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Product Engineering
Insights

Produktkosten optimieren mit Wettbewerbs-Benchmarking

Louis Bieldt

Zur Optimierung von Produktkosten gibt es verschiedene Ansätze – wir sprechen heute über unsere bewährte Methodik des Wettbewerbs-Benchmarkings.
Erfahren Sie, wie Sie in nur fünf Schritten ein Produkt überarbeiten, und dessen Kosten nachhaltig senken können.

Stehen Sie vor der Aufgabe, die Kosten für ein Produkt zu senken? Soll dabei auch gleich dessen Funktionsweise optimiert werden? Solche Anfragen sind nicht unüblich. Sie müssen ein Auge darauf haben, wie sich die Kosten der Bauteile Ihres Produktes entwickeln. Gleichzeitig gilt es, Markttrends zu erkennen und neue Möglichkeiten für eine Produktlösung aufzudecken.

Insight in brief

  • Überdenken Sie den kompletten Produktaufbau und dessen Funktionen, anstatt an einzelnen Kosten zu schrauben.
  • Werfen Sie einen Blick auf den Wettbewerb.
  • Beenden Sie die Benchmarking-Studie mit einem kreativen Workshop. Dieser ist wichtig!

Wie können Sie Produktkosten optimieren?

Nehmen wir den Markt für IT-Produkte: Elektrobauteile werden günstiger, gleichzeitig ermöglichen neue Technologien leistungsstärkere Gadgets. Der Verbraucher erhält so immer mehr für weniger Geld. Sie als Unternehmen müssen diese neu aufgelegten Produkte entwickeln.

Ein Produkthersteller entschied sich zum Beispiel in 2016 für die Serienproduktion eines RN4020 BLE 4.0-Moduls, das jetzt rund 7 Euro kostet. Wenn wir es mit einem neueren DA14531 mit BLE 5.1 vergleichen, das rund 1,80 Euro kostet, können sie durch den Austausch Ihres BLE-Moduls 5 Euro an Hardware sparen!

Gleichzeitig sind Kosten einzelner Bauteile jedoch nicht alles.

Ein sehr schönes Beispiel für eine komplett neue Produktlösung lieferte James Dyson mit seiner Erfindung der beutellosen Staubsauger. Seine Doppelzyklon-Technik löste das Problem, dass Staubsauger mit der Zeit an Saugkraft verloren und verhalf ihm zu weltweitem Erfolg.

Wenn Sie sich an die Optimierung der Produktkosten machen, lernen Sie Ihr Produkt von Grund auf neu kennen.
Mit unserem Ansatz werden Sie zudem nicht nur Ihres, sondern auch die Produkte der Wettbewerber analysieren. Ein Ideenworkshop bringt im Anschluss Fachpersonal aus verschiedenen Bereichen zusammen, um mit Kreativitätstechniken neue Lösungen zu erarbeiten.

Den gesamten Prozess haben wir für Sie jetzt in fünf Schritten zusammengefasst.
 

Reduzieren Sie Ihre Produktkosten in 5 Schritten

Alle neuen Geschäftsideen oder Produkte beginnen mit einer Marktanalyse. Bei der Analyse von Produkten müssen Sie natürlich Patente im Blick behalten. Davon abgesehen kann detailliertes Wissen über Konkurrenzprodukte Ihnen entscheidende Vorteile bei der Entwicklung und Platzierung Ihrer eigenen Produkte bringen.

Im Folgenden sprechen wir über unsere Methodik für die Optimierung von Produktkosten mit eben dieser Wettbewerbsanalyse.

Lassen Sie uns direkt mit Schritt 1 beginnen.

1. Verstehen Sie das Produkt

Als allererstes geht es darum, haargenau zu verstehen, womit Sie es zu tun haben.
Stellen Sie sicher, dass Sie das Produkt verstehen, indem Sie:

a. Die vorhandenen Handbücher und Dokumentationen lesen.
b. Messen und testen, was Sie nur können.
c. Das Produkt komplett auseinander nehmen und einzelne Komponenten und Funktionen analysieren.

