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The future of digitalization

Auf Erfolgskurs: Wie gelingt Digitalisierung in der Praxis?

17 September 2019
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Lesezeit: 4 Minutes

Ob bei Banken- und Versicherungen, im Maschinen- und Anlagenbau, oder in der Konsumgüterbranche: Eine erfolgreiche Digitalisierung entscheidet immer stärker über die Zukunft von Unternehmen. Doch gibt es ein Erfolgsrezept für Digitalisierung, das unabhängig von der Branche funktioniert?

Genau diese Frage haben Entscheider aus unterschiedlichsten Branchen anlässlich des Zühlke-Events „Digitalisierung in der Praxis“ am 22.08. im Hamburger Hafen-Klub, diskutiert. Anhand von fünf Beispielprojekten demonstrierten mutige Business Innovatoren, wie die Digitalisierung erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurde.

1. thyssenkrupp Elevator: Einen ganzen Prozess digitalisieren

Wie kann ich mich in einem Markt abheben, in dem es kaum technische Differenzierungsmöglichkeiten gibt und in dem die Geschwindigkeit der Lieferungen entscheidend ist? Vor dieser Frage stand thyssenkrupp Elevator mit seinem Geschäft für Treppenlifte. Das Ziel: Deutlich schneller werden und den Kunden ein vollkommen neues Einkaufserlebnis bieten.

Um das zu erreichen, digitalisierte thyssenkrupp Elevator den kompletten Verkaufsprozess für die Treppenlifte – vom Ausmessen der Treppe bis hin zur Maßanfertigung der Führungsschiene. Der neu entwickelte Prozess namens HoloLinc® startet mit dem Ausmessen der Treppe mittels einer Microsoft HoloLens. Anschließend kann der Kunde den Lift gemeinsam mit dem Sales Manager auf dem iPad konfigurieren, diesen dank Mixed Reality auf seiner eigenen Treppe betrachten und mit einem Knopfdruck die Bestellung aufgeben, wobei die Produktionsdaten vom iPad direkt ins Microsoft Azure Backend und von dort an die Produktion übermittelt werden.

HoloLinc® wird ein voller Erfolg: Der neue Prozess erlaubt es thyssenkrupp Elevator, die Auslieferung der Treppenlifte von rund acht auf zwei Wochen zu beschleunigen und überzeugt mit einem begeisternden Kunden- und Verkaufserlebnis.

2. WILO: Transparente Kommunikation und Digitalization-Team als Schlüssel zum Erfolg

Wie kann ich meine Kunden davon überzeugen, ihre Produkte umzurüsten und mir ihre Daten zur Verfügung zu stellen? Für WILO als Weltmarktführer für Pumpen keine einfach zu beantwortende Frage, denn die Produkte sind sehr langlebig. Ein Austausch aller Geräte wäre daher unrealistisch. Um dennoch möglichst viele Pumpen intelligent zu machen, entwickelt WILO eine Retro-Fit-Lösung, die es ermöglicht, auch ältere Pumpenmodelle smart zu machen. Doch die technische Lösung allein bringt noch nicht die erhofften Daten.

Den Durchbruch bringt eine offene Kommunikation an die Betreiber, in der die Vorteile für beide Seiten transparent aufgelistet werden. Seitdem werden immer mehr Pumpen umgerüstet. Ein Erfolg, der auch viel damit zu tun hat, wie Digitalisierung bei WILO vorangetrieben wird. Für die Digitalisierung ist in der Unternehmensgruppe kein einzelner CDO zuständig, sondern ein interdisziplinäres „Digi-Team“. Das Team agiert vor allem businessgetrieben und hat so immer die Bedürfnisse der Endkunden und des Marktes im Auge.

3. Hannover Re: Schneller dank Automatisierung

Wie kann ich meine Mitarbeiter dabei unterstützen, 80% ihrer Aufgaben mit 20% ihrer Energie zu erledigen und so die üblichen 80% ihrer Energie für die schweren und anspruchsvollen Fälle zur Verfügung zu haben? Für die Hannover Re lautete die Antwort auf diese Frage im Zusammenhang mit ihren Underwritern: Automatisierung. Mit lernenden Systemen schafft es der Rückversicherer, die Risikobewertung von „Standardfällen“ immer stärker zu standardisieren. So bleibt den Underwritern mehr Zeit für die Fälle, in denen ihre Expertise gefragt ist.

