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Augmented und Mixed Reality

Wie von Zauberhand: Mixed-Reality-Erlebnisse mit der Wizard-of-Oz-Methode gestalten

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie man für Augmented und Mixed Reality sehr schnelle dreidimensionale und interaktive Prototypen baut und überprüft? Ein zweidimensionaler Papierprototyp und ein Walkthrough helfen leider nicht mehr wirklich weiter.

Genau vor dieser Frage standen wir bei der Entwicklung der HoloLens Reparatur-App für Jungheinrich. Die Antwort haben wir in der Realität gefunden: dem Rollenspiel à la Wizard of Oz.
Neben der Tatsache, dass das Rollenspiel wirklich Spaß macht, hat es die Planung und Umsetzung unseres Projektes wesentlich beschleunigt. Außerdem hat es dazu geführt, dass während der Entwicklung kaum Missverständnisse innerhalb des Teams, beim Kunden und Endbenutzer aufgekommen sind.

Was ist denn ein Wizard of Oz?

Der Wizard of Oz ist bekannt aus einem Kinderbuch und dem dazugehörenden Film. Darin erschafft ein Jahrmarktschreier, mit Hilfe einer Maschine, die mächtige Illusion des Zauberers von Oz. Diese Illusion überzeugt und kontrolliert das Volk von Oz. Im Usability Engineering ist der Wizard of Oz eine Prototypmethode, bei welcher der Mensch in die Rolle des Systems, also der Maschine schlüpft und mit dem Benutzer interagiert.

Wann braucht es die Wizard-of-Oz-Methode?

Ab dem Moment, in dem der Zweck der App, die Benutzer und die Randbedingungen identifiziert sind und es einen hypothetischen Ablauf gibt, sollte die Wizard-of-Oz-Methode eingesetzt werden. Bei uns war das zu Beginn unserer Entwicklung einer HoloLens-Reparatur-App.

Was braucht es für eine Wizard-of-Oz-Methode?

Für die Wizard-of-Oz-Methode denken Sie am besten an die Planung eines Laientheaters.

 

Ines BB

Es gibt folgende Darsteller:

  • Der Wizard, der das System spielt – ein Teammitglied (bei uns – Interaction Designer).
  • Der Experte, der wirklich weiß, wie die Reparatur ablaufen muss – ein erfahrener Endbenutzer.
  • Das Objekt, das mit virtuellen Inhalten angereichert werden soll – in unserem Fall ein Gabelstapler.
  • Die Beobachter, welche die Szene beobachten, aufzeichnen und beim Problemlösen helfen – Teammitglieder (1 Projektleiter, 2 Entwickler).

Zur Bühne und zu den Requisiten gehören:

  • Der Raum, der das Objekt beinhaltet und beeinflusst – in unserem Fall ein Trainingslager.
  • Einen hypothetischen Ablauf, der das Szenario beschreibt – Bei uns die Reparatur des Staplers.
  • Karten und Stifte: vorbereitete Karten mit Anweisungen und Bestätigungsmöglichkeiten sowie leere Karten.
  • Die HoloLens: Unser Experte hatte sie ausgeschaltet auf, um das Tragegefühl zu bewerten.
  • Die Dauer: Ein Tag, an dem wir den Ablauf dreimal durchgespielt haben.

Wie läuft eine Wizard-of-Oz-Methode ab?

Das Team hat sich im Vorfeld auf den Ablauf geeinigt und die einzelnen Benutzerschritte auf Karten geschrieben. Eine Karte zeigt kurz und knackig, was der Benutzer machen soll und wie er den Schritt bestätigen soll (ok, yes, no, cancel). Der Wizard hält das Kartendeck in der Hand und zeigt die aktuelle Aufgabe. Außerdem sagt der Wizard dem Benutzer, was er zu tun hat. Der klaren Anweisung hat der Wizard einen Tick Freundlichkeit hinzugefügt. Z.B. „Please – open the cover.“ Der Benutzer führt diese Aufgabe durch und bestätigt mit der Geste „airtap“ oder seiner Stimme.

Ein Beispiel aus unserer App:

Ines BB_2

Wizard sagt: „Open the cover. “ (Öffne die Abdeckung)
Wizard zeigt: Karte: „Open the cover“ inkl. des Buttons „ok“

Benutzer tut: Er verlässt seinen Ausgangspunkt und geht um den Stapler herum. Dann öffnet er die Abdeckung.
Benutzer sagt: „OK“

Erkenntnisse aus der Beobachtung:

Der Benutzer ist von seinem Ausgangspunkt um den Stapler herumgegangen und hat dort die Aktion durchgeführt.
Er hat die Sprachsteuerung der Geste vorgezogen. Die Interaktionsmöglichkeiten mit der HoloLens haben wir im Vorfeld unseren Experten gezeigt.

Aufgekommene Fragen:

  • Soll sich der Wizard mit dem Nutzer mitbewegen?
  • Woher weiß der Benutzer, wohin er gehen muss?
  • Wie kann ein Schritt rückgängig gemacht werden?

Implikationen für die weitere App-Entwicklung:

  • Der zukünftige Benutzer muss von der App um das Gerät herumgeleitet werden.
  • Der Wizard bewegt sich mit dem Benutzer mit.
  • Die App soll durch eine Animation zeigen, dass die Abdeckung geöffnet werden muss.
  • Über einen Verlauf kann der Benutzer Schritte rückgängig machen.

Der Inhalt der Karte ist richtig:

Wird die Aufgabe auf der aktuellen Karte sofort vom Benutzer verstanden, bearbeitet und bestätigt, verbleibt diese Karte im Stapel und wird ans Ende des Kartendecks abgelegt.

Der Inhalt der Karte ist nicht richtig:

Ist der Inhalt einer Karte nicht verständlich, oder hat ein Schritt gefehlt, wird das Rollenspiel gestoppt. Alle Beteiligten besprechen die Situation, entwickeln eine Lösung und passen den Ablauf an. Die falsche Karte wird weggeworfen und es werden neue Karten geschrieben.

Ergebnis der Wizard-of-Oz-Methode

Nach drei Durchläufen der Wizard-of-Oz-Methode repräsentierte unser Kartendeck ein abgestimmtes Szenario. Die Beobachter haben notiert, wo zusätzliche Hilfe durch Animation oder User-Interface-Elemente notwendig sind. Die folgenden Entwicklungsschritte konnten besser geplant und priorisiert werden. Außerdem war eine sehr schöne Randerscheinung, dass die Wizard-of-Oz-Methode wirklich Spaß gemacht hat.

Benefits der Wizard-of-Oz-Methode

  • Rasche und günstige Basis für die Entwicklung einer HoloLens-App
  • Einheitliches Verständnis für Begrifflichkeiten und Abläufe aller Beteiligter
  • Identifikation notwendiger Hilfestellungen (z.B. Highlights, Animationen)
  • Einheitliches Verständnis, wie Animationen, Sound und Interaktionen ineinandergreifen müssen

Unserer Erfahrung nach ist die Wizard-of-Oz-Methode ein großartiger Start, um Augmented- und Mixed-Reality-Applikationen effektiv, effizient und zufriedenstellend umzusetzen.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Wir freuen uns auf Erfahrungsberichte, Anregungen und weiterführende Fragen.

 

 

Lead Consultant User Experience

Ines Lindner

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