Wettbewerbsvorteil trotz Regulierung

 

Stellen Sie sich vor, Sie mieten ein Auto. An diesem Tag kommt es zu einem Unfall. Sie müssen sich vor Gericht verantworten. Im Prozess wendet sich das Gericht an ihr Auto, welches die  genauen Daten zum Vorfall abruft, während Sie gar nicht wussten, dass der Vermieter ihre Fahrdaten aufzeichnet und speichert.

Das ist keine Zukunftsmusik. Dieser wahre Fall liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Der Car-Sharing-Dienst DriveNow von BMW lieferte die Daten. Schon sind wir mitten im Thema Compliance: Kollidierte BMW damit mit dem Datenschutzgesetz? Von der Anfrage bis zur Datenlieferung dauerte es acht Monate. In dieser Zeit drehte die Anfrage vermutlich etliche Runden durch alle Abteilungen des Fahrzeugherstellers. Laut dem „Manager Magazin“ bestritt BMW Kundendaten zu sammeln und gab an, die Angaben kämen aus dem Bestand, also von mehreren Datenspeichern im Fahrzeug.

Regularien aus analoger Zeit

Spulen wir das ganze nochmals zurück: Hat BMW diesen Fall kommen sehen? War der interne Prozess bereits bekannt oder rotierten Compliance und Legal im roten Bereich? Regulatoren hinken den Entwicklungen meistens mehrere Jahre hinterher. Ständig werden sie mit neuen Technologien und Services konfrontiert, die das Marktgeschehen wieder verändern. Dabei halten sich Regulatoren in erster Linie an Gesetze, die auf Regeln aus einer analogen Zeit bestehen.

Damit gestalten Regulatoren den Wettbewerb mit. Für das Gemeinwohl müssen sie schwächere Marktteilnehmer und Kunden schützen. Für den fairen Wettbewerb legten sich EU-Regulatoren beispielsweise mit Google an. Schliesslich dominiert der US-Konzern mit seiner Monopol-Stellung einige Geschäftsfelder im Internet. Benachteiligt er mit seinen Suchfiltern etwa europäische Markteilnehmer im Netz? Im Visier der Behörden ist besonders die Google Shopping Seite. Solche Fragen müssen geklärt werden, ob Google will oder nicht.

Alles dreht sich um Daten

Aber es geht längst nicht nur um Sichtbarkeit und Marktzutritt, sondern um die Datenhoheit. Nicht nur Google besitzt direkten Zugriff auf einen Datenschatz. In Zukunft kommen exponentiell weitere Daten hinzu: von Überwachungssystemen, elektronischen Kommunikationsmitteln, sozialen Netzwerken und öffentlichen Einrichtungen. Heute sitzt jedes Unternehmen auf einem Datenschatz. Firmen, die heute nicht in neue Generationen von Datenanalyse-Lösungen investieren, werden von diesen zukünftigen Wettbewerbsvorteilen abgeschnitten.

Der richtige Umgang mit diesen Daten, verlangt nach internen Information Governance & Compliance Richtlinien. Im Fall BMW kann gut nachvollzogen werden, dass rasante Entwicklungen wie Internet of things und Big Data, solche Richtlinien in Zukunft strategisch noch wichtiger machen. Damit Unternehmen hier entscheidende Wettbewerbsvorteile gewinnen können, müssen sie sich vorbereiten. Welche Anfragen könnten kommen? Wie reagieren wir dann darauf und wie schnell können wir überhaupt reagieren? Gemäss Gartner soll mit der Information Governance erreicht werden, dass Daten klassifiziert und schnell auffindbar gespeichert werden, um schneller auf neue Regularien reagieren zu können.

Strategisch entscheidende Vorteile

Diese Punkte bringen für Unternehmen im Umgang mit Daten entscheidende Vorteile:

  1. Eine unternehmensweite Information Governance Strategie (von einer Records Management Policy hin zu einem Governance Framework)
  2. Die Operations im Unternehmen müssen die regulatorischen Anforderungen abbilden
  3. Automatisierte Prozesse und richtige Tools, um Risiken zu managen
  4. Alle kritische Dokumente finden sich in einer Applikation, was ein regelmässiges Reporting ermöglicht und die Verwendung von Audit Tools zulässt

Ohne geeignete Tools bleiben etwa viele wichtige Dokumente in E-Mails verborgen. Das erschwert eine spätere Rekonstruktion. Kritische Informationen werden nicht gefunden. Eine Übersicht fehlt. Um Zeit zu sparen, müssen sich Unternehmen weiter überlegen, wie sie so eine Governance in Zukunft skalierbar machen.

Offen für Innovationen bleiben

Ein Unternehmen sollte die Zeit nutzen und proaktiv handeln, bevor sich die Regulatoren einschalten. Datenschutz und Security haben Priorität, sobald Firmen anfangen Daten zu sammeln, zu speichern und zu analysieren – und – diese Informationen zu gebrauchen.

Denken Sie an die Einführung des Swiss Pass. Diese Karte ermöglichte es der SBB, Kunden- und Bewegungsdaten zu sammeln. Natürlich will die SBB aus den gesammelten Daten ihre Services verbessern und könnte daraus vielleicht ein neues Pricing entwickeln. Das sind die grossen, innovativen Chancen des Unternehmens. Aber wie wurde das Thema Datenschutz angegangen? Setzte sich die Unternehmung vorher genügend mit Kommunikationsrisiken und möglichen Rechtsstreitigkeiten auseinander?

Entscheidend für innovative Unternehmen ist somit, sich möglichst früh mit Regularien zu beschäftigen. Genauso wichtig ist es, sich zu fragen, welche Teile des Vorhabens mit bestehenden Regularien und Gesetzen kollidieren könnten. Der Wettbewerbsvorteil entsteht mit der Definition von spezifischen Zielen bei bestehenden Regularien, aber auch bei zukünftigen Entwicklungen.

Fazit

Ersetzen Sie reaktives Verhalten durch Forward Thinking und vermeiden Sie finanzielle Risiken wie Geldstrafen oder gar existenzbedrohende Verbote und Shitstorms in sozialen Medien, insbesondere in der Zukunft. So bleiben sie trotz Regulierungsflut im Wettbewerbsvorteil.

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