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Data Learning in FinTech under Covid-19
Insights

Fünf pandemiebedingte Trigger für mehr Data Learning im Bereich FinTech

Ben Brand

Im Bereich der FinTech-Dienstleistungen galt das bisherige Langzeitverhalten der Verbraucher traditionell als wichtiger Indikator für die zukünftige finanzielle Performance.

Das letzte Jahr hat nicht nur die Gesellschaft im Allgemeinen auf den Kopf gestellt. Die Pandemie hat auch die Finanzen der Verbraucher beeinflusst und sorgt weiterhin aus verschiedensten Gründen für Instabilität.

Insight in brief

Data learning und Technologie-Lösungen rücken in den Vordergrund um die volatile Situation von Kunden besser zu verstehen und um Kunden besser unterstützen zu können mit massgeschneiderten Angeboten für ihre Finanzplanung und -optimierung.

Da FinTech Serviceanbieter ihre Prämisse zur Vorhersage von Konsumentenverhalten unter Covid-19 überdenken werden müßen, haben wir anbei fünf Trigger des vergangenen Jahres zusammengefasst, die das Finanzverhalten der Verbraucher verändert haben und es zunehmend unvorhersehbarer machen.  

1. Eine Situation – zwei Extreme

In den besonders stark betroffenen Branchen – Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus – wurden viele Angestellte in Kurzarbeit geschickt oder haben ihren Job verloren. In ihrer finanziellen Notlage mit ungewissem Ausgang müssen sie ihre Ausgaben reduzieren, um über die Runden zu kommen. 

Andere wiederum beziehen weiterhin ein stabiles Einkommen. Doch selbst diejenigen, die wirtschaftlich nicht betroffen sind, geben weniger aus. Auch sie machen sich Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes. Zudem ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer finanziellen Absicherung für die Zukunft in den Vordergrund gerückt. Viele bauen Cash-Reserven auf, um Jobverluste auffangen zu können, oder stocken ihre Altersvorsorge auf.

2. Unvorhersehbares Kundenverhalten

Die Pandemie hat uns gelehrt, dass Verbraucher wahrscheinlich auch in Zukunft unvorhersehbar zwischen diesen beiden gegensätzlichen Mustern wechseln werden. 

Noch lässt sich nicht absehen, ob diese Veränderungen anhalten, sobald die Einschränkungen gelockert werden und die Pandemie allmählich zurückgedrängt wird. FinTech-Unternehmen müssen jedoch reagieren und beratend sowie mit Empathie auf finanziell benachteiligte Personen zugehen. Verbraucher werden ihr Vertrauen denjenigen schenken, die sich auf ihre instabile und unvorhersehbare Situation einstellen können. Da viele nach der Coronapandemie erst wieder Fuß fassen müssen, erwarten sie von ihren Banken mehr Unterstützung und Flexibilität.

3. Langfristig orientiertes Finanzdenken

Um besser zu verstehen, wie Verbraucher finanzielle Entscheidungen treffen, muss untersucht werden, welche psychologischen Eigenschaften das Finanzverhalten beeinflussen. 

In dieser ungewissen Zeit ist zumindest eines sicher: Verbraucher haben mehr Zeit zum Nachdenken. Sie analysieren und hinterfragen ihr bisheriges Ausgabeverhalten, an das sie zuvor nie einen Gedanken verschwendet haben. Viele sehen ihr zukünftiges Einkommen jetzt mit neuen Augen. Sie geben weniger Geld für Unnötiges aus und denken stattdessen langfristig: Sparen und Sicherheitsdenken gewinnen an Bedeutung.

4. Arbeiten im Homeoffice

Das Berufsleben von Arbeitnehmern mit stabilem Einkommen hat sich verändert – sie geben viel weniger aus. Unabhängig von Ort und Entfernung der täglichen Pendelfahrten ist in der Regel ein gemeinsames Muster erkennbar. Einige Pendler sparen jetzt nicht nur die Kosten für ihre Monatsfahrkarte, sondern verzichten zwangsläufig auch auf andere Verlockungen wie den täglichen Coffee to go, den Snack in der Mittagspause oder das Feierabendbier am Freitag. 

Das Vertrauen in Heimarbeit ist ohne Frage gestiegen und regelmäßige Homeoffice-Tage dürften sich durchsetzen. Derzeit lässt sich nicht vorhersagen, ob und wann die Belegschaften wieder in die Stadtzentren strömen, um statt im Wohnzimmer wieder im Büro zu arbeiten.

5. Kaufverhalten im Lockdown

Ein Großteil des Gesellschaftslebens ist seit fast einem Jahr stark eingeschränkt. Kein Wunder, dass Verbraucher ihr Kaufverhalten umstellen, wenn sie aufgrund der Coronaeinschränkungen kaum noch die Möglichkeit haben, etwas auszugeben – selbst wenn sie wollten. Geschäfte, Kneipen, Restaurants und Kultureinrichtungen waren oder sind geschlossen.

Wird mit den Lockerungen die Konsumfreude wieder steigen? Werden Theater, Kneipen, Restaurants, Sportveranstaltungen und Hotels wieder voll belegt sein, wenn wir endlich wieder beisammen sein und das Leben genießen dürfen? 

Data Learning rückt in den Vordergrund

Die Herausforderung für FinTech-Dienstleistungen besteht darin, auf diese Trigger in Echtzeit zu reagieren. Mithilfe datengestützter Machine-Learning-Modelle müssen Muster effektiv analysiert werden, um die Situation der Kunden zu verstehen.

Anhand der Erkenntnisse aus diesen Daten können Kunden besser dabei unterstützt werden, Ressourcen zu finden, Vertrauen zu schöpfen und die Kontrolle über ihre Finanzen zu übernehmen.

Fazit: Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass FinTech-Dienstleister sich nicht mehr nur auf das bisherige Verbraucherverhalten verlassen können. Daten und Technologien werden in den Vordergrund rücken, um personalisierte und verantwortungsbewusste Banking-Lösungen bereitzustellen, die den Bedürfnissen der Kunden gerecht werden.