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Siri: „Deine Lieblingspizza ist in der anderen Pizzeria 20 Prozent günstiger“

16 March 2017
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Was für ein Glück, mit fünf meiner UX Kollegen zum Branchentreffen der Interaction Designer nach New York reisen zu dürfen! Hier meine gesammelten Eindrücke von der zehnten IxD:

Per Fussmarsch an die spannendsten Vorträge

Natürlich ist New York City ein Magnet. Die Stadt, die niemals schläft, bietet ein grossartiges Ambiente. Damit die Interaction-Teilnehmenden auch etwas davon zu Gesicht bekommen, entschliesst sich der Veranstalter, das Programm über drei Veranstaltungsräume zu verteilen.

Im Metropolitan Pavillon in der 18th Street finden die morgendlichen Keynotes, die Ausstellung und die Podiumsdiskussionen statt. In der 23rd Street in einem Kino mit zwei Sälen gibt’s die spannenden Vorträge. Im FIT-Haft-Auditorium in der 27th Street sind die Vorlesungen und Praxisberichte angesetzt. Der aufmerksame Leser merkt schnell, dass dies nur mit einigen Gewaltsmärschen zu bewerkstelligen ist, insbesondere, wenn man wie ich als Rosinenpicker die besten Vorträge hören will.

Allein die Möglichkeit in dieser Stadt zu weilen, trieb vermutlich die Teilnehmerzahlen massiv in die Höhe. Insgesamt nehmen weit über 1000 Personen an der Interaction 2017 teil.

UX Happy Hour at Google New York

Google New York

Dies führt dazu, dass der Metropolitan Pavillon rasch einmal überfüllt ist. Zu den Keynotes gibt es nicht genügend Sitzplätze. Folglich muss man längere Zeit stehend verbringen. Aufgrund der grösseren Distanzen zwischen den Veranstaltungsorten schafft man es teilweise nicht pünktlich zum Vortrag. Teilweise muss der kleinste Vortragssaal im Kino wegen Überfüllung geschlossen werden, was wiederum zu Unmut führt. So nutzt man die unerwartete Freizeit, um mit Berufskollegen über den letzten gehörten Vortrag zu diskutieren oder sich über Probleme auszutauschen. Die Sponsoren offerieren an den Abenden Open Office. Auf diese Weise können wir die Büros von Google New York und Reaktor besuchen. Eine wirklich schöne Sache, um mit Mitarbeitern interessante Gespräche zu führen.

 

Sehr interessant: Sketching in VR

Sketching in VR

Sketching in VR

Bereits am Samstag beginnt die Konferenz mit dem Summit, die Projektteams und Studenten die Gelegenheit gibt, sich in einer Art Wettbewerb während der ixD17 ihre Arbeiten vorzustellen. In verschiedenen Kategorien (Connecting – Disrupting – Empowering – Engaging – Expressing – Optimizing) werden Preise zu gewinnen sein. Eine Shortlist der Teilnehmenden wird eingeladen, sich zu präsentieren und ihre Arbeiten vorzustellen. Am Sonntag finden Workshops statt. Auf diese Weise wird ermöglicht, sich in neue Methoden einzuarbeiten und sich mit spezifischen Themen auseinanderzusetzen.

Was für mich sehr interessant ist, ist das Sketching in VR. IBM stellt ein Prototyping-Tool für Sketching vor. Auf diese Weise ist es möglich, die Zeichnungen im Space so zu platzieren, dass mittels 360-Grad-Kameras die Zeichnungen im Raum wahrgenommen werden. Dies ist eine Lösung, die ich gern für zukünftige Projekte in mein Repertoire aufnehmen werde.

 

Wann beginnt eine echte Konversation mit unseren Geräten?

Die Qualität der Vorlesungen hängt wie immer von den Vortragenden ab. Nach den einführenden Keynotes, wie wichtig Design im Allgemeinen ist und wie lange schon an AR gearbeitet wird, werden die Präsentationen etwas konkreter. Gary Hustwit informierte uns über seine Arbeit, sein VR-Filmstudio, um Nachrichten erlebbar zu machen. Auch Brad Crane und Jon Mann berichten von ihren Erfahrungen mit immersiven Designs. Ein Highlight ist die Vorlesung von Paul Pangaroo. Er ist nicht nur sehr unterhaltsam und informativ, sondern vermittelt auch einiges fundiertes Knowhow. Was ist eine Konversation? Ab wann kann von Konversationen gesprochen werden? Kann man mit Geräten kommunizieren?

