«Der Wirtschaftsstandort Bern wird oft unterschätzt»

Bern, 1. Mai 2020
Berner Wirtschaft: Interview mit Standortleiter Stefan Sarbach.

Seit über zehn Jahren ist der international tätige Innovationsdienstleister Zühlke in Bern präsent. Im Interview spricht Standortleiter Stefan Sarbach über Zukunftspläne, Wünsche an die Politik und seine ganz persönliche Beziehung zur Region.

Wieso ist Zühlke in Bern mit einem Standort präsent?

Zühlke ist seit 2007 in der Bundesstadt vertreten. Heute sind hier in unserem zentral gelegenen Büro im Postparc beim Hauptbahnhof rund 70  Mitarbeitende tätig. Bei der Eröffnung von neuen Standorten geht es für Zühlke stets um die Nähe zu den Kunden. Wir sind schneller bei ihnen und verstehen ihre Bedürfnisse und Herausforderungen aus einer lokalen Perspektive besser. Dies gilt für Bern genauso, wie für unsere Expansion nach  Asien vor drei Jahren mit neuen Büros in Hongkong und Singapur. Diesen wichtigen Schritt für Zühlke durfte ich als Manager der ersten Stunde begleiten, bevor ich meine Aufgabe hier in Bern im letzten Jahr übernahm.

Von Singapur an die Aare. Ein Kulturschock?

Nicht unbedingt. Klar, als erstes fallen einem die Unterschiede auf: Hier Altstadt und Bundeshaus, dort futuristische Architektur und eine imposante Skyline. Doch es gibt auch einige Gemeinsamkeiten: Etwa eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur mit einem hervorragenden öffentlichen Verkehr – ich hatte dort kein eigenes Auto und ich brauche auch hier keines. Vielfach wird die Schweiz in Asien als Vorbild genannt und die Leute sind begeistert von
unserem Land. Als Schweizer sehe ich jedoch auch Aspekte, bei denen wir von Singapur lernen können: Das Tempo, wie dort Digitalisierungsprojekte
in den letzten Jahren vorangetrieben wurde, finde ich bewundernswert.

Zurück zu Bern: Was schätzen Sie an der Region?

Ich bin gebürtiger Berner und habe hier an der Universität studiert. Deshalb war eine Rückkehr für mich persönlich besonders reizvoll. Mir gefallen die kurzen Wege in der Stadt, die familiäre Atmosphäre und die Mischung aus Urbanität und Ländlichkeit in der Region.

Was zeichnet für Zühlke den Standort Bern aus?

Bern, die «Capital Region» ist ein überschaubarer Markt. Wir möchten von hier aus aber das gesamte Espace-Mittelland bedienen. Das ist ein sehr  spannender Wirtschaftsraum. Dieser Umstand wird in der Schweiz oft unterschätzt. Häufig wird im Zusammenhang mit Bern ausschliesslich vom öffentlichen Sektor und den bundesnahen Betrieben gesprochen. Es gibt hier aber viele spannende «hidden Champions» – auch im Start-up-Bereich. Diesen Erfolg müsste die Politik im Rahmen der Wirtschaftsförderung noch sichtbarer machen und so die Bildung von Clustern vorantreiben.

Welche Kunden möchten Sie ansprechen?

Für uns sind grundsätzlich alle Betriebe und Organisationen in der Region mit Innovationsbedarf als potenzielle Kunden interessant: Vom KMU, über das Grossunternehmen bis hin zum Bund. Wir haben keinen spezifischen Branchenfokus und sind stark in «Cross Industry Innovation». Unternehmen, die sich in einer digitalen Transformation befinden; welche sich strategisch neu ausrichten, die sich mit neuen digitalen Prozesse oder Produkten Wettbewerbsvorteile verschaffen wollen: Solche Firmen finden mit Zühlke einen verlässlichen Partner. Aus Bern haben wir jederzeit Zugriff auf das Know-how von weltweit über 1200 Spezialisten aus unterschiedlichsten Disziplinen.

Welche Themen sind aktuell besonders spannend?

Wir sehen grosses Potenzial im Bereich künstliche Intelligenz und der optimalen Nutzung von Daten. Daneben treibt uns auch der Trend rund um die Anwendung von AR/VR-Technologie um, und das Thema Cyber Security ist mittlerweile – völlig zurecht – auch bei den kleineren Firmen ganz oben auf der Agenda. Wir betrachten diese Aspekte jedoch nie isoliert, sondern immer vernetzt in den Perspektiven Business, Technologie und Endnutzer.

Welches Vorurteil über Zühlke stört Sie?

Wir hören oft: «Zühlke ist teuer». Klar, wir positionieren uns mit unseren Top-Spezialisten bewusst im High-Quality-Segment. Wir
investieren aber auch stets in die Weiterbildung unserer Leute. Dementsprechend hat Qualität ihren Preis. Nichts ist teurer für ein Unternehmen als gescheiterte Projekte in den Bereichen Digitalisierung und Innovation. Wer zu stark auf den Preis fokussiert, zahlt am Ende meist doppelt.

Wie sehen die Zukunftspläne von Zühlke für den Standort Bern aus?

Wir wachsen weiter – auch hinsichtlich Belegschaft: Wir definierten dafür eine Zielgrösse von 100 Mitarbeitenden. Eine grosse Herausforderung, denn die Situation auf dem Arbeitsmarkt im IT-Bereich ist besonders in Bern schwierig. In Zukunft möchten wir ausserdem die Westschweiz verstärkt von hier aus bearbeiten. Da sehen wir grosses Potenzial für Zühlke.

Über Zühlke

Als Dienstleister für Innovationsprojekte vereint Zühlke Business-und Technologie-Kompetenzen und entwickelt wirtschaftlich erfolgreiche Produkte, Services und Geschäftsmodelle der digitalen Zukunft – von der Idee über die Realisierung bis zum Betrieb. Die Zühlke Group ist in der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien, Österreich, Serbien, Bulgarien, Hongkong und Singapur präsent.