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Integrationsworkshop für eine BLE-App

4 April 2017
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In einem früheren Projekt bei Zühlke, in dem wir die Aufgabe hatten für ein Medizinprodukt die Firmware zu entwickeln und diese entsprechend zu testen, fragte mich mein Projektleiter, ob ich einen Workshop begleiten könne.

So leitete ich einen Workshop mit Kundenbeteiligung aus Deutschland, mehreren App-Entwicklern aus Asien und einem Bluetooth Low Energy Experten aus der Schweiz, in dem es um die Integration einer Bluetooth Low Energy (BLE) App aus Asien mit einem Embedded Device, basierend auf der Firmware aus unserem Haus, ging. Insgesamt waren wir 5-8 Teilnehmer – zum Teil mit wechselnder Besetzung. Der Workshop war für einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen in Eschborn angesetzt worden.

Neben technischen Inhalten konnte ich hier erstmals auch größere organisatorische Aufgaben übernehmen – und zwar mehr als ich anfangs im Blick hatte. Für mich als Entwickler, der sich im Projektverlauf hauptsächlich mit Systemtests beschäftigt hatte, war der gesamte Workshop eine neue, spannende und abwechslungsreiche Aufgabe.

Aufgabenstellung und Setup

Das Ziel des Workshops hatte ich relativ klar vor Augen: ein funktionierendes Gesamtsystem mit stabiler, der Spezifikation folgender, BLE-Kommunikation zwischen App und Device mit der von uns entwickelten Firmware.

Neben der Chance im Workshop unserem Kunden genau dies demonstrieren zu können, sah ich natürlich auch Risiken:

  • Wird die Zusammenarbeit funktionieren?
  • Was machen wir, wenn Fachabteilungen des Kunden unterschiedliche Vorstellungen und Ziele haben?
  • Oder rein technologisch: Was passiert, wenn die BLE-Verbindung instabil ist und man dadurch nicht die erwünschten Ergebnisse erzielen kann?

Konzeption des gemeinsamen Workshops

Die Konzeption ist neben der Ausführung wohl die wichtigste Phase eines solchen Workshops, da hier bereits folgenreiche Entscheidungen getroffen werden, die in der späteren Umsetzung möglicherweise nicht mehr korrigiert werden können.

Zur Konzeption sind folgende Fragestellungen hilfreich:

  • Was ist das Ziel des Integrationsworkshops?
  • Messbarkeit des Fortschritts: Was sind die Akzeptanzkriterien einzelner Integrationsschritte und existieren kleine Meilensteine, die erreicht werden sollen?
  • Gibt es Vorbedingungen zu erfüllen?
  • Können Entscheidungen direkt von der Gruppe getroffen werden oder sind hier Blockaden zu erwarten? Wie werden Fragen und Diskussionen behandelt, die nicht sofort beantwortet werden können?
  • Wie soll innerhalb des Workshops zusammengearbeitet werden?
  •  Welche Rolle übernimmt jeder Einzelne im Workshop und wer trägt welche Verantwortung?

In unserem Fall gab es folgende Rollen:

  • Organisation und Moderation
  • Erstellung von Testprotokollen und Ablage anfallender Daten
  • Verantwortung für die Testausführung
  • Technologieverantwortung (Bluetooth, App, Device-Firmware, Elektronik etc.)
  • Kommunikationsverantwortung für die verschiedenen Fachabteilungen, die nicht am Workshop teilnehmen konnten, aber extern unterstützen sollten

Da der Workshop in unserem Haus stattfand, war ich für viele organisatorische Fragen der erste Ansprechpartner und habe Moderationsaufgaben übernommen. Technisch war ich verantwortlich für die Testvorbereitung des Medical Devices und unterstützte die Analyse der Bluetooth-Kommunikation.

Umsetzung des Workshops

Einstieg

Mit einer Vorstellungsrunde zu Beginn des Workshops konnten wir alle Teilnehmer auf einen gemeinsamen Stand bringen, die ersten allgemeinen Fragen klären und einen Zeitplan absprechen. Wir stellten am ersten Workshop-Tag außerdem unser Backlog auf, welches die abzuarbeitenden Aufgaben enthielt.