Besorgen Sie sich, falls möglich, zwei Exemplare der Produkte, die Sie analysieren möchten. Ein Exemplar nehmen Sie wie gesagt komplett auseinander. Das andere dient dazu, die Anwendung und den Gebrauch des Produktes besser zu verstehen.

In Bezug auf die Tests gibt es für jedes Produkt interessante Dinge zu messen und zu analysieren. Aus elektrischer Sicht können Sie zum Beispiel den Einschaltstrom, Spitzenwerte und den Leerlaufstrom messen. Wenn Batterien vorhanden sind, messen Sie zudem den Ladestrom, testen die Kapazität und simulieren Unter- und Überspannungsszenarien. Dies zeigt Ihnen, wie sich das Produkt unter Stressbedingungen verhält, und wie es den Stromverbrauch steuert.

Zum Teil werden Sie überoptimistische Versprechen der Konkurrenz aufdecken oder müssen eigene Dokumentationen anpassen.

Es lohnt sich außerdem, zu dokumentieren, wie einfach das Produkt zusammengebaut oder gewartet werden kann. Zählen Sie zum Beispiel wie viele Schrauben, Clips, Kabelbäume und Kleinteile vorhanden sind. All dies trägt zu den Gesamtkosten des Produktes bei, nicht nur zu den Materialkosten. Zwei ähnlich funktionierende Produkte können völlig unterschiedliche Montagemethoden haben. Einige Methoden beinhalten viel Handarbeit, was nur dann sinnvoll ist, wenn die Arbeitslöhne niedrig sind (was in vielen EU-Ländern nicht der Fall ist).

In diesem ersten Schritt lernen Sie also alles, was für die Optimierung der Produktkosten später wichtig sein wird.
Als nächstes kommen wir zu der Gruppierung der Produktkomponenten.

2. Gruppieren Sie Produktkomponenten nach Funktion

Im dritten Schritt geht es endlich um die Kosten. Vorab müssen wir jedoch Funktionsgruppen aufstellen.

Wir werden nämlich nicht Kosten einzelner Komponenten berechnen, und mit denen der Wettbewerber vergleichen. Stattdessen geht es darum, welche Funktion eine Gruppe von Komponenten abbildet.

Beispielsweise können einige Produkte Touchscreens und keine physischen Tasten haben. Einige haben möglicherweise Schaltflächen und keine Anzeige. In diesem Fall ist es nicht sinnvoll, eine Komponentengruppe mit dem Namen "Displays" zu haben, sondern eine Funktionsgruppe mit dem Namen "User Interface". Anschließend können Sie alle Schaltflächen und Anzeigen, die für Benutzeroberflächen verwendet werden, zusammenfassen.

Eine korrekte Gruppierung zu Beginn der Studie ist unerlässlich. Nehmen Sie sich Zeit, um die richtigen Gruppen zu besprechen, da diese den Rahmen für den Rest Ihrer Kostensenkungsstudie bilden!

3. Wenden Sie Kosten auf alle Produktfunktionen an

Jetzt geht es daran, die Produktkosten zu optimieren.

Schritt 3 hält unter Umständen Tücken für Sie bereit: einige Komponenten können mehrere Funktionen innehaben. Zum Beispiel eine Mikrocontroller-Einheit (MCU) kann für die Benutzeroberfläche und zur Steuerung einer anderen definierten Funktion, wie der eines Motors, verwendet werden.

In diesen Fällen können Sie jeder Funktion einen Prozentwert zuweisen. In unserem obigen Beispiel können die Kosten der MCU zu 50 % der Benutzeroberfläche, zu 25 % der Ausführung der Motorfunktionen und zu 25 % der Konnektivität zugewiesen werden.

In anderen Fällen ist die Berechnung der Kosten für jede passive Komponente nicht immer praktisch und möglich. Hier müssen Annahmen getroffen werden. Dazu benötigen Sie ein vielfältiges Team von beispielsweise Maschinenbau-, Elektronik-, und Systemingenieuren. Jeder wird die ihm vertrauten Teile analysieren und ihnen Kosten zuweisen.

Kostenfaktoren werden beispielsweise durch die Komplexität der Spritzgussformen oder die verwendete PCB-Technologie (zum Beispiel 2-6 Schichten, starrflex oder semiflex) beeinflusst. Mit all diesen gruppierten Daten können Sie eine ABC-Analyse durchführen, um die Kostenfaktoren visuell darzustellen. Dies hilft dem Team, sich auf kostenintensive Bereiche der Geräte zu konzentrieren.

