Time, Budget und Innovation – dank agiler Systementwicklung

6 Februar 2018
| |

Eine bessere Planbarkeit, weniger Zeitverschwendung durch aufwändige Spezifikationen und eine enge Einbindung des Produktmanagements: Agile Methoden haben in den letzten Jahrzehnten die Softwareentwicklung auch in der Medizintechnik revolutioniert. In der Entwicklung von Medizinprodukten allerdings werden sie bislang kaum genutzt. Dabei sind Methoden wie die Continuous Integration auch für Medizintechnik perfekt geeignet und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Bei Zühlke nutzen wir sie schon seit einigen Jahren erfolgreich für die Entwicklung von Geräten, die als Medizinprodukte zugelassen werden. Eine Lösung für viele drängende Probleme in der Medizintechnik-Branche – vor allem wenn es um innovative Produkte geht, die unter Einhaltung von Budgets und Zeitvorgaben entwickelt werden müssen. Aber die Lösung ist keine einfache – denn es gibt Einiges zu beachten.

Eine gemeinsame Sprache für alle Gewerke

Bei Zühlke haben wir in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, agile Arbeitsweisen aus der reinen Softwareentwicklung auf die Entwicklung komplexer Medizinprodukte, die aus Embedded Software, Elektronik und Mechanik bestehen, zu übertragen. Wesentliche Voraussetzung einer effizienten agilen Systementwicklung ist eine funktionierende Kommunikation über alle Disziplinen. Dafür muss man sich auf die einheitliche Verwendung von Fachbegriffen einigen.

Der Begriff Prototyp ist ein gutes Beispiel. Während ein Softwareentwickler einen Prototyp jederzeit wegwerfen würde, da es für ihn ein sehr frühes Muster ist, ist ein Prototyp für einen Mechaniker das Ergebnis einer langen Entwicklung und hat schon seriennahe Qualität. Unsere Lösung ist ein gemeinsames Glossar mit den eindeutigen Begriffen „Software-Prototyp“ und „Geräteprototyp“. Erst eine solche gemeinsame Sprache reduziert Missverständnisse und ermöglicht eine disziplinübergreifende Kommunikation.

Der Systemintegrationsplan

In Anlehnung an den Release-Plan im Scrum haben wir einen System-Integrationsplan als zentrales Steuerelement der gemeinsamen agilen Systementwicklung eingeführt. Auf Basis von Systemanforderungen, beispielsweise in Form eines System-Backlogs, definiert das Team die Reihenfolge der Entwicklungsschritte. Im Anschluss wird festgelegt, zu welchen Zeitpunkten welche Versionen der Elektronik, Mechanik und Software zusammen funktionieren sollen. Auf diese Integrationspunkte muss jede Disziplin hinarbeiten.

Natürlich dürfen dabei neben vielem anderem die Infrastruktur-, Test- und Dokumentationsaktivitäten nicht vergessen werden. Hat sich das Team auf einen solchen System-Integrationsplan eingelassen, ist der Weg zu einer agilen Systementwicklung gut vorbereitet. Ausführlicher sind diese Aspekte im Blog Beitrag von Erik Steiner beschreiben.

Continuous System Integration statt Big Bang

Continuous Integration ist in der Softwareentwicklung eine bekannte und wichtige Methode, um die Risiken der Integration der Softwaremodule möglichst früh anzugehen und zu beherrschen. In einem Systemprojekt reicht es aber nicht aus, nur die Software intern kontinuierlich zu integrieren und die „fertige“ Software dann im Big Bang auf die Hardware und das fertige System zu integrieren. Selbst wenn alle Disziplinen für sich vorher sauber gearbeitet hätten, kämen dann viele Details hoch, die zu unplanbaren Schleifen führen können.
Wir dehnen die Continuous Integration auf alle Disziplinen aus. Die Integration der Software erfolgt zunächst auf Evalboard und so früh wie möglich auf der projektspezifischen Hardware. Sobald wie möglich erfolgt auch die Integration der mechatronischen Systeme mit dieser Hardware. So werden die Integrationshürden möglichst früh angegangen. Um Testkosten zu sparen, werden dabei viele Integrationsschritte automatisiert.

Zeit gewinnen durch frühes Scheitern

Je früher Probleme als solche erkannt werden, desto mehr Zeit bleibt, sie anzugehen. Dieses agile Prinzip haben wir durch die agile Systementwicklung auf die Entwicklung kompletter Medizinprodukte übertragen. Ausführlicher sind diese Aspekte im zweiten Blog Beitrag von Erik Steiner beschreiben.

Vorteile der Agilen Systementwicklung

Wo liegen die Vorteile der agilen Systementwicklung für die Medizintechnik? In der Software ermöglicht die agile Arbeitsweise, dass mit einem begrenzten Budget und in einer begrenzten Zeit eine Softwarelösung entstehen kann, die für den Auftraggeber den höchsten Nutzen hat. Wenn man die Prinzipien richtig anwendet, werden zunächst die wichtigsten Risiken adressiert und eine Architektur entwickelt, die den Anforderungen genügt. Danach werden die Features zuerst implementiert, die den höchsten Nutzen für den Auftraggeber haben. Das Produktmarketing kann durch die kontinuierlich entwickelten Zwischenstände die Entwicklung direkt miterleben und bei Bedarf sehr früh den Kurs korrigieren.
In der agilen Systementwicklung gelten dieselben Regeln. Damit stellt die agile Arbeitsweise auch hier sicher, dass das finanzielle Budget und die Entwicklungszeit optimal genutzt werden und das Produktmarketing deutlich besser einbezogen werden kann. Eine agile disziplinübergreifende Arbeitsweise verhindert zusätzlich, dass innerhalb einer Disziplin zu lange an einer Lösung gearbeitet wird, die in einer anderen Disziplin unnötige Probleme verursacht und so das Gesamtprojekt zurückwirft.

Fix Budget & fix Timeline

Die agile Systementwicklung stellt sicher, dass wir innerhalb einer fixen Zeit mit einem fixen Budget das beste Ergebnis erzielen. Aus unserer Sicht treffen wir damit den Nerv der Zeit – in der Medizintechnik aber auch in vielen anderen Bereichen. Startups haben feste Budgets und eine feste Timeline mit ihren Investoren vereinbart. Das Produktmarketing plant fixe Markteinführungstermine und fixe Entwicklungsbudgets für neue Produkte.
Die agile Arbeitsweise in der Systementwicklung ist unsere Antwort auf diese Herausforderungen. Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, kommen Sie gerne auf mich zu.

Kommentare (0)

×

Updates

Schreiben Sie sich jetzt ein für unsere zwei-wöchentlichen Updates per E-Mail.

This field is required
This field is required
This field is required

Mich interessiert

Select at least one category
You were signed up successfully.