Interaction16 – Eine wertvolle Konferenz zu Interaction und Usability

1 Oktober 2016
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Lesezeit: 6 Minutes

Der durchschnittliche Zühlke Mitarbeiter baut sich mit der Zeit ein gutes und dichtes Netzwerk auf. Natürlich finden sich in diesem Netzwerk auch Menschen, welche die eine oder andere Konferenz kennen, von der man selber noch nichts wusste. So gab mir die Mitarbeiterin eines unserer Kunden den Tipp zur Interaction16.

Und was für ein Tipp! Die Interaction16 umfasste wirklich alles, was das Interaction Designer / Usability Herz begehrt: Vier Tage lang gab es Workshops, kürzere oder längere Keynotes und diverse Social Events, wo man sich unbeschwert mit den designorientierten Teilnehmern austauschen konnte. Zusätzlich wurde alles spannend durch die Teilnahme grösserer und bekannterer Firmen wie Google, Salesforce und Spotify und wir einige Einblicke in die Arbeitsweise von deren Mitarbeitern erhaschen konnten.

IxD16 - Interaction 16 in Finland

Stadteindrücke / Essen

Helsinki, was für eine Stadt! Allein schon deswegen hat sich der Ausflug nach Finnland gelohnt. Ein Detail, das sofort ins Auge sticht, sind die gepflasterten Strassen. Sehr wahrscheinlich würden die grossen Temperaturschwankungen, geteerte Strassen jedes Jahr aufs Neue sprengen. Die Bauwerke wirken sehr gepflegt und der ehemalige russische Einfluss auf die Stadt ist durchaus noch zu spüren. Auch Restaurants gibt es en Masse, was laut Informationen einer Einheimischen jedoch nur in Helsinki so ist. Wenn man ihren Aussagen Glauben schenkt, so “geht der Finne auf dem Land nie auswärts essen, weil ihm das Geld fehlt.”

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Natürlich wollten wir es uns nicht nehmen lassen, zumindest einmal so richtig touristisch und finnisch zu essen. So verbrachten wir dann einen gemütlichen Abend bei Rentiersteak, Elchwürstchen und gutem finnischen Bier.

Ausflug auf die Suomenlinna

Ein Besuch auf der Seefestung “Suomenlinna”, welches ein beliebter Ausflugsort von Touristen sowie von den Finnen selbst ist, durfte trotz winterlicher Temperaturen nicht fehlen. Die Festung, welche drei Staaten (Schweden, Russland und Finnland) als Verteidigungsanlage diente, wurde im Jahre 1991 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Neben den eindrücklichen Mauern der Festungsanlage entdeckten wir auch das U-Boot “Vesikko”, welches im 2. Weltkrieg im Einsatz war, sowie eines der ältesten Trockendocks Europas, welches noch heute in Betrieb ist.

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Karaoke!

Ein wahrlich skurriler Brauch verbindet in Finnland alt mit jung, arm mit reich: das Karaoke. Solange das Bier fliesst und ein Mikrofon samt Fernseher griffbereit sind, verliert der Finne seine letzten Hemmungen und beginnt zu singen. Gut oder schlecht? Egal, Hauptsache Singen. Unsere Gruppe wurde dann natürlich ebenfalls in den Sog des Karaokes gerissen (anfangs eher unfreiwillig). Dort verweilten wir dann eine gute Weile und hatten ebenfalls einen Heidenspass!

Konferenzort

Die Interaction16 fand in Helsinkis wichtigster Kongresshalle, der Finlandia-Halle (Finlandia Talo) statt. Ganz in Weiss präsentiert sich das imposante Bauwerk, entworfen von Alvar Aalto im Jahre 1972. Das Kongressgebäude, welches auch für Konzerte genutzt wird, liegt ca. 10 Minuten zu Fuss vom Hauptbahnhof entfernt zwischen der Stadt und der Töölönlahti-Bucht.

Die Vorträge waren auf 4 Konferenzräume verteilt, wovon der grösste Raum für die Keynotes, sowie für längere Talks reserviert war. Zwei kleinere Hallen waren für etwas kürzere Vorträge vorgesehen. Die kürzesten Vorträge dauerten nur 15 Minuten und wurden im kleinsten Raum “Campfire” gehalten, wo alle wie Pfadfinder im Wald auf dem Boden zwischen Pflanzen sassen.

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Die Konferenztage begannen und endeten jeweils mit einer Keynote, welche sich mit Interaction Design in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigte. Während des Tages konnten sich die Zuhörer zwischen einer Vielzahl an Talks mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten entscheiden. Ebenfalls überaus aufschlussreich waren die Fragerunden und Diskussionen, welche im Anschluss an jeden Vortrag durchgeführt wurden.

Nach der abschliessenden Keynote fand an jedem Tag eine Happy Hour statt, in welcher Firmen wie Spotify oder Salesforce freie Drinks für alle Konferenzbesucher bereitstellten. Standesgemäss gab es am Spotify-Abend natürlich auch Musik von einem DJ zu hören, sodass eine gute Party garantiert war.

