en
de
Virtual Reality

Virtual Reality in der Medizin – Hype oder Trend?

31 Mai 2016
| |
Lesezeit: 3 Minutes

Mitte April war es endlich so weit: Die erste und langersehnte Live-Übertragung einer Operation in Virtual Reality fand statt. Dank einer fest installierten 360°-Kamera konnten die Zuschauer Dr. Shafi Ahmed dabei beobachten, wie er seinen Patienten operierte. Wird Virtual Reality zum Trend der Arbeitswelt oder bleibt sie in der Unterhaltungsbranche?

Die unmögliche Realität

Nimmt man Virtuelle Realität wortwörtlich, ist sie eigentlich unmöglich. Wie soll man denn etwas Virtuelles, also nicht real existierendes, real werden lassen? Der Begriff Virtuelle Realität definiert im Moment die optische und akustische Umgebungsdarstellung von Orten, an denen man selbst physisch nicht anwesend ist. Es stellt sich die Frage, in welchen Anwendungsfeldern VR nützlich ist und weiterverfolgt werden soll.

Wir bei der Zühlke haben bereits erste Pilot-Projekte im Bereich der virtuellen Realität umgesetzt, um das Potential dieser Technologie besser einschätzen zu können. Bisher bezogen sich diese jedoch auf die visuelle Aufbereitung von Umgebungen ohne sich bewegende Personen. Daher war die Live-Übertragung dieser Operation für uns eine perfekte Gelegenheit, ein mögliches Einsatzgebiet der virtuellen Realität mit viel Potential kennen zu lernen: die Medizin. Und als ursprünglich aus dieser Branche kommend, war es für mich ein persönliches «Must», die Live-Übertragung zu verfolgen.

Neue Technologien in der Medizin

Dr. Shafi Ahmed ist kein Unbekannter wenn es darum geht, neue Technologien im medizinischen Kontext einzusetzen. In bester Erinnerung dürfte noch die Live-Übertragung seiner Operation mit aufgesetztem Google Glass von Mai 2014 sein – eine Weltpremiere. Bei dieser war es bereits möglich, die Operation «durch die Augen» des Chirurgen am Bildschirm mit zu verfolgen. Mit der Übertragung Mitte April ging Dr. Ahmed noch einen Schritt weiter: Dank der fest im OP installierten 360°-Grad-Kamera, konnten die Teilnehmer der Videokonferenz virtuell bei der Operation im «The Royal London Hospital» dabei sein. Die Idee von Dr. Ahmed ist, so möglichst viel Wissen zu transferieren und möglichst vielen Studierenden das Lernen durch Zuschauen zu ermöglichen.

Live-Operation über Virtual Reality

In Partnerschaft mit Medical Realities und Mativision wurde die Infrastruktur und das Deployment sichergestellt. Als Interessent musste man nur noch die App laden und seine VR-Brille aufsetzen, um an der Live-Übertragung teilzunehmen. Dies ging – trotz der mehr als 13’000 Teilnehmern aus 113 Ländern – erstaunlich gut.

Virtual Reality

Mit einer kleinen Verspätung ging es los: Kaum hatte ich die Brille aufgesetzt, fühlte ich mich in den Operationssaal versetzt. Der Patient war bereits vorbereitet und narkotisiert. Dr. Ahmed hielt eine kurze Einführung und begann dann mit der Operation.

OP in Virtual Reality

Eigentlich bemüht Superlativen zu vermeiden, kann ich nicht anders, als das Erlebnis als überwältigend zu beschreiben. Dank der 3D-Übertragung hatte ich das Gefühl, direkt am Operationstisch zu stehen. Ich konnte – natürlich vom Standort der Kamera her – im Operationssaal umherschauen und alles beobachten. Die Nähe zum Geschehen, die Kommentare des Arztes und die Abgeklärtheit aller Akteure, bleiben mir positiv in Erinnerung.

Die Qualität des Livestreams war sehr gut. Die Bildübertragung geriet auch bei schnellen Bewegungen nicht ins Stocken. Der einzige Wermutstropfen waren die Screens, welche dem Arzt das Bild der Endoskop-Kamera, also den eigentlichen Eingriff, anzeigten: Die Bildfrequenz der Monitore und ihre Helligkeit im abgedunkelten OP, verpixelten die Wiedergabe der Screens in der Übertragung so stark, dass nur schemenhaft zu erahnen war, was Dr. Ahmed sah; resp. wie er die Instrumente einsetzte. Eine herkömmliche Live-Übertragung mit zusätzlichem Streaming der Endoskop-Aufnahme, liefert die bessere Bildqualität.

VR – wie weiter?

Virtuelle Realität ist schon lange kein Hype mehr. Es ist technik-affinen Praktikern wie Dr. Ahmed zu verdanken, dass sich immer neue Möglichkeiten zum Einsatz von VR ergeben. Und dank solchen Premieren können wir Kinderkrankheiten auf die Spur kommen und so die Technik kontinuierlich optimieren. Dr. Shafir Ahmed kündigt bereits an, dass wir in Folgeprojekten eine Erweiterung mit Augmented Reality erwarten können. Zum Beispiel indem Handschuhe eingesetzt werden, welche mit interaktiven Technologien Umgebungsgefühle vermitteln. So, dass wir die Bewegungen des Operateurs nachvollziehen können.

Für mich war dies eine grossartige Möglichkeit, Erfahrungen im Bereich VR zu sammeln, sie mit meinem Wissen aus der Medizin zu verknüpfen und damit Augen und Ohren für neue Trends offen zu halten.

Kommentare (0)

×

Updates

Schreiben Sie sich jetzt ein für unsere zwei-wöchentlichen Updates per E-Mail.

This field is required
This field is required
This field is required

Mich interessiert

Select at least one category
You were signed up successfully.

Erhalten Sie regelmäßige Updates zu neuen Blogartikeln

Jetzt anmelden

Oder möchten Sie eine Projektanfrage mit uns besprechen? Kontakt aufnehmen »