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Usability von Windows 8 auf dem PC

9 August 2013
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Lesezeit: 3 Minutes

Schon ausgekachelt?

Wenn man Berichte und News-Meldungen in den Medien verfolgt, ist Windows 8 wohl als Misserfolg zu werten: Windows-8-Frust zwingt Microsoft zu Kurswechsel“, Wegen Windows-Flop: PC-Markt bricht ein“, „Hat Windows 8 schon ausgekachelt?“ Ist es wirklich so schlimm?

Von mir kommt hier ein klares: Jein!

Nach über 6 Monaten „Selbstversuch“ auf dem heimischen PC hat sich bei mir nach anfänglicher Euphorie Ernüchterung breitgemacht. Zu Beginn fiel die gewachsene Performance auf. Prozesse wie das Aufstarten oder Öffnen von Applikationen waren im Vergleich zum Vorgänger deutlich schneller.

Aber der erste gute Eindruck konnte nicht über Stolpersteine hinsichtlich der Usability hinwegtäuschen. Ursache dafür ist aus meiner Sicht der eng gesteckte Nutzungsraum, welcher das neue Interface bietet. Dessen Eigenheiten lassen sich auf folgende Punkte zusammenfassen:

Anwendung auf kleinflächigen Bildschirmen, d.h. bis ca. 12 Zoll

Auch wenn das System eigentlich alle Bildschirmgrössen unterstützt, sind die Design-Prinzipien auf kleine Bildschirme/Oberflächen optimiert. Dazu zählen die fehlende oder zumindest stark eingeschränkte Multi-Windows sowie auch Multi-Monitor Unterstützung die bei grösseren Bildschirmen einen deutlichen Mehrwert für den Benutzer bieten kann. Von der Auslagerung von Funktionen weg vom Inhaltsbereich hin zu sich öffnende Bereiche wie beispielsweise der Charm-Bar profitieren vor allem Geräte mit kleinen Bildschirmen.

Optimierung auf Touchbedienung

Die Bedienung der Windows 8 -Oberfläche ist stark auf Touchbedienung ausgelegt. Es gibt diverse Gesten, um spezialisierte Funktionen aufzurufen, wie z.B. die Charm-Bar oder das App List Panel.  Aber: selbst wenn man über eine Toucheingabe verfügt, sind diese Gesten schwer auszuführen. Die Trefferquote beim Versuch, das App List Panel über die Mauseingabe zu öffnen, bleibt in meinem Fall auch nach Monaten kaum über 50%. Die Entwicklungen bei etablierten – auf Toucheingabe basierten – Systemen wie Android oder iOS zeigen, dass sich komplexere Gesten nur schwer etablieren. So kennt beispielsweise kaum ein iPad-Benutzer die Mehrfinger-Gesten zum Applikationswechsel oder dem Öffnen der Task-Leiste. Man hat zwar die Möglichkeit, viele Funktionen über Shortcuts aufzurufen, damit bedient man aber höchstens sehr versierte Anwender. Der normale Benutzer kennt bestenfalls noch Copy&Paste- oder ein paar wenige anwendungsspezifische Shortcuts.

Fokus auf Inhalt / Medien Konsum

Die Oberfläche ist so gestaltet, dass die Priorität klar auf Inhalte und deren Konsum gelegt wird. Dieser Ansatz ist für Applikationen wie Fotobetrachtungs-Tools, Medienplayer aller Art oder Magazine sehr gut geeignet. Sobald aber in irgendeiner Form (Daten)-Objekte bearbeitet werden sollen oder umfangreichere Eingaben gewünscht sind,  sieht es anders aus. Bei den meisten Business-Anwendungen ist aber genau dies der Fall.

Die Startseite

In diesem Zusammenhang ist auch die Art der Visualisierung von Interaktionselementen zu sehen – es gibt keine. Im Modern-UI , der Designsprache von Windows 8 mit der „Kacheloberfläche“, verschwimmen interaktive und nicht-interaktive Bereiche zu einem einheitlichen Ganzen. Visuell kann dies sehr elegant aussehen, es lässt aber den Benutzer häufig rätseln, an welcher Stelle mit der Applikation interagiert werden kann („Wo kann ich drücken? Wo nicht?“). Microsoft ist allerdings nicht der einzige Hersteller, welcher diesen Ansatz wählt. Auch Apple und Google kommen mit ihren aktuellsten mobilen Betriebssystemen mehr und mehr weg vom klassischen Point&Click-Ansatz auf einem – meist gut erkennbaren – Objekt (üblicherweise in einer buttonähnlichen Form).

Flat-Design Ansatz

Dieser Stil, weitestgehend vom Swiss Style der 50er/60er Jahre abgeleitet, verfolgte ursprünglich 3 Ziele: Klarheit, Lesbarkeit, Objektivität. Einige schöne, auch zeitgenössische Beispiele sind in diesem Beitrag zu finden: http://www.smashingmagazine.com/2009/07/17/lessons-from-swiss-style-graphic-design/.  Gerade der Aspekt Lesbarkeit ist leider bei Windows 8 nicht ausreichend berücksichtigt. So werden sehr schmale Schrifttypen verwendet und die Farbwahl ist so ausgelegt, dass häufig sehr niedrige Kontrastwerte resultieren. Das entspricht jedoch einem allgemeinen Design-Trend, der auf vielen Webseiten und auch auf anderen, vor allem mobilen Betriebssystemen Einzug hält.

Fazit: Für mich, der Windows auf einem PC bzw. HTPC (Media Center Computer) einsetzt, bringt Windows 8 mit der neu gestalteten Oberfläche keinen Mehrwert. Oder besser gesagt, „noch“ keinen Mehrwert. Zusätzlich zu den ausgeführten Usability-Mängeln fehlt für mich noch die vollständige Integration meiner regelmässig verwendeten Applikationen, Tools sowie Systemeinstellungen. Die Realität sieht aber momentan so aus, dass man ständig zwischen 2 Welten wechselt, manchmal freiwillig, meist aber gezwungenermassen unfreiwillig.

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