World Usability Day Switzerland 2016

15 November 2016
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Lesezeit: 5 Minutes

Die schöne Aussicht auf den Zürichsee, welche die Besucher der grössten UX-Konferenz der Schweiz in Rapperswill alljährlich geniessen, veranschaulicht sehr gut, was die Menschheit zu verlieren hat: nämlich unsere schöne Natur und die Welt, wie wir sie kennen.

Der World Usability Day (WUD) 2016 widmete sich dem aktuellen Thema, „Sustainable User Experience (UX)“ oder „Green UX“. Die Kernidee hinter dem Begriff “Green UX” ist, dass wir bestehende Produkte und Dienstleistungen nehmen und die Wege der Entwicklung verfeinern oder neu gestalten, damit sie effektiver, effizienter und wiederverwendbar werden und das Leben verbessern.

Fünf Referate und ein Lean World Café, moderiert von Christian Hauri, dienten mehr als 200 Teilnehmenden als Basis für einen spannenden Austausch und interessante Diskussionen. Zühlke unterstützte als Gold Partner den Schweizer Teil des weltweiten Events.

Die Zukunft unserer Mobilität

Mit  dem ersten Vortrag „2040: zzzzzzz statt zoom zoom… und warum wir wieder reiten lernen“ von Thomas Sauter-Servaes erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in den Stand der heutigen Mobilität. Statistisch gesehen ist heutzutage ein Auto kein Fahrzeug, sondern ein Stehzeug, das nur etwa 26 % Nutzzeit hat. Auf den Strassen sind eher selten Autos mit drei und mehr Fahrenden zu sehen. Während man aber mit dem Auto fährt, vielleicht bis zum nächsten Stau, produziert man jedes Jahr mehr und mehr CO₂. Diese Entwicklung ist für unser Klima alles andere als gut. Gleichzeitig verbrauchen Autos bis zu 95% der Fläche in den Innenstädten, weil sie parkiert werden sollen.

Es stellt sich die Frage, wie die geschilderte Situation verbessert werden kann und welche Trends bereits zu beobachten sind.

Als erstes können wir natürlich Electrocars nehmen und bessere und effizientere Technologien zur Verfügung stellen. Dies wird schnell und oft erwähnt. Die Realität ist jedoch etwas komplexer. Wir können beliebig viel in die Innovation investieren, die Frage ist aber, ob diese innovativen Lösungen effizient genutzt werden. Unsere Gesellschaft braucht nicht nur sichere und klimafreundliche Autos, sie braucht auch einen Ersatz des „Stehzeugs“ durch Fahrzeuge.

Mit der Verbreitung der Smartphones und internetbasierten Applikationen stehen immer mehr Optionen zur Verfügung, mit einem Auto zu fahren, ohne eines zu besitzen. Ein Auto zu mieten, ein Taxi oder Uber zu bestellen, ist eine Möglichkeit, bestehende Autos effizienter zu nutzen. Dies ist die geteilte Nutzung der Fahrzeuge. Dadurch steigert man die Effizienz massiv; das Problem ist hier nur die soziale Akzeptanz und die Einstellung der Passagiere, die keine Unbekannten im Auto sehen möchten. Dieses Problem kann mittels positiver User Experience gelöst werden, wie wir am Beispiel von Blablacar sehen konnten. BlaBlaCar sieht sich als Community, in der Vertrauen zur Währung wird. Dieser Service erlaubt es, die Mitfahrenden nach bestimmten Kriterien wie beispielsweise deren Gesprächsfreudigkeit auszuwählen und sie im Anschluss an die Fahrt zu bewerten.

Auch das eigene Auto kann geteilt werden, und die Hersteller werden diesen Schritt immer mehr ermöglichen.  Thomas Sauter-Servaes nennt die Zukunft der Mobilität ÖV 4.0. Diese Art von ÖV soll als Netzwerk gebaut werden, das sämtliche Möglichkeiten zusammenführt.

Energie und Nachhaltigkeit: Es gibt viel zu tun

Es ist Ernst. Die Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis haben nicht nur regionale Auswirkungen, sondern einen markanten, globalen Einfluss, sagte Andrea Zulauf, die zweite Referentin am WUD 2016, in ihrem Vortrag „Es gibt viel zu tun, packen wir’s an.“

Wir verbrauchen immer mehr Energie, was eine Erhöhung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen bedeutet, weil die erneuerbaren Energien bis jetzt keine nachhaltige Lösung darstellen. Während Forscher an innovativen Lösungen zur Energieproduktion (Gezeiten Kraftwerk, Wellenkraftwerk, Aufwindkraftwerk, Hochleistungslaser, Bohrmaschinen für die Nutzung der Geothermie, etc.) arbeiten oder die Varianten zur Nutzung der Erdenergie untersuchen, gibt es weitere Möglichkeiten, sogar im Haushaltsbereich Massnamen zu ergreifen. Eine mögliche Lösung stellte Andrea Zulauf mit dem Projekt RENGOO vor.  Die Kernidee des Projekts ist eine transparente Darstellung des Angebots verschiedener Energielieferanten. Die Kunden oder Endbenutzer können nicht nur besser entscheiden, wie sie zu Energie kommen, sondern auch wie sie diese selber produzieren und mit anderen teilen können.

