Die Energie der Selbstorganisation

15 Dezember 2017
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Lesezeit: 4 Minutes

Beim TealCamp 2017 tauschten über hundert Menschen Ideen und Erfahrungen aus, wie Organisationen in der neuen Arbeitswelt aussehen können: Selbstorganisiert, ganzheitlich, und einem übergeordneten Zweck dienend. Zühlke sponserte das Event zum zweiten Mal. Was bedeutet dieses Thema für den Innovationsdienstleister?

Cornelia trommelt. Zum minutenlangen rhythmischen Schlagen kehren die Teilnehmer des TealCamp zurück in den grossen Saal der Konzepthalle 6 in Thun. Schnell bilden die über hundert Personen eigenständig elf kleine Gruppen und arbeiten an selbst gewählten Themen: Wie müssen Unternehmen funktionieren, damit sie auch für unsere Enkel Wert schaffen, statt eine ruinierte Welt zu hinterlassen? Was bedeutet Ganzheitlichkeit für die Entscheidungsmethoden politischer Systeme? Welche Softwareprodukte erleichtern holokratischen Teams die Koordination?

Nora aus Rumänien erzählt einer Gruppe von dem Vorgehen, mit dem sie einem Unternehmen mit 17’000 Mitarbeitern geholfen hat, die Kraft der Selbstorganisation zu entfesseln – ohne Reorganisation, ohne aufwändiges Change Management, ohne Beraterheer. Die Runde ist gefesselt, stellt Fragen, diskutiert, nickt zustimmend. Darunter: Finn, ein selbständiger Berater aus Dänemark, der Pharmafirmen hilft, innovativer zu werden. Phil aus London arbeitet bei einer NGO zur Verbesserung der Bildungschancen sozial benachteiligter Kinder auf der ganzen Welt. Ein Kirchenmitarbeiter sucht unter anderem nach organisatorischen Lösungen, weil Pfarreien aufgrund des Priestermangels immer grösser werden. Ivo, Geschäftsführer und Partner einer Schweizer Webagentur hat alle Kompetenzen an seine 250 Mitarbeitenden übergeben.

Organisations at the edge

Die Teilnehmer trafen sich vergangenen Freitag und Samstag zum TealCamp 2017, einer «Unkonferenz» im BarCamp-Format. Die unentgeltlich arbeitenden Organisatoren stellen den Rahmen zur Verfügung und haben die Infrastruktur vorbereitet; alle Inhalte und die Moderation der einzelnen Sessions werden von den Teilnehmern spontan selbst organisiert, jeder beteiligt sich. Die Hallen vibrieren von der Energie von Menschen aus allen Branchen, beruflichen Disziplinen und Altersgruppen. Grauhaarige Manager treffen auf Digital Natives, die sich als «Professional Hippie» bezeichnen. Was alle verbindet: Die Einsicht, dass konventionelle Mittel zur Organisation in einer immer komplexeren, schnelleren Welt nicht mehr ausreichen. Sie begeistern sich dafür, Arbeit wirksamer, flexibler, transparenter zu machen und sie so zu gestalten, dass sie allen – Kunden, Mitarbeitern, Partnern, der Gesellschaft, der Umwelt – mehr Nutzen stiftet. Und mehr und mehr von ihnen kennen nicht nur die theoretischen Ansätze und Methoden, sondern erleben diese neue Arbeitswelt als Alltag. Zwischen den Sessions berichten einige von den Höhen und Tiefen dieser Wandlung in der Organisation und bei ihnen selber, erzählen auch von persönlichen Schwierigkeiten und kraftgebenden Momenten. Tiefgehende Analysen wechseln sich mit Momenten der Rührung ab. Wer diese vertrauensvolle und zugewandte Atmosphäre und die gleichzeitig entspannte wie fokussierte Arbeit miterlebt, bekommt einen Eindruck in die Möglichkeiten, wenn eine solche Energie und Ergebnisorientierung Alltag wäre.

Hauptsponsor des TealCamp: Zühlke.