Ablauf

Im Rahmen unseres Workshops arbeiteten wir eine Sammlung von Systemintegrationstests aus dem Workshop-Backlog ab. Diese manuellen Tests hatte ein Teilnehmer bereits vor dem Workshop konzipiert, sodass die anderen Teilnehmer den Inhalt zumindest oberflächlich bereits kannten. Die Tests fokussierten sich auf die Kommunikation der Geräte per Bluetooth Low Energy. Wir überprüften jede Nachricht einzeln und protokollierten das Ergebnis in einem Testprotokoll. Hierzu verwendeten wir einen Bluetooth Low Energy Airsniffer des Herstellers Frontline mit einem zum Kommunikationsprotokoll passenden Dekoderscript.

Bluetooth Dual Mode Protocol Analyze

ComProbe BPA 600 – Bluetooth Dual Mode Protocol Analyze; http://www.fte.com/company/presskit.aspx

Der Dekoder war ein unerlässliches Hilfsmittel während des gesamten Workshops. Er dekodierte jede Bluetooth Nachricht, so dass die Kommunikationsinhalte leicht von uns geprüft werden konnten.

Unsere Tests deckten nicht nur fehlerhafte Kommunikation, sondern auch Stabilitätsprobleme auf. Wir fanden außerdem Probleme im User Interface der App. Entweder wurden diese sofort korrigiert oder für eine spätere Behebung gesammelt.

Auftretende Fehler und Probleme, die blockierend wirkten, behoben wir sofort. Durch die vielen Tests fanden wir unklare Aussagen in der Spezifikation und klärten diese an Ort und Stelle – ohne ein Remotemeeting abhalten zu müssen.

Die größten Blockaden während des Workshops waren die Analyse und Behebung aufgetretener Fehler. Hierfür musste von allen Teilnehmern Zeit eingeplant und Geduld aufgebracht werden. Wir konnten nicht alle Probleme direkt vor Ort beheben, zum Teil war Unterstützung von externen Kollegen notwendig. Für jeden Einzelfall musste man natürlich abwägen, ob ein Quick fix sinnvoll ist oder ob es eventuell tiefer liegende Architekturprobleme gab. Da bei unserem Workshop die Kommunikationsinhalte im Fokus standen, wurden größere Instabilitäten erst nach dem Workshop weiter analysiert und behoben.

Tagesabschluss

Nach jedem Workshop-Tag fertigte ich ein Protokoll an, das die wichtigsten Klärungspunkte und den Fortschritt unseres aktuellen Backlogs enthielt und verteilte es an die Workshop-Teilnehmer und die anderen Projektbeteiligten, die nicht am Workshop teilnehmen konnten. Das Protokoll hatte in unserem Fall die wichtige Funktion, Absprachen und Diskussionsthemen zu dokumentieren und die Kollegen über den Inhalt und den Fortschritt des Workshops zu informieren. Teilweise haben wir durch das Protokoll auch wertvollen Input von den Kollegen erhalten, der im Rahmen des Workshops dann weiter diskutiert wurde.

Natürlich folgte am Ende eines Workshop-Tages auch ein gemeinsames Abendessen, um das eine oder andere kulturelle Thema näher zu beleuchten.

Fazit nach dem Workshop

Insgesamt kann der bei Zühlke ausgerichtete Workshop als voller Erfolg gewertet werden. Wir deckten Instabilitäten auf und verbesserten unklare Stellen in der Spezifikation in einer wesentlich kürzeren Zeit, als wenn alle Beteiligten von ihrem jeweiligen Standort aus virtuell an dem Workshop teilgenommen hätten.

Am Ende unseres Workshops stand eine sehr große Anzahl positiv ausgeführter Testfälle und ein besseres Verständnis für das Produkt und dessen Integrationsthemen.

Über den Erdball verteilt hätte die Integration meiner Meinung nach länger gedauert und mehr langwierige Rückfragen erzeugt. Die Zeitersparnis sehe ich hier besonders in der persönlichen Kommunikation und weniger in der Implementierung.

Die freie und direkte Kommunikation zwischen allen Teilnehmern legte die Basis für die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit von verschiedenen Standorten.

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