Konversationen mit Geräten

Konversationen: Kann man mit Geräten kommunizieren?

Sein Ausblick hinsichtlich künstlicher Intelligenz und Spracherkennung macht schnell klar: Wir werden in Zukunft mit unseren Geräten über die Sprache kommunizieren. Dabei geht es eben nicht nur um die Ausführung von Befehlen. Nein, es geht vielmehr um adäquate Antworten und Rückfragen. Auf „Siri – rufe die Pizzeria La Stella an“ wird zukünftig folgende Antwort kommen: „Im La Strega ist deine am meisten bestellte Pizza Hawaii aber 20 Prozent günstiger. Soll ich lieber dort bestellen?“.

Weiter geht es für mich mit dem HCID Paradoxum von Thomas Wendt. Er zeigt ganz klar auf, dass gute UX noch lange nicht gewährleistet ist, wenn HCID in der Lösungssuche beteiligt ist. James Auger hingegen klärt uns über Re-constrained Design auf. Spannend ist es, seinem Bestreben und seiner Suche nach energieunabhängigen Lösungen zu folgen. Weiter geht es mit einem spannenden Vortrag über Design jenseits des Screens. Eric Mika und John Ryan führen uns wieder in den virtuellen Raum. Ein kleiner Break, getarnt als Happy Hour führt uns zu den Spark Talks und der abschliessenden Keynote. Der Abend endet im Open Office von Google.

Problem-Solution Paradox

Problem-Solution Paradox

 

Was ist wichtiger: Design oder UX?

Der zweite Tag ist wesentlich designlastiger. Dies spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Teilnehmenden und in den Diskussionen, welcher Tag den nun der interessantere ist. Es gibt tendenziell zwei Lager: Tag 1 oder Tag 2. Dazwischen bleibt kein Spielraum. Für mich als UX Researcher ist es ziemlich hart zu hören, was die Visual Designer mehrfach aussprechen: Design sorgt für positive Emotionen und daher ist UX gar nicht so wichtig, da man mit einem guten Design alles verkaufen kann. So gehöre auch ich zur Gruppe derer, die Tag 1 favorisieren. Als Auftrag nehme ich mit, dass unser Berufsstand noch stärker öffentlichkeitswirksam werden muss, um über die Wichtigkeit der Forschung mit den Endanwendern aufzuklären.

Mein absoluter Höhepunkt ist ein Erfahrungsbericht von Katie McCurdy und Jeremy Beaudry. Diese beiden UX Designer sind im Medical Center der Universität von Vermont angestellt, um Usability und ihre Methoden im Umfeld des Spitals einzuführen. Der Vortrag „Be like Water“ hat mich total begeistert und soll in einem separaten Blogartikel unter die Lupe genommen werden.

UX Design in unterschiedlichen Kulturen

Welchen Einfluss haben kulturelle Faktoren auf das UX Design? Wer meint, die Frage mit einem erheblichen Einfluss beantworten zu können, täuscht sich gewaltig. Nur wer die Frage im Detail beantworten kann, wird diese Unterschiede überwinden können. Erfahrungsberichte aus China, Japan und Afrika enden in belebenden Diskussionen und runden das Programm ab.

Jay Harlow spricht über die Erfahrungen mit dem Zahlsystem Perka, das mit dem hier bekannten „TWINT“ vergleichbar ist. Mit dem spannenden Titel „Diese Karte brauchen sie nicht!“ zeigt er die Schwierigkeiten in kontextlosen Automatismen auf. Auf einen Kauf sollte immer eine Interaction folgen, dass es nicht zu unnötigen Supportfällen kommt. Interessant ist der Ansatz, vermehrt den Verkäufer direkt einzubinden. So bestätigt der Kunde nur noch, dass er im Geschäft ist, der Verkäufer, dass sein Gegenüber sich identifiziert hat und der Kauf kann bargeldlos von statten gehen. Wie Bots unser Home auf smarte Weise bereichern, zeigt uns Kevin Gaunt.

Fazit!

Welch anstrengende, aber absolut bereichernde Tage an der Interaction 2017: mit so vielen kompetenten Berufskollegen und so vielen Inputs und Ideen, die ich selber anwenden möchte. Auch wenn es organisatorisch noch Potenzial nach oben gibt, ist der Kongress für mich eine wirkliche Bereicherung meiner Arbeit gewesen. Bereits heute freue ich mich auf die IxD18, die nicht mehr ganz so weit weg stattfinden wird, nämlich in Lyon.

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