Vernetzte Medizintechnik kann auch «präventive» Hilfe leisten

22 November 2016
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Lesezeit: 4 Minutes

Die omnipräsente Digitalisierung ist ein Phänomen, welche jede erdenkliche Situation in unserem Alltag auf die eine oder andere Art tangieren. Auch in der Medizintechnik und dem Gesundheitswesen wird sie prominent als Kostenbremse postuliert. Kann die «Digitalisierung» helfen, den andauernden Kostenanstieg im Gesundheitswesen abzubremsen? Oder diese gar zu reduzieren? Ist die Digitalisierung gar ein Instrument, welche neue Wege für betreuungsintensive, nichtübertragbare Krankheiten (kurz NCDs) ebnet?

Explodierende Kosten vs. Langes Leben

Innerhalb von vier Generationen hat sich die Lebenserwartung in unserer Gesellschaft verdoppelt. Diese Entwicklung verdanken wir dem Wohlstand, dem medizinischen Fortschritt, hygienischen Bedingungen und dem Ausbau der Sozialversicherungen. Die Kehrseite der Medaille – den Segen der Langlebigkeit – bezahlen wir mit explodierenden Gesundheitskosten. Diese wiederum zeigen sich vor allem im letzten Lebensabschnitt und reduzieren somit die Lebensqualität im Alter.

Gesundheitskosten in der Schweiz

40% der direkten Gesundheitskosten werden von den nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen (COPD), Krebs und Demenz verursacht. 2014 waren 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz davon betroffen. Nebst persönlichem und familiärem Leid sind NCDs und deren Krankheitsverlauf auch für einen grossen Teil der Gesundheitskosten verantwortlich. Nebst den Direktkosten ergeben sich weitere indirekte Kosten wie etwa Medikamente, Krankenhausaufenthalte sowie ambulante und pflegerische Leistungen.

Vorbeugen ist besser als heilen

Um dieser Entwicklung teilweise entgegenzuwirken, suchen wir bei Zühlke Antworten. Im Konkreten: wie innovative Technologien im Zusammenspiel mit Digitalisierung dazu beitragen können. Eine Volksweisheit lautet – «Vorbeugen ist besser als heilen» und hier möchten wir ansetzen. Bedenkt man, dass die Hälfte der nichtübertragbaren Krankheiten massgeblich durch den individuellen Lebensstil beeinflusst werden, ist der starke Partner für die Digitalisierung die Prävention. Das heisst: im Umkehrschluss Eigenverantwortung stärken und zum mündigen Gesundheitskonsumenten zu werden.

Prävention in der Gesundheit

Meiner Überzeugung nach ist eine wichtige Voraussetzung nebst der internistischen Motivation der Trend hin zum «Quantified Self» für die kommenden Generationen. Das gleiche gilt für die Nutzung und Akzeptanz der gewonnenen Daten für medizinische Zweck. Die Mehrheit der heute am Markt vorhandenen Activity Tracker und Vital Signs Tracker sind keine Medizintechnikprodukte und somit Insellösungen für das persönliche Wohlbefinden ohne Schnittstellen zu systemrelevanten Initiativen im Gesundheitswesen (z.B. eHealth Schweiz).

Bei Zühlke verfolgen wir die Idee, mit unterschiedlichen Stakeholder aus der Medizintechnik (Personal Health Monitorig Devices Hersteller) und aus dem Gesundheitswesen (Krankenkasse, Ärzte und Gesundheitsorganisationen) dank Digitalisierung und analytische Datenverfahren eine Brücke zur Eindämmung von betreuungsintensiven chronischen Krankheiten zu schlagen. Konkrete Vorstellungen bestehen für die nicht übertragbare Krankheit Demenz.

«We are facing a slow motion disaster»

WHO-Generaldirektorin M. Chan am UN-Gipfel zu NCDs im September 2011.

Mit diesem persönlichen Beitrag möchte ich eine Diskussion starten, wie Kosten für chronische und pflegeintensive Krankheiten durch Digitalisierung eingedämmt werden können.

Was ist NCD:

  • Nichtübertragbare Krankheiten (NCD, non-communicable diseases) wie Krebs, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats und chronische Atemwegserkrankungen
  • 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an einer NCD.
  • Das entspricht einem Viertel der Bevölkerung der Schweiz.
  • NCDs sind heute die häufigste Todesursache in unserer Gesellschaft.
  • Von den über 50-Jährigen hat jede fünfte Person mehr als ein chronisches Leiden.

Was kostet NCD:

  • Eine Studie des BAG aus dem Jahr 2014 beziffert die Folgekosten aller NCDs für die Schweiz auf über 50 Milliarden Franken pro Jahr.
  • Insgesamt fallen die höchsten indirekten Kosten bei den muskuloskelettalen Krankheiten an (CHF 7,5 Mrd. für Rückenschmerzen und CHF 4,7 Mrd. für rheumatische Erkrankungen).
  • Insgesamt werden die indirekten Kosten auf max. 30 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.
  • Die Gesundheitskosten in der Schweiz steigen kontinuierlich, 2013 lagen sie bei rund 70 Mrd. Franken und bis 2017 dürften sie auf 79 Mrd. Franken jährlich ansteigen. 80% werden durch nichtübertragbare Krankheiten verursacht. Die Behandlung der fünf häufigsten NCD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Atemwegs- und Erkrankungen des Bewegungsapparates verursachen in der Schweiz pro Jahr mit 25,6 Mrd. Franken (Stand 2011) rund 40% der direkten Gesundheitskosten. Nimmt man die psychischen Erkrankungen und Demenz hinzu, steigt dieser Wert auf rund 51% aller Gesundheitskosten.

Was kann man dagegen tun:

  • Eigenverantwortung stärken und informieren
  • Mehr als die Hälfte der nichtübertragbaren Erkrankungen könnten mit einem gesunden Lebensstil vermieden oder zumindest verzögert werden.
  • Physiologische Faktoren wie Gewicht, Blutdruck, Blutfettwerte und der Cholesterinspiegel spielen eine Rolle, die sowohl genetisch wie auch von unserer Lebensweise beeinflusst werden.
  • Prävention lohnt sich: Ein in die Tabakprävention investierter Franken bringt eine Kostenersparnis von 41 Franken.
  • Die in der Schweiz eingesetzten Mittel für Prävention und Gesundheitsförderung sind im internationalen Vergleich tief. Im Jahr 2013 wurden von den gesamten Ausgaben für das Gesundheitswesen rund 2,2% für die Prävention Der Durchschnitt in der OECD liegt bei 3,1%. Die Ausgaben für die Prävention im Umfang von 1,54 Mrd. Franken wurden zu 37% privat, zu 23% durch Sozialversicherungen und zu 39% durch die öffentliche Hand finanziert.

 

Mit diesem persönlichen Beitrag möchte ich eine Diskussion starten, wie Kosten für chronische und pflegeintensive Krankheiten durch Digitalisierung eingedämmt werden können.

Business Development Retail & Consumer Goods

Melanie Tschugmall

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