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Lean „sein“ statt Lean „tun“

27 Februar 2014
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Lesezeit: 2 Minutes

„Bei uns bringt Lean nichts.“ Diese Aussage höre ich leider immer wieder. Oder noch schlimmer: „Lean haben wir schon ausprobiert und glücklicherweise wieder damit aufgehört.“ Schade! Doch warum können viele Lean-Initiativen die Erwartungen nicht erfüllen und warum gibt es durchaus Betriebe, die mit Lean erfolgreich sind? Die Antwort ist simpel: Erfolgreiche Lean-Initiativen konzentrieren sich auf die Verbesserung von Prozessen, nicht auf das Anwenden irgendwelcher Lean-Methoden!

Methoden alleine bringen wenig

Um „Lean“ zu werden gibt es viele erprobte Methoden und Werkzeuge, die bei der Umsetzung durchaus hilfreich sein können. Aber Vorsicht: Lean-Methoden wie 5S, SMED, Visual Shopfloor-Management oder Wertstromanalyse führen – auch wenn noch so perfekt inszeniert und umgesetzt – nicht von alleine zu Verbesserungen. Von seinen Mitarbeitern zu verlangen, diese Methoden auf Teufel-komm-raus anzuwenden, führt garantiert nur zu Frustrationen!

Einige Beispiele, welche ich in den letzten Monaten gesehen habe:

  • Firma „A“ misst mit hohem Aufwand dutzende von Kennzahlen und stellt diese an einem perfekt durchgestylten Infoboard dar. Täglich wird in einem 30-minütigen Kaizen-Meeting ausführlich besprochen, welche Kennzahlen hinter den Erwartungen zurückliegen (fast alle!) und welche durchaus plausiblen Gründe es dafür gibt (sehr viele!). Konkrete Vorschläge wie auch nur eine einzige Kennzahl minimal verbessert werden könnte, werden aber nicht diskutiert. Fazit: Fehlt der Druck konkrete Verbesserungen umzusetzen oder das Know-how Kaizen-Meetings effektiv durchzuführen, bringen das beste Visual Management und die besten Kaizen-Absichten rein gar nichts.
  • Firma „B“ hat für viel Geld neue Rollwagen angeschafft, um Material vom Bereich A in den Bereich B zu bringen. Die speziell für diesen Zweck angefertigten Wagen wurden von den Mitarbeitern beider Abteilungen in einer vorbildlichen Zusammenarbeit in mehreren Iterationen perfektioniert und für die verschiedenen Produkte optimiert. So weit, so gut. Das Problem ist nur, dass der Transport grundsätzlich eliminiert werden könnte, wenn die Abteilung A in die Räumlichkeiten der Abteilung B umziehen würde. Fazit: Zusammenarbeit hat schnell Grenzen, wenn Hoheitsgebiete einzelner Persönlichkeiten tangiert werden. Die Unfähigkeit festgefahrenes Abteilungs- und Rollendenken zu überwinden, ist häufig das grösste Hindernis um die Prozesse zum Fliessen zu bringen.
  • Firma „C“ hat keinen Aufwand gescheut und kann nun eine ihrer grössten und teuersten Maschinen dank SMED statt in 4 Stunden neu in 15 Minuten von Produkt A nach Produkt B umrüsten. Nur wurden seit dieser durchaus lobenswerten Innovation weder die Losgrössen verkleinert noch wird seither öfters umgerüstet als früher (also nur alle paar Wochen!). Logischerweise hat sich dadurch weder der Yield von nur knapp 80%  verbessert, noch sind die riesigen Lagerbestände kleiner geworden. Fazit: Wenn Ihre Produktion 20% Ausschuss produziert und in Beständen unverkaufter Ware untergeht, dann sollte vielleicht 5S oder SMED nicht die erste Priorität sein! Produzieren sie zuerst das Richtige in ausreichender Qualität, bevor sie versuchen schneller zu werden.

Konzentration auf die Prozesse

Leider wird Lean oft falsch verstanden und in der Folge lediglich dazu benutzt, um das Gleiche auf eine andere Art zu machen, ohne jedoch die betrieblichen Abläufe wirklich zu verändern. Die Firma hat dann zwar einen „Lean-Anstrich“, tatsächlich ist aber kein „Lean drin“. So bringt Lean tatsächlich nicht viel, sondern im Gegenteil: die Lean-Aktivitäten werden schnell zum Selbstläufer und damit selber zur Verschwendung! Entscheidend für eine gelungene Umsetzung des Lean-Thinking ist deshalb nicht das Anwenden irgendwelcher Methoden, sondern einzig und allein, ob es gelingt, die Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Um das zu erreichen, müssen alle Mitarbeiter den klaren Auftrag, das nötige Wissen und auch die Gelegenheit haben, dies zu tun. Nur so werden Sie mit Lean erfolgreich sein!

Kommentare (1)

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Anonymous

23 März 2014 um 18:19

Good way of describing, and nice piece of writing to take data concerning my presentation focus,
which i am going to convey in academy.

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