Virtual Reality

Praxistest – Was kann das Microsoft Immersive Headset?

Seit einiger Zeit befinden sich die neuen, von Microsoft entwickelten, „Immersive Headsets“ auf dem Markt. Unser Team hat sich mit diesen Geräten beschäftigt und sie ausgiebig getestet.
Im folgenden Artikel möchten wir unsere Erfahrungen teilen. Insbesondere interessierten uns dabei auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Microsoft HoloLens, einem Gerät, das wir zuvor schon bei diversen Projekten eingesetzt haben.

Was ist ein „Immersive Headset“?

Bei dem „Immersive Headset“ handelt sich um ein Head Mounted Display – also ein Gerät, das man auf dem Kopf trägt, und das in Form zweier kleiner Bildschirme direkt vor den Augen des Benutzers eine vom Computer generierte Umgebung anzeigt.

Mircrosoft Immersive Headset & Motion Controller

Mircrosoft Immersive Headset & Motion Controllers

Die Ausgabe der 3D-Welten ist stereoskopisch, das bedeutet, es wird für jedes Auge ein separates Bild generiert. Man sieht dadurch die virtuelle Umgebung räumlich, also dreidimensional.
Das Headset ist „immersiv“ in dem Sinne, dass der Benutzer sich vollkommen in einer virtuellen Umgebung befindet und von der realen Welt weitgehend abgeschottet ist. Darin unterscheidet sich dieses Headset von der HoloLens. Es ist ein Virtual Reality Headset, ist also vergleichbar mit Oculus Rift oder HTC Vive. Als „Virtual Reality“ bezeichnet man vom Computer generierte, virtuelle Realitäten bzw. 3D-Welten.

Das Design und die Technik für diese Headsets wurde von Microsoft entwickelt. Die Geräte selbst werden jedoch nicht von Microsoft hergestellt, sondern von Lizenznehmern. Das sind z.B. Dell, Lenovo, Samsung, HP, Acer und Asus. Die Geräte werden seit Oktober 2017 für einen Preis unterhalb 500 Euro verkauft. Uns lag für unseren Test ein Gerät von Acer vor.

Technik

Das Headset beinhaltet spezielle patentgeschützte Hardware-Technologie von Microsoft. Dabei handelt es sich um Sensoren, welche in der Brille verbaut sind und mit denen die Umgebung des Benutzers abgetastet wird. Dieselben Sensoren werden auch in der HoloLens und der Kinect verwendet.

Dieses Verfahren nennt sich „Inside Out Tracking“ und dient zur Positionsbestimmung im Raum. Das Headset kann erkennen, wo es sich befindet, ohne dabei auf externe Sensoren angewiesen zu sein (wie dies bei HTC Vive und Oculus Rift der Fall ist). Dies vereinfacht die Einrichtung, da keine derartigen Sensoren in der Umgebung aufgestellt oder befestigt werden müssen. Mithilfe dieses Verfahrens kann das Gerät auch Objekte aus der realen Welt bei der Generierung der virtuellen Umgebung berücksichtigen. Beispielweise kann das Gerät Schreibtisch und Wände erkennen, und dem Benutzer den Standort anzeigen. Dies bezeichnet man als „Mixed Reality“, also die Vermischung von realer und virtueller Welt. Das Headset wird in Verbindung mit einem PC oder Laptop, welches Windows 10 als Betriebssystem nutzt, betrieben.

Einrichtung des Microsoft Immersive Headsets

Das Gerät wird über USB und HDMI an den PC angeschlossen. Der PC muss eine leistungsstarke Grafikkarte aufweisen – Microsoft empfiehlt mindestens eine NVidia GeForce 1070. Für unseren Test haben wir eine GeForce 1050 verwendet, was ohne merkliche Einschränkungen funktionierte. Für die Einrichtung liefert Microsoft eine spezielle App mit. Diese führt den Benutzer Schritt für Schritt durch den Vorgang und ist sehr einfach und unkompliziert zu bedienen.

Setup des Microsoft Immersive Headsets

Die Software „Mixed Reality Portal“ startet automatisch beim Anschließen des Headsets. Das Gerät von Acer beinhaltet keine Lautsprecher oder Mikrofon. Man kann es jedoch problemlos mit einem herkömmlichen Audio-Headset kombinieren. Eine Gestensteuerung, wie bei der HoloLens, gibt es (derzeit) nicht.  Sprachsteuerung via Microsoft Cortana ist vorhanden, vorausgesetzt man hat ein Mikrofon. Cortana ist eine Computer-KI und funktioniert ähnlich wie das bekannte „Siri“ von Apple oder die „Alexa“ von Amazon.

Erste Eindrücke

Die Grafikqualität ist vergleichbar mit anderen VR-Headsets wie HTC Vive oder Oculus Rift, also ziemlich gut. Die Justage am Kopf ist sehr simpel und besteht nur aus einem einfachen Gurt. Das Headset ist weniger aufwändig verarbeitet und viel leichter als andere Headsets, insbesondere auch leichter als eine HoloLens. Es wirkt dafür weniger wertig, was aber völlig OK ist, wenn man den Preis bedenkt. Im Gegenteil: das geringe Gewicht ist sogar beim Tragen sehr angenehm.