Zühlke ermöglicht schon das zweite Jahr in Folge das TealCamp als Sponsor. Das mag manche überraschen, denn: Der Engineering-Dienstleister ist kein Teal-Vorreiter, sondern im Moment ganz traditionell organisiert, mit Verwaltungsrat, Managern und Abteilungen mit Bezeichnungen wie «Human Resources» oder «Finance & Controlling». Es gibt Jahresbudgets, Zeiterfassung, Controlling, … keine selbstorganisierten Kreise, keine freie Gehaltswahl und auch ein Bekenntnis zur Ganzheitlichkeit sucht man vergeblich. Der fast fünzigjährige Engineering-Dienstleister sponsert sonst Events wie das Swiss Economic Forum, das Alpensymposium oder die Veranstaltungen des asut.

Was hat Zühlke mit Teal zu tun?

Seien wir ganz offen: Ein Unternehmen wie Zühlke ist nicht auf die Verbesserung der (Arbeits-)Welt zum Selbstzweck ausgerichtet. Zühlke fördert Nachdenken über «Teal» in der Schweiz in erster Linie aus eigenem Interesse. Fragen, wie sie beim TealCamp gestellt werden und die Möglichkeiten, die sich dort aufzeigen, gehen gerade auch uns an:

  • Als Innovationsdienstleister und Spezialist in der Produktentwicklung ist Zühlke mit agilen Methoden und Prinzipien wie Scrum, Kanban, SAFe oder LeSS vertraut. Entwicklungsprozesse finden aber nicht isoliert statt. Sie dienen der Wertschöpfung des ganzen Unternehmens und geschehen an der Schnittstelle zum operativen Business. Viele Unternehmen haben damit noch Mühe, doch es lohnt sich: Verbesserungen in der Produktentwicklung dank leaner und agiler Methoden haben den vielfachen Effekt, wenn auch die Mitarbeitenden im Kernbusiness sich schneller und zielgerichteter selbst organisieren können. Dazu muss man die ganze Organisation als System verstehen – und die kontinuierliche Selbstverbesserung dieses Systems zulassen.
  • «Innovation braucht unternehmerische Weitsicht und den Mut, Grenzen zu verschieben und Neuland zu betreten.», davon ist man bei Zühlke überzeugt. Gute Ideen zu erkennen und umzusetzen, ist entscheidend für uns und unsere Kunden. Teal-Organisationen überprüfen ihre Praktiken kontinuierlich, passen sie an und agieren viel dynamischer und effektiver als konventionell organisierte Unternehmen. Darum ist es für Zühlke essenziell, aktuelle und zukünftige Prinzipien und Methoden früh zu kennen und aus der Vielzahl an Werkzeugen die für den aktuellen Kontext des Kunden bestgeeigneten auszuwählen.
  • Um als Arbeitgeber für talentierte, engagierte Menschen attraktiv zu sein, muss sich auch Zühlke kontinuierlich entwickeln. Mit dem selbst verwalteten Ausbildungsbudget zeigt Zühlke, was möglich ist und wie sehr es sich lohnt, den Mitarbeitenden die Möglichkeit zur selbstbestimmten Entwicklung zu geben. Für viele Angehörige der Generationen Y und Z sind Selbstbestimmung, Wirksamkeit und Ganzheitlichkeit kein hehres Ideal, sondern eine konkrete Erwartung. Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie weit ein Arbeitgeber dies zulassen will, ist darum keine Modeerscheinung, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels der Arbeitswelt. Kein Unternehmen in der Technologiebranche kann es sich leisten, davor die Augen zu verschliessen.

Schliessen solche Partikularinteressen einen kollektiven Nutzen aus? Nein. Verbesserung von Organisation ist kein Nullsummenspiel. Die Kunden von Zühlke müssen in einer immer komplexeren Welt bestehen und die Frage der Veränderung ist für sie kein «Ob», sondern ein «Wie». Unsere Aufgabe ist es, mit ihnen darüber nachzudenken. Umso schöner ist es, wenn dabei die Arbeitswelt insgesamt menschlicher und nachhaltiger wird.

Was bedeutet für Sie die neue Arbeitswelt? Mit welchen organisatorischen Fragen setzen Sie sich auseinander? Welche Schritte haben Sie zuletzt gewagt? Teilen Sie uns Ihre Gedanken gerne in den Kommentaren mit.

Agile Coach and Consultant

Johannes Kling

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