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„Marktstände“ mit Merchandise (Salesforce, Google)

Google, Salesforce, Ottoboni und Augmented Climbing Wall sind nur einige der Unternehmen, welche an der Interaction16 mit einem Marktstand präsent waren. Mit interaktiven Spielen, Goodies und T-Shirts zogen sie die Konferenzbesucher in ihren Bann und kamen so ganz einfach mit ihnen ins Gespräch.

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Vorträge

Robot Ethics and the Future of Human-Robot Interaction

Kate Darling

Mit der schnellen Entwicklung von Robotern, die das Leben der Menschen zu vereinfachen sollen, bleiben gewisse Fragen bezüglich der Ethik unbeantwortet. Was sind die Vorteile und die Tücken von Mensch-Roboter Interaktionen?

Kate Darling (ursprünglich aus Basel) forscht am MIT Media Lab im Bereich der Roboterethik. Mit ihrem Vortrag zeigte Kate Darling aktuelle Beispiele aus der Robotik und ging auf Themen wie Roboterethik und die sozialen Aspekte in der Robotik ein.

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A Design Practice for the 21st Century

Matt Nish-Lapidus

Matt Nish-Lapidus, freier Designer und Vize-Präsident der Interaction Design Association, setzte sich in seinem Vortrag sowohl mit den menschlichen Akteuren als auch mit Objekten, Netzwerken und Algorithmen unserer vernetzten Welt auseinander und bot auf interessante und unterhaltsame Weise Designpraktiken für das 21. Jahrhundert an.

 

Nature’s Notifications: What technology can learn from a buzzing bee and a thunderclap.

Emmi Laakso, Phillip Tiongson

Emmi Laakso und Phillip Tiongson von Potion hielten die Zuhörenden mit Witz und spannenden Themen im Bann. Mit Beispielen aus dem alltäglichen Leben zeigten sie, wie sehr uns eine grosse Zahl von Apps auf Trab halten. Entweder schreibt uns jemand, E-Mails treffen ein oder eine App möchte uns einfach zeigen, dass sie uns nicht vergessen hat und sendet uns eine Notification. Durch die vielen Meldungen werden wir regelmässig von unserer eigentlichen Tätigkeit abgelenkt. Wie können wir die Flut von Informationen und mit ihr verbundenen Signale so steuern, dass sie uns nicht stören und sich besser unseren Bedürfnissen anpassen? Genau mit dieser Frage beschäftigen sich die zwei Vortragenden.

Smart Frictions

Simone Rebaudengo, Nicolas Nova

Simone Rebaudengo von Frog Design und Nicolas Nova, Gründer des Near Future Laboratory, hielten einen der unterhaltsamsten und zugleich interessantesten Vorträge. Zunächst sorgte Rebaudengo mit Beispielen für Erheiterung, in denen „smarte“ Geräte sich nicht ganz so smart verhielten. Zudem plädierte er dafür, nicht einfach vermeintlich smarte Geräte zu bauen, sondern solche, die eine bestimmte Eigenschaft besonders gut erfüllen. Nova griff diese Ansätze auf und vermittelte den Zuhörern, wie er die Rolle des Interaction Designers bei der Erfüllung dieses Anspruches sieht.

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The Invisible Cities

Pablo Honey

Eine Mischung aus Gegenwartsanalyse und Zukunftsvision bot Pablo Honey mit seinem Vortrag über vernetzte Städte. Hier wurden spannende Beispiele für unser digitales Grossstadtleben und die Auswirkungen der technischen Entwicklung auf Mobilität, Robotik und Energieversorgung dargestellt.

 

Interaction Awards

Ein wesentliches Highlight der jährlichen Interaction Konferenz ist die Verleihung der IxDA Interaction Awards. In diesem offenen Format werden in verschiedenen Kategorien die besten Designs und Konzepte gekürt. Zu den interessantesten Gewinner-Projekten gehörten ein am Umeå Institute of Design konzipierter Atmungsassistent namens „ANNA„, welcher Kindern durch die Verwendung von visuellem und hörbarem Feedback die richtige Atemtechnik für die Narkose vor einer Operation beibringt. Ein anderes spannendes Projekt ist das von ustwo designte Audionavigationssystem “Wayfindr”, welches mittels Smartphone und Beacons Blinden völlig neue Möglichkeiten gibt, sich in einer urbanen Umgebung zu orientieren sowie “Sensel Morph”, ein von Frog Design entwickeltes Eingabepad, welches durch eine unglaublich hohe Vielseitigkeit glänzt.

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Auf der anschliessenden After Show Party konnten bei freien Drinks und gutem Essen leicht neue Bekanntschaften mit interessanten Persönlichkeiten aus der Branche geschlossen werden. Dabei durfte natürlich eines auch nicht fehlen: Karaoke.

Insgesamt also eine sehr gelungene Konferenz, die uns viel Spass gemacht hat und überaus inspirierend war. Wir können jeden nur animieren, uns im nächsten Jahr auf die Interaction17 nach New York zu begleiten!

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The 10th annual gathering of the IxDA comes to New York City February 4-8, 2017, and we want to put you on the stage for a talk or a workshop. Our theme is „design in context“.

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