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The Future of Industry

Mixed Reality als Insellösung? You are doing it wrong!

27 März 2019
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Lesezeit: 3 Minutes

Wird mit MR-Brillen die Zukunft durch die sprichwörtliche rosarote Brille betrachtet? Keineswegs! Mixed-Reality-Lösungen werden die Industrie verändern – doch dafür müssen Unternehmen umdenken und anfangen, ihre Prozesse zu digitalisieren.

Emotionalere Verkaufserlebnisse, effizientere Serviceprozesse und neue Wege der intuitiven Weitergabe von Know-how – nur drei Beispiele, welche Möglichkeiten Mixed Reality für Unternehmen bietet. Die gerade auf dem Mobile Word Congress vorgestellte Microsoft HoloLens 2 zeigt die enormen Fortschritte in der Hardware-Entwicklung insbesondere bei viel kritisierten Punkten wie Tragekomfort, Sichtfeld sowie Bedienbarkeit und welches Potenzial diese Technologie für die Industrie bietet. Auch im Consumer-Bereich könnte die Technologie durch neue Services wie Microsofts Azure Spatial Anchors oder Devices wie die Magic Leap One einen Boom erleben.

Hier fällt jedoch eines auf: Was uns bislang auf Messen, Kongressen und schicken Youtube-Videos aus dem Bereich Mixed Reality begegnet, sind vor allem Prototypen und Proof of Concepts. Die wenigsten davon schaffen tatsächlich den Sprung in die tatsächliche Umsetzung. Die Gründe: Die meisten Unternehmen beschränken sich darauf, Erfahrungen mit Mixed Reality zu sammeln und setzen ihren Fokus bei der Betrachtung des Business Cases zu klein.

Integration in die Geschäftsprozesse

Dabei ist genau das der entscheidende Punkt, denn bei Insellösungen kommt das volle Potenzial von Mixed Reality nicht zum Tragen. Was viele Unternehmen unterschätzen: Das größte Potenzial von Mixed-Reality-Lösungen entsteht, wenn sie in komplette Geschäftsprozesse integriert sind und sie nicht isoliert stattfinden.

Ein Beispiel ist HoloLinc®, ein digitalisierter Sales Prozess für Treppenlifte, den thyssenkrupp Elevator, Microsoft und Zühlke im vergangenen Oktober in Essen vorgestellt haben. Hier tragen Mixed Reality, klassische Enterprise-Entwicklung durch Azure-Backend und -Anbindung und mobile Entwicklung zu je einem guten Drittel bei.

Microsoft HoloLens als Messinstrument

Die Microsoft HoloLens dient nicht nur dazu, dem Kunden den zukünftigen Treppenlift zu visualisieren, sondern sie wird auch als Messinstrument eingesetzt. Dadurch kann thyssenkrupp Elevator seinen Kunden nicht nur viel besser erlebbar machen, wie der neue Treppenlift bei ihnen aussehen wird. Seine Sales-Mitarbeiter sparen auch viel Zeit beim Ausmessen der Treppe. So weit die Vorteile durch Mixed Reality.

Doch der eigentliche Clou von HoloLinc® ist: Das Ausmessen der Treppe und die Konfiguration des Lifts mit Hilfe von Mixed Reality stehen nur am Anfang eines vollständig digitalisierten Sales-Prozesses. Im nächsten Schritt werden die Daten auf Knopfdruck über die Cloud an die Produktion übermittelt. Die schnellere Kommunikation zwischen den Vertriebsmitarbeitern, der Fertigung und Verwaltung über die unmittelbare ERP-Einbindung zwischen Konfigurierung, Bestellung und Produktion bringt alle Beteiligten voran. Und sie verkürzt vor allem die Lieferzeit um den Faktor 4 – ein großer Wettbewerbsvorteil in einer Branche, in der jeder Tag zählt.

Mixed Reality mit Artificial Intelligence kombinieren

Ein enormes Potenzial ergibt sich auch, wenn Mixed Reality mit weiteren Technologien oder Methoden kombiniert wird, zum Beispiel mit Artificial Intelligence. Hier ergeben sich ganz neue Möglichkeiten im Rahmen der automatischen Bilderkennung und wie man die dabei gewonnen Daten im jeweiligen Geschäftsprozess nutzt. So ließe sich auch HoloLinc® mit Hilfe von Artificial Intelligence noch weiterentwickeln.

Daten, die beim Ausmessen von Treppen mittels der Microsoft HoloLens gesammelt werden, darunter technische Details der Treppe und welcher Treppenlift darauf konfiguriert wurde, können sinnvoll für die Vertriebsarbeit genutzt werden. Diese Daten könnten die Basis sein für Assistenzsysteme für die Sales-Mitarbeiter, etwa automatische, mit Artificial Intelligence generierte Vorschläge, welche Varianten des Treppenlifts wahrscheinlich für den Käufer in Frage kommen werden.

Effizientes Ersatzteilmanagement

Auch im Serviceeinsatz bietet die Kombination aus Mixed Reality und Artificial Intelligence vielversprechende Ansätze: So könnte eine automatische Bilderkennung Teilenummern ermitteln und somit Ersatzteile identifizieren und automatisch bestellen. Doch auch hier ist der entscheidende Punkt: Diese neuen Möglichkeiten bringen erst dann einen echten Mehrwert, wenn sie in einen Geschäftsprozess eingebettet sind. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Proof-of-Concepts und Lösungen, die echte Effizienzgewinne hervorbringen.

Nur ein Baustein unter vielen

Der Einsatz von Mixed-Reality-Technologien bietet viele Möglichkeiten im Vertriebs-, Wartungs- und Trainingsumfeld. Man sollte sich dabei aber stets bewusst sein, dass Mixed-Reality-Lösungen erst dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie nur einer von mehreren Bausteinen eines digital transformierten Geschäftsprozesses sind. Ansonsten bleibt diese vielversprechende Technologie das, als was Skeptiker all die Prototypen und PoCs belächeln: Eine nette Spielerei.

Zu weiteren Artikeln der «Future of Industry»-Reihe:

Deutschland

Trend Business Lead

Dennis Ahrens

Schweiz

Principal Consultant Mixed Reality

Fredrik Gundelsweiler

Österreich

Business Development Manager

Bernhard Zimmermann

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