Zühlke – Empowering Ideas

Blog Low Code
Insights

Wie Versicherer mit Low Code die digitale Transformation beschleunigen

Artur Gleyberman

Low Code-Plattformen werden immer ausgereifter. Diese Technologie kann Versicherungen dabei helfen, digitale Projekte schnell zu realisieren – und die bisherige IT-Infrastruktur aufzuwerten.

Im Enterprise-Bereich heißen die Platzhirsche unter den Low Code-Plattformen Mendix, OutSystems oder Appian. Sie adressieren Kundenbedürfnisse, bei denen Standardsoftware-Lösungen zu starr und Individualentwicklungen zu aufwendig sind. 

Insight in brief

  • Low Code-Plattformen adressieren Kundenbedürfnisse, bei denen Standardsoftware-Lösungen zu starr und Individualentwicklungen zu aufwendig sind.  
  • Die Technologie entlastet IT-Abteilungen und befähigt Fachbereiche die Entwicklung von Applikationen mitzugestalten.
  • Dank flexiblen Anbindungsmöglichkeiten können mit Low Code auch ganze IT-Systeme modernisiert werden. 

Mit diesen fortgeschrittenen digitalen Werkzeugkästen können Unternehmen IT-Prozesse entlang der ganzen Wertschöpfungskette abbilden. Sie lassen sich gut in bestehende Systemlandschaften integrieren und durch offene Anwendungsschnittstellen (APIs) flexibel erweitern. Auch das deutsche Softwarehaus SoftProject setzt mit dem X4 Suite auf eine Low-Code-fähige Lösung und stellt für die Versicherungsbranche sogar BiPRO-konforme Schnittstellen zur Verfügung.

Erste Versicherer haben das Potential der neuen Low Code-Technologie deshalb schon für sich entdeckt und Low Code zum festen Bestandteil ihrer Ausrüstung zur digitalen Transformation gemacht. Diese lässt sich damit schneller vorantreiben, weil Low Code-Entwicklungen die firmeninternen IT-Abteilungen weniger stark beanspruchen und Schwächen der Altsysteme überwinden können. Die mit Low Code befähigten Fachbereiche können mit neuen Lösungen experimentieren und agil auf das Marktfeedback reagieren, ohne in einer Schlange für IT-Ressourcen anstehen zu müssen. Gleichzeitig werden wertvolle IT-Ressourcen auf anspruchsvollere Aufgaben fokussiert, die weiterhin eine individuelle Softwareentwicklung erfordern. 

Ein T2M-Booster für neue Produkte und Services 

Erste Beispiele beweisen die Effektivität dieses Verfahrens. Die Zurich Versicherung hat mit Low Code innerhalb weniger Wochen eine fertige App zur Meldung von KFZ-Unfällen entwickelt. Die First Notice of Loss (FNOL) Application hilft den Nutzern von Firmenautos, einen Unfall schnell und unkompliziert dem Arbeitgeber sowie der Versicherung zu melden. Dabei greift die App auf native Funktionen des Smartphones wie Geolokalisierung und die Kamera zurück, um relevante Daten von der Unfallszene zu sammeln. Von der Idee bis zum ersten Prototypen hat es dank Low Code gerade mal 90 Minuten gedauert. 

Nach einem ähnlichen Verfahren baute AXA innerhalb von drei Monaten dank einer Low Code-Plattform ein Maklerportal auf – eine Entwicklung nach herkömmlichen Methoden hätte doppelt so lange gedauert. Die Lösung bietet ein intuitives und hochfunktionelles Front-End, das sowohl auf Mobilgeräten, als auch auf Desktop-Umgebungen funktioniert. Auch Dialog, der Maklerversicherer der Generali nutzt inzwischen eine Low-Code-fähige Lösung für die papierfreie Kundenkommunikation. Die Applikation ist in der Lage, Drittsysteme in eigene Geschäftsprozesse zu integrieren und Daten gemäß BiPRO-Normen oder GDV-Standards in die benötigten Formate zu konvertieren. Euler Hermes wurde für einen mit Low Code innerhalb einer Woche gebauten Liquiditätssimulator sogar mit dem Digitalen Leuchtturm 2020 der Versicherungsbranche ausgezeichnet. 
 

Low Code-Plattformen für die Modernisierung von IT-Systemen 

Die flexiblen Anbindungsmöglichkeiten machen Low Code nicht nur für die schnelle Entwicklung attraktiv. Sie ermöglichen ebenso eine Modernisierung bestehender IT-Infrastruktur, ohne dass diese von Grund auf neu konzipiert werden muss. Der britische Versicherer AVIVA entschied sich gegen eine lange und riskante Renovierung seiner Kernsysteme und fand eine Lösung mittels einer Kombination aus einem RPA-Tool, einem E-Dokument-Generator sowie einer Low Code-Plattform. AVIVA ist vom langfristigen Potential dieser Technologie so überzeugt, dass das Unternehmen damit nachhaltig an der Prozessoptimierung arbeiten will. CNA, eine Sach- und Unfallversicherung aus den USA, nutzt Low Code, um Prozesse im Underwriting weltweit zu modernisieren und zu vereinfachen. Die Lösung verbindet hunderte Geschäftspartner der Versicherung, die lokal angelegte Policen auf der ganzen Welt in Echtzeit unterzeichnen und verwalten können. Munich Re nutzt eine Low Code-Plattform für den Bau einer neuen Lösung zur Unterstützung des Underwritings. Die Anwendung erhöhte die Konsistenz sowie die Transparenz während des gesamten Entscheidungsprozesses und reduzierte die Komplexität der Genehmigungen. 

Diese Anwendungsbeispiele zeigen, dass Low Code für Versicherer in verschiedener Hinsicht interessant ist – sowohl für tiefgreifende Prozessverbesserung, als auch für schnelle Entwicklung. Gewappnet mit Low Code Tools und einem agilen Mindset, können Fachbereiche die digitale Produktivität der Versicherer erweitern und ihnen dabei helfen, das Tempo der digitalen Transformation zu erhöhen. 
 

agle

Artur Gleyberman

Business & Innovation Expert
Ansprechpartner für Deutschland

Artur arbeitet seit Januar 2020 bei Zühlke im Business Development mit Fokus auf Versicherungen und Banken. Er war über sieben Jahre im B2B Business Development bei einem führenden Versicherer tätig. Dort hat er - auch durch direktes Kundenfeedback - die Möglichkeiten und Herausforderungen des Versicherungsgeschäfts von innen heraus kennengelernt. Vor seinem Start bei Zühlke absolvierte er ein MBA Studium an der Frankfurt School und begeisterte sich für Innovation, Technologie und Entrepreneurship. Im Rahmen seines Studienprojekts arbeitete er mit AWS für die Software AG und entwickelte mit seinem Team einen strategischen Plan für eine Markteinführung der IoT-Plattform ‚Cumulocity‘.