Das Ergebnis: Die Hannover Re kann Risiken schneller und zuverlässiger bewerten und ihren Kunden dadurch umgehend und unkompliziert ein passendes Angebot unterbreiten. Doch die Underwriting-Lösung spart nicht nur Zeit, sie hilft auch dabei, neue Kundensegmente zu erschließen. Eine weitere interessante Erkenntnis, die bei der Umsetzung entsteht: Der Kunde für solche Lösungen muss nicht unbedingt ein Erstversicherer sein. Auch ein selbst gegründetes Startup kann von den eigenen Produkten profitieren.

4. CLAAS: Attraktive Services bringen wertvolle Daten

Damit die Weiterentwicklung von Produkten und Services entlang echter Kundenbedürfnisse erfolgt, sind Nutzerdaten enorm wichtig. Bei CLAAS – dem Hersteller von Landmaschinen – stellt sich dasselbe Problem wie bei WILO: Die Qualität der Produkte ist so hoch, dass die Maschinen oft erst nach sehr langer Zeit ausgetauscht werden. Bei der Entwicklung digitaler Services und Lösungen ist daher die Durchdringung des Produktportfolios ein wichtiges Thema. Die entscheidende Frage ist: Kann man die digitalen Services auch für bereits ausgelieferte Produkte bzw. Modelle anbieten?

Auch CLAAS verfolgte deshalb eine Retro-fit-Strategie und entwickelte zahlreiche Schnittstellen und eine Plattform, um Daten zu gewinnen und zu sammeln. Damit diese Lösungen zum Erfolg führen, brauchte es allerdings noch Anreize für die Kunden, ihre Maschinen umzurüsten und ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Bei CLAAS sind das neben Effizienzgewinnen zahlreiche attraktive Services bzw. Mehrwertdienste, die dank einer neuen Telematikplattform überhaupt erst möglich werden. So profitieren beide Seiten – CLAAS und die Endkunden – gleichermaßen von der Digitalisierung.

5. dormakaba: Vom Produkthersteller zum digitalen Serviceanbieter

dormakaba hat eine lange Historie als Hersteller von Türen und Schließsystemen. Doch in einem sich ändernden Marktumfeld sieht sich das Unternehmen mit schwierigen Fragen konfrontiert: Wie kann ich mich von meinen Mitbewerbern abheben? Wie sehen meine zukünftigen Kunden aus? Was sind deren Bedürfnisse? Und wie kann ich auf diese Bedürfnisse reagieren?

Eine erste Antwort auf diese Frage war die exivo-Plattform: Anwender können darin Zutrittsrechte bequem vergeben oder mit Zusatzfunktionen Service und Unterhalt bestellen. Fachpartner können Zutrittssysteme einfach planen, konfigurieren, bestellen und Installieren. Ein System, das einfach, übersichtlich und doch mächtig ist. Mit exivo nutzte dormakaba als eine der Ersten in ihrem Markt die Chancen von IoT und konnte ihren Kunden damit einen entscheidenden Mehrwert bieten. Was aber noch wichtiger ist: Mit der neuen Business-Plattform ist das Unternehmen einen weiteren Schritt in die digitale Zukunft gegangen: vom Produkthersteller zum digitalen Serviceanbieter.

Fazit: Es kommt auf die richtige digitale Kultur an

Eine spannende Erkenntnis für mich am Ende dieses Abends war eindeutig: Es gibt nicht den einen Weg zum Erfolg. Doch ein paar übergreifende Rezepte habe ich doch für mich mitgenommen:

  1. Es ist nicht die technische Lösung, die den Durchbruch bringt. Der Fokus auf den Kunden und deren Bedürfnissen sowie schnelle Feedbackschleifen sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
  2. Mindset und Diversität (fachlich, kulturell, erfahrungsbasiert) im eigenen Team gepaart mit agilen Methoden sind entscheidend. Empowerment und Retrospektiven sind unerlässlich.
  3. Den digitalen Fokus benennen: Kerngeschäft sichern, inkrementelle Innovationen schaffen oder disruptiv vorangehen? Ein Erfolgsprinzip ist: Build. Measure. Learn.

Was mich darüber hinaus persönlich sehr beschäftigt:
Leadership ist mehr denn je ein Thema in modernen Organisationen. Linienfunktionen werden hinterfragt, Sinnstiftung und Gestaltungsfreiraum zunehmend gefordert. Die eigene Verletzlichkeit/Unwissenheit (nicht nur als Führungskraft) zuzugeben gepaart mit der Bereitschaft unkonventionelle Wege zu gehen – ohne eine solche Kultur wird es sehr schwer, Digitalisierung erfolgreich in die Praxis zu bringen.

Deutschland

Thorsten Knauf

Director Business Development

Thorsten Knauf

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