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Scaled Agile Framework

SAFe – agile Schatztruhe oder Ballast?

27 April 2017
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Lesezeit: 4 Minutes

Swisscom, die SIX Group, Finnova, Digitec Galaxus, die Mobiliar und viele weitere setzen das Scaled Agile Framework (SAFe) ein. Die Nachfrage nach Weiterbildung und Beratung zur Skalierung von Agilität ist gross. Entsprechend fanden sich Ende März im Kurs «Implementing SAFe: SAFe 4.0 Program Consultant (SPC) Certification» bei Zühlke Vertreter namhafter Firmen ein, die sich für SAFe interessieren oder mitten in der agilen Transformation sind. Doch nicht alle Erwartungen an das Framework erfüllen sich.

Noch vor einigen Wochen hatte ich grosse Vorbehalte gegenüber SAFe. Das Modell erschien mir unnötig komplex, schwer vermittelbar, unzureichend und einiges widersprach meinem Verständnis agiler Prinzipien. Kurz: Mir erschien SAFe wie methodischer Ballast.

Im Kurs «Implementing SAFe» habe ich mit Hilfe von Thorsten Janning von KEGON und Arnaud L’Hôte von Zühlke einen wesentlich positiveren Zugang zu SAFe entwickelt – gerade weil beide Trainer Kritik am Framework offen begegneten und auf die Beschränkungen eingingen.

Um die Frage aus dem Titel zu beantworten: Inzwischen sehe ich SAFe nicht mehr als Ballast, sondern als eine Schatztruhe erprobter Muster (aus der Welt der Agilität, Lean Production, aber auch traditioneller Vorgehensweisen wie dem RUP), die in einen logischen Zusammenhang geordnet sind.

Ist SAFe über Kritik erhaben? Sicher nicht. Auf drei Punkte möchte ich besonders eingehen und meine Einschätzung gegenüberstellen:

«Unser Unternehmen wird mit SAFe nicht besser (profitabler, kundenorientierter, innovativer, … ).»

Diese Einschätzung beruht oft auf einem grundsätzlichen Missverständnis: dass SAFe massgeblich auf die Verbesserung des operativen Business abzielt. SAFe ist ein Framework zur Produktentwicklung. Dies kann leicht übersehen werden. Beispielsweise, weil SAFe eine organisatorische Transformation auf mehreren Ebenen zugrunde legt – vom Entwicklungsteam bis zur Geschäftsleitung. Weil es von «Value Streams» spricht, doch gemeint sind fast immer «Development Value Streams» – nicht operationelle Wertschöpfungsketten. Weil SAFe selber «dramatische Anstiege beim Mitarbeiter-Engagement, bessere Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplätze mit mehr Produktivität, Inspiration und Spass» verspricht. Und natürlich, weil heutzutage die (IT-) Produktentwicklung Basis für das Kerngeschäft fast aller Unternehmen ist.

Aber: Die Produktentwicklung ist eben selten das Kerngeschäft an sich. Bei der Begeisterung für vermeintlich einfache Lösungen (wie beispielsweise die «Agile Transformation») wird dieser Umstand leicht ignoriert und falsche Erwartungen werden geweckt.

Eine agile Produktentwicklung macht grundsätzliche Probleme des Unternehmens oft offensichtlicher. Und möglicherweise strahlt die Verbesserung in der Entwicklung auch vereinzelt positiv in operative Bereiche aus. SAFe kann, richtig eingesetzt, ein äusserst wertvolles Werkzeug sein. Aber dazu müssen wir die Erwartungen auch realistisch halten und uns bewusst sein, dass es mehr als SAFe braucht, um Probleme im operativen Geschäft und im Gesamtsystem zu lösen.

«SAFe ist unnötig komplex.»

Für mich ist diese Kritik nachvollziehbar. Die SAFe-Nomenklatur ist leider sehr uneinheitlich. Die Bedeutung einzelner Begriffe (vom «Product Management» über «Value Stream» bis hin zum «PMO») widerspricht anderen, etablierten Modellen. Und der «Tailoring-down»-Ansatz macht Expertenkenntnis des ganzen Modells nötig, um überhaupt festzustellen, was man im individuellen Fall weglassen kann und was nicht.

Selbst bei Basis-Kursen wie «Leading SAFe» und der einfachsten Zertifizierung als «Certified SAFe Agilist (SA)» wird Kenntnis aller vier Ebenen vorausgesetzt – dabei ist die «Value Stream»-Ebene nur für einen kleinen Teil sehr grosser Unternehmen tatsächlich jemals relevant.

Das alles lenkt viel Energie aller Beteiligten auf die Beschäftigung mit den Methoden und Prozessen – widersprüchlich bei einem Vorgehen, das sich als agil begreift. Ich bin der Meinung, dass SAFe sich didaktisch noch verbessern kann und muss, um die Hürde zum Einsatz niedriger zu setzen.

«Eine skalierte agile Organisation sollte auf voneinander unabhängige Teams setzen. Mit der Zementierung von Abhängigkeiten zwischen den Teams geht SAFe den falschen Weg.»

Dem Ansatz möglichst autonomer Teams, die eigenständig Lösungen end-to-end umsetzen können, folgt beispielsweise das vielzitierte «Spotify Modell». Den Anspruch verstehe ich gut und er ist aus agiler Sicht eingängig. Für die Realität vieler Organisationen greift er aber zu kurz. Unternehmen haben sich oft über Jahre und Jahrzehnte sehr traditionell entwickelt. Ihre Teams müssen beispielsweise mit vielen Abhängigkeiten zu Legacy-Systemen umgehen. Die Schaffung von komplett autonomen Teams von heute auf morgen ist einfach nicht vorstellbar. Sehr komplexe Lösungen lassen sich oft nicht einfach auseinandernehmen.

Dem Ansatz von SAFe «Nothing beats an Agile Team except a Team of Agile Teams» sehe ich nicht als universelle Wahrheit. Aber in vielen Fällen ist das «Team of Agile Teams» Mittel der Wahl oder zumindest ein notwendiges Übel. Wichtig erscheint mir dabei, SAFe nicht als perfektes Zielbild misszuverstehen. Die mögliche Reduktion von Abhängigkeiten sollte kontinuierlich vorangetrieben und das Framework selber regelmässig auf seine Eignung für die jeweilige Organisation überprüft und angepasst werden.

Keine Blaupause

Frameworks sind keine Blaupausen, die man nur auf Unternehmen legen muss und der Erfolg ist sicher. SAFe macht hier keine Ausnahme. Wie anfänglich gesagt, ist SAFe eine Schatztruhe. Doch der Weg zur Bergung sieht für jede Organisation anders aus, ist harte Arbeit und nicht ohne Risiko. Nicht bei jedem Element von SAFe ist der Wert für jeden sofort erkennbar. Manches kann man nach erster Prüfung auch getrost als Ballast zurücklassen – um vielleicht zu einem späteren Moment darauf zurück zu kommen.

Welche Herausforderungen haben Sie in Bezug auf die Skalierung von Agilität? Und: Wie sehen Sie die Eignung von SAFe für Ihre Organisation?

Möchten Sie mehr zu SAFe erfahren? Besuchen Sie unsere Kurse zum Thema:

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