In der zweiten Präsentation zu dieser Thematik, „2000 What? Zurück zur Energiezukunft. Wie wirkt sich unser Verhalten auf den Energieverbrauch aus?“, erzählte Lutz Gegner von den Mechanismen, die das Verhalten der Energieverbraucher steuern, damit sie bewusster den Energieverbrauch kontrollieren und reduzieren können. Die Zahlen, welche die Konsumenten neben dem Einzahlungsschein erhalten, sind viel zu abstrakt und unklar, um das Interesse zu wecken oder eine klare Botschaft mitzuliefern. Der Ansatz hier wäre eine Änderung der Darstellung von Informationen und Techniken zur Verhaltensänderung. Drei Möglichkeiten: Personalisiertes Feedback, Kostenvergleich und Vergleich mit den Nachbarn kamen ins Spiel, wobei der Kostenvergleich und Vergleich mit den Nachbarn als Experimentvariablen zu betrachten waren. Das kontinuierliche Feedback sollte mithilfe einer App immer verfügbar sein. Dazu sollen Tipps zum Energiesparen mitgeliefert werden. Die Ergebnisse zeigen einen interessanten Trend. Der soziale Vergleich (mit den Nachbarn) erweist sich als effektiver als die Angaben zu den gesparten Kosten. Noch bessere Resultate erzielt man durch die Anerkennung, kombiniert mit einem Wettbewerb oder Vergleich mit den anderen.

Klimafreundliche Ernährung

Implizit bewusst, explizit oft ignoriert: Einen grossen Einfluss auf unser Klima hat heute unsere Ernährung. Er ist nicht zu unterschätzen: 1/3 der CO₂-Emissionen werden durch die Nahrungsmittelproduktion verursacht. Wie genau dies funktioniert, trug Manuel Klarmann vor.

Wie wir es bei Zühlke machen, nutzte auch Manuel verfügbare Daten, um wissenschaftsbasierte Schlüsse zu ziehen und zu definieren, wie die Konsumenten klimafreundliche Ernährungsangebote erhalten können.  Berücksichtigen wir Faktoren wie Herkunft, Saison und Art der Produkte, können wir klimafreundlich entscheiden und sogar unsere Essgewohnheiten verändern.  Fleisch produziert zum Beispiel am meisten CO₂. Die diversen Fleischarten verursachen aber verschieden grosse C0₂-Ausstösse. Auch wenn sich jemand nicht vegetarisch ernährt, kann er durch bewussten Umgang mit dem Essen eine positive Wirkung erzielen. Drei Mal pro Woche klimafreundlich essen ist genügend, um eine Milliarde Tonnen CO₂ weniger zu produzieren.

Vom Schubsen und anderem Glück in Zeiten grüner/nachhaltiger UX

Zum Schluss der Veranstaltung  diskutierte Andreas Wolkenstein, wie man sich motivieren kann, Nachhaltigkeit zu leben. Während einige Routinen wie beispielsweise das Zähneputzen zu Automatismen geworden sind, ist die Menschheit hinsichtlich Nachhaltigkeit noch nicht soweit. Auf welche Ebene die Veränderungen gehoben werden sollen, ist die Frage.

Gemäss Andreas Wolkenstein ist die positive UX auf dem Weg, klimafreundlicher zu werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese positive UX eingeführt werden und wer dafür verantwortlich sein soll. Die Lösung wären auf keinen Fall Verbote oder Gesetze, die vom Staat kommen, sondern „bottom up“ gesteuerte Verhaltensveränderungen der Individuen, die auch das Marktverhalten verändern sollen. Hierzu kommt die Diskussion über den libertären Paternalismus, an die die kleinen „Schubser“ (nudging) erinnern.

Im Endeffekt ist unser Verhalten durch Entscheidungen gesteuert, die nicht immer rational sind. Wenn Nachhaltigkeit als selbstverständlich, aber auch als einfach und angenehm betrachtet wird, können die Entscheidungen in die grüne Richtung gehen.

Die Lösung ist User Experience

Der World Usability Day 2016 zeigte sehr deutlich, dass man nicht nur Innovation und Technologien, sondern auch das Verhalten und die Einstellungen des Menschen verändern kann. Die zu konzipierenden Produkte sowie die Trends wie Digitale Transformation sollen die Nachhaltigkeit als eine Variable mitnehmen. Es besteht ein grosser Bedarf an Entwicklungen von Lösungen, die unsere Essgewohnheiten, Recycling, Energieverbrauch und unsere Mobilität unterstützen, damit sie grüner und nachhaltiger werden. Wenn die Nachhaltigkeit einfacher wird und auch Spass macht, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, die soziale Akzeptanz hoch zu halten.

Wer am WUD 2016 auf den Geschmack gekommen ist und gerne noch mehr zum Thema UX erfahren möchte, findet bei der Zühlke Academy entsprechende Kurse. Die Details zu den einzelnen Inhalten der Kurse sowie die jeweiligen Durchführungsdaten sind auf der Zühlke Website ersichtlich.

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