Die Anwendung mit der „House on a Cliff“ Demo

Microsoft liefert eine spezielle Demo-App mit dem Headset aus, genannt „Cliff House“ oder auch „Mixed Reality Home“. Bei dieser Demo befindet man sich in einem schön gestalteten, modernen (virtuellen) Haus. Das Haus ist nach allen Seiten sehr offen und man sieht Wälder, Berge, den Himmel und das Meer.

spezielle Demo-App mit dem Headset aus, genannt „Cliff House“

In dieser Umgebung kann man sich bewegen und das Haus erforschen. Man kann auch Objekte anfassen und bewegen. Das ist recht intuitiv und man findet sich schnell zurecht.
Innerhalb der 3D-Umgebung sind verschiedene Windows Apps in Form von „schwebenden Fenstern“ vorhanden. So finden sich hier z.B. der Webbrowser Edge oder die Xbox-App. Man kann diese Fenster im Raum verschieben, skalieren, und auch an die Wände heften als wären es Bilderrahmen.

Motion Controller

Microsoft bietet spezielle Motion Controller an, die zusätzlich zum Headset für circa 100 EUR erworben werden können. Die Controller werden per Bluetooth mit dem PC verbunden. Das Headset bestimmt sodann mithilfe des „Inside Out Tracking“ (siehe oben) die Position der Controller im Raum.

Hat man die Motion Tracker in der Hand, dann erkennt der Computer die genaue Position und Ausrichtung der Hände des Benutzers im Raum. Die Motion Controller werden als Objekte innerhalb der VR Welt angezeigt, so dass man sie vor sich sieht als wären sie Teil der VR Welt. Das ist sehr intuitiv, da man immer genau weiß, wo sich die Controller befinden, auch wenn man sie einmal ablegt.

Die Controller sind sehr präzise. Man kann damit auf Gegenstände deuten und Dinge im 3D-Raum bewegen. Es sind mehrere Knöpfe sowie ein Joystick vorhanden, die man für allerlei Interaktionen verwenden kann. So kann man Gegenstände hochheben, App-Fenster verschieben und schließen, sich von Raum zu Raum bewegen und vieles mehr.

Fazit

Das Microsoft Immersive Headset ist sehr angenehm zu benutzen und das Preis-/Leistungsverhältnis hat uns uneingeschränkt überzeugt. Die Motion Controller sind sehr leicht und präzise. Sie liegen gut in der Hand. Insbesondere hat uns überrascht, wie angenehm es ist, sitzend am PC mit diesem Headset zu arbeiten. Die Steuerung ist sehr präzise; man kann Objekte sehr exakt anwählen und bewegen. Dadurch, dass man im Sitzen arbeitet, ermüdet man nicht so schnell und längere Sitzungen sind problemlos möglich. Das geringe Gewicht des Headsets ist dem sehr zuträglich. Dadurch, dass das Headset vom PC mit Strom versorgt wird, hat man auch keine Probleme mit Akkulaufzeit. Wenn man sitzend am PC arbeitet, stört auch das Anschlusskabel nicht.

Die Bildwiederholrate ist sehr gut. Dadurch traten bei uns keine Probleme mit Motion Sickness auf. (Motion Sickness bezeichnet im weiteren Sinne „Seekrankheit“ und kann auftreten, wenn das Auge etwas sieht, das der Gleichgewichtssinn nicht spürt. Ein verbreitetes Phänomen bei Virtual Reality.) Alles in allem: ein Gerät mit dem man ideal sitzend am PC oder Laptop arbeiten kann, z.B. am ganz normalen Büroarbeitsplatz, auch über längere Zeit. Das ist ein völlig anderer Use Case als z.B. bei der HoloLens, wo man eher im Stehen arbeitet und wo meist nach einiger Zeit Ermüdungserscheinungen auftreten.

Nach diesen Erfahrungen, sind wir vom Potenzial dieses Geräts überzeugt. Insbesondere können wir uns vorstellen, dass sich die Art Headset sehr gut als Arbeitsgerät im Büroalltag verwenden lässt. Sitzend am PC im virtuellen Raum zu arbeiten, macht Spaß und ist durchaus produktiv. Es eröffnen sich ganz neue Anwendungsmöglichkeiten. Der technologische Ansatz ist sehr smart. Durch die Verwendung von Inside-Out-Tracking und den Anschluss an einen herkömmlichen PC, sind diese Headsets sehr kostengünstig in der Herstellung und sehr einfach in der Installation. Einfach am PC oder Laptop einstecken – läuft. Wir können uns daher vorstellen, dass Microsoft mit dieser Technologie den Sprung in den Massenmarkt schafft und das Device eine weite Verbreitung finden wird. Es könnte sich zu einem regelrechten „Game Changer“ im Bereich VR entwickeln.

Ausblick

VR-Technologie wird bereits bei vielen Unternehmen in unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Aufgrund der hohen Kosten und der Komplexität, war es jedoch bislang eher eine Nischentechnologie. Microsoft ist mit seiner Mixed-Reality-Initiative dabei, dies zu ändern und legt dabei ein hohes Tempo vor. Den Schachzug, alle namhaften Hardware-Hersteller als Partner mit an Bord zu holen, verspricht einen gesunden Wettbewerb. Es ist damit zu rechnen, dass die Preise für diese Headsets in absehbarer Zeit sinken, und neue Headsets mit verbesserten Eigenschaften auf den Markt gelangen werden.

Wie kann Ihr Unternehmen von diesem Trend profitieren? Wie kann Virtual Reality in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden? Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich für Ihr Geschäft und Ihre Organisation? Sprechen Sie uns an, um mögliche Anwendungsfälle zu erörtern! Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

In Bälde werden wir Teil 2 dieses Artikels veröffentlichen. Dort möchten wir auf mögliche Use Cases eingehen, und welches Potenzial wir beim Einsatz von VR-Technologie in einem industriellen Umfeld sehen.

Expert Software Engineer

Gustaf Stechmann

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