Notieren Sie während der Bewertung alle Ideen oder Fragen, die Sie später verfeinern möchten. Das sind Fragen wie: Wie können wir diesen Kabelbaum beseitigen? Ist es möglich, die Komplexität des Gehäuses zu reduzieren?

4. Wiederholen Sie die obigen Schritte für alle Wettbewerber

Sobald Ihr Framework fertig ist, nehmen Sie von hier aus wirklich Fahrt auf. Ehrlich gesagt kenne ich keinen Ingenieur, der Hightech-Produkte nicht gerne zerlegt, um sie zu analysieren. Es gibt normalerweise viele Aha-Momente darüber, warum bestimmte Methoden oder Materialien verwendet wurden, und manchmal Skepsis darüber, warum es anders gemacht wurde. Schreiben Sie auf, was für Ihr Produkt von Vorteil sein kann!

Wenn Sie die Schritte 1 bis 4 abgeschlossen und gut dokumentiert haben, reicht dies normalerweise aus, um mit Ihren Produktverbesserungen zu beginnen.

Wenn Sie sich jedoch nach der Produktkostensenkungsstudie für die Entwicklung einer neuen Version oder eines neuen Konzepts entscheiden, empfehlen wir einen sogenannten „Ideenworkshop“.

5. Beenden Sie die Studie mit einem Ideenworkshop

Den kreativen Workshop planen Sie am besten ein, wenn alle Erkenntnisse und Entdeckungen noch frisch in den Köpfen der Teilnehmer sind.

Wir empfehlen ein breit aufgestelltes Team mit Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Bereichen und Fachgebieten. Ebenfalls lohnt es sich, Personen einzuladen, die nicht an der Benchmark-Studie teilgenommen haben. Diese liefern Ihnen einen unvoreingenommenen und frischen Blick auf das Produkt.

Um eine Einführung und Erklärung des Produkts zu Anfang des Workshops kommen Sie natürlich trotzdem nicht herum. Diese startet Ihr Meeting. Sorgen Sie außerdem dafür, dass genügend Papier, bunte Stifte, Aufkleber und andere Mittel bereitstehen, um Ideen einfach ausdrücken zu können.

Besprechen Sie in dem Ideenworkshop, wie Sie die Kosten einer Funktion verbessern, eliminieren oder senken können. Lassen Sie jedes Teammitglied ein neues Konzept für eine bestimmte Funktion entwerfen und sich gegenseitig vorstellen. Gruppieren Sie ähnliche Ideen, und verfeinern Sie diese anschließend mit den Daten aus der Benchmark-Studie.

Am Ende des Prozesses steht nicht nur ein Produkt mit optimierten Kosten, sondern auch einer verbesserten Funktionsweise und Marktfähigkeit!

Kombinieren Sie die Ergebnisse der Wettbewerbs-Benchmarking-Studie und des Ideenworkshops. Sie werden wie Vitamin-Shots für Ihr Entwicklungsteam sein: eine perfekte Ergänzung zum Auftakt Ihrer Produktentwicklung.

Senden Sie uns bei Fragen gerne eine Nachricht.

Jetzt ist genau der richtige Moment, um Ihren Produkten einen neuen Marktvorteil zu verschaffen.
 

Louis Bieldt

Louis Bieldt

Advanced Systems Engineer

Louis Bieldt ist Elektronik-Ingenieur und seit Mai 2019 bei der Firma Zühlke tätig. Nach seinem Abschluss als Elektronik-Ingenieur machte er seinen Master in Kerntechnik. Er hat fundierte Kenntnis in der Produktentwicklung, schwerpunkt Elektronik, in der Eisenbahn- und Bergbauindustrie sowie des Konsumgütermarkts erarbeitet erworben. Daneben hat er einen tragbaren Elektro-Muskel-Stimulation-Anzug für ein Wearable-Startup-Unternehmen entwickelt. Seine Leidenschaft liegt in Produktentwicklung in einem multidisziplinären Umfeld.

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