforderungen stellen insbesondere die Datenverfügbarkeit und das Datenmanagement zentrale Probleme dar. Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, relevante Daten in ihren bestehenden Systemen zu finden und effizient zu verwalten. Viele starten mit einfachen Lösungen wie Excel, doch stoßen diese schnell an ihre Grenzen. Zudem sind manuelle Datenbeschaffungsprozesse, um die relevanten Informationen für interne und externe Stakeholder zu sammeln, sehr zeitaufwendig und ressourcenintensiv.

“Wertschöpfendes Nachhaltigkeitsreporting braucht die richtige Planung, Strategie und Prozesse.”
Brigitte Bichler, Head of Sustainability der OMV Group

„Deshalb ist es weniger wichtig, ob mit Excel oder einem anderen Tool gearbeitet wird,“ so Mathias Nell von der SALESIANER Group. Brigitte Bichler bestätigt: „Entscheidend ist ein strukturiertes und systematisches Vorgehen, um eine effektive Datenverwaltung zu gewährleisten. Die Definition von klaren Prozessen und Verantwortlichkeiten ist elementar, um die Datenqualität und -vollständigkeit sicherzustellen.“ Denn der wahre Wert der Daten liege nicht im Reporting, sondern gehe darüber hinaus, so Francis Froborg. Daten spielen eine wesentliche Rolle für die Wertschöpfung, da sie die Grundlage für aussagekräftige Berichte und fundierte Entscheidungen bilden. Ein gutes Datenmanagement ermöglicht es, Schwachstellen zu identifizieren und gezielt Verbesserungen vorzunehmen, was langfristig zu einem Wettbewerbsvorteil führt.

Von der Pflicht zur Chance: Strategien zur kontinuierlichen Wertschöpfung

Ein sauberes ESG-Reporting kann Unternehmen direkte, operative Vorteile bieten: Die Erkenntnisse können z. B. zur Erhöhung der Energieeffizienz beitragen. Das führt zu Kostensenkungen und einer besseren Umweltbilanz, was wiederum positive Auswirkungen auf die Reputation haben kann.  

„ESG-Reporting kann weit mehr sein als eine lästige Pflicht – es kann zur kontinuierlichen Wertschöpfung beitragen“, so Christophe Gantzer. Er verweist in diesem Zug auf eine McKinsey-Studie, die zeigt, dass Unternehmen mit überdurchschnittlicher ESG-Leistung mehr Wachstum und Profitabilität erzielen. Brigitte Bichler ergänzt, dass ein transparentes und ordentliches Nachhaltigkeitsreporting und das daraus resultierende ESG-Rating treibende Kräfte sind, um Investoren zu gewinnen.  

Um wirklich langfristig vom Reporting und den in diesem Zuge erhobenen Daten profitieren zu können, müsse Nachhaltigkeitsberichterstattung Teil eines umfassenden Sustainability Controllings sein, das kontinuierlich die Performance verbessert und sicherstellt, dass Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Eine gründliche Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Unternehmensstrategie und -governance ist dabei entscheidend, um eine erfolgreiche Transformation im Unternehmen zu ermöglichen, meint Mathias Nell.

Optimierung des Innovationsportfolios, der Arbeitssicherheit und der Energieeffizienz

Die Diskussion brachte auch konkrete Beispiele zur Sprache. „Beispielsweise konnten wir durch die EU-Taxonomie-Berichtspflicht unsere Investitionen in nachhaltige Projekte bessern lenken und so den ROI optimieren“, illustriert Brigitte Bichler. Die Berichtspflicht habe dazu geführt, dass das Innovationsportfolio an den Taxonomiekriterien ausgerichtet wird, um als nachhaltiges Investment anerkannt zu werden. Mathias Nell berichtet von signifikanten Optimierungen insbesondere im Bereich Arbeitssicherheit und Energieverbrauch: „Durch eine quartalsweise Erhebung und Berichterstattung unserer Kerngrößen wie Wasserverbrauch und CO2-Fußabdruck können wir kontinuierlich Verbesserungen erzielen.“

Ausblick: Echte Wertschöpfung durch Transparenz und Vergleichbarkeit

Die Zukunft des Nachhaltigkeitsreporting wird von neuen EU-Regulierungen, wie der CSRD, geprägt sein. Diese Standards werden ESG-Reporting immer stärker in die Finanzberichterstattung integrieren, wodurch es zu einem festen Bestandteil Controllings wird. Mathias Nell prognostiziert, dass ESG-Berichte zukünftig mehr wie Finanzberichte aussehen werden – zahlenlastig und maschinenlesbar.  

“Wie die Finanzberichterstattung wird auch das ESG-Reporting in Zukunft zur Norm werden.” 
Christophe Gantzer, Consulting CFO von ClearEdge Business Partners 

Abschließend verweisen die Diskussionsteilnehmenden auf den einerseits zunehmenden regulatorischen Druck und die Bedeutung von branchenspezifischen Benchmarks, die mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bringen werden. Andererseits zeigen sie auch Optimismus, dass durch eben diese zunehmende Transparenz und die richtigen Tools echte Verbesserungen und Wertschöpfung durch Nachhaltigkseitsdaten erzielt werden können. 

Nachhaltigkeitsreporting und die Nutzung der erhobenen Daten sind komplexe Herausforderungen, die jedoch enorme Chancen bietet. Gerne arbeiten wir gemeinsam mit Ihnen daran, diese Chancen zu nutzen. Sprechen Sie uns an, um zu erörtern, wir Sie bei der Optimierung Ihrer ESG-Reporting-Prozesse unterstützen können.

Ansprechpartner für die Schweiz

Dr. Francis Froborg

Lead Project Manager

Francis Froborg ist Project Manager und seit Januar 2023 bei Zühlke. Sie hat eine breite Expertise in Physik (Dr.) und Nachhaltigkeit (MSc.) wie auch Projektleitung (Wasserfall und agil, IT und nicht-IT) und Systems Engineering (nicht-IT). Ihre Leidenschaft ist die Unterstützung von Unternehmen auf ihrem Weg zu (mehr) Nachhaltigkeit inklusive der Entwicklung neuer Business Modelle und (Re-)Design von Produkten unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.

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