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Innovation mit User Experience Design Methoden

12 April 2013
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Lesezeit: 4 Minutes

Vor allem in einem kompetitiven Marktumfeld müssen Unternehmen dafür sorgen, dass neue Ideen entstehen und sich bis zur Marktreife entwickeln können. Damit Ideen in ansprechende Produkte oder neue Dienstleistungen überführt werden können, braucht es ein strukturiertes Vorgehen. Einen sehr wichtigen Beitrag zur Generierung und Weiterentwicklung neuer Ideen können (potentielle) Kunden leisten – wenn man als Unternehmen in der Lage ist diese richtig einzubeziehen und ihnen zuzuhören.

Welche Arten von Innovation gibt es und was macht diese aus?

Es kann zwischen zwei Arten von Innovation unterschieden werden (in Anlehnung an [1]):

  • Inkrementelle Innovation: Dies sind Innovationen  innerhalb eines vorgegebenen Rahmens. Dabei wird etwas Bestehendes weiter optimiert. Zu inkrementellen Innovationen zählen zum Beispiel Verbesserungen an bestehenden Produkten.
  • Radikale, disruptive Innovation: Bestehende Rahmen werden verlassen. Oftmals revolutionäre Veränderungen oder Beschreiten völlig neuer Wege.

User Experience Design Methoden können für Innovation gewinnbringend eingesetzt werden und insbesondere bei der inkrementellen Innovation in das strukturierte Vorgehen integriert werden.

Kontinuierliche Verbesserung bestehender Produkte

Durch inkrementelle Innovation wird etwas Bestehendes besser gemacht. Zum Beispiel entstehen so neue Generationen des im Grunde gleichen Produkts.Schnell denkt man bei Verbesserungen an das Hinzufügen von neuen Funktionen, aber auch die Entfernung von unnötigen oder nicht genutzten Produkteigenschaften kann einen Beitrag zur inkrementellen Innovation leisten. Inkrementelle Innovation kann auch zu Preissenkungen führen, in dem neue Wege in der Produktion oder Verteilung erschlossen werden. Dabei greifen die Verbesserung auf eine bereits etablierte Wertschöpfungskette, Produktionstechniken und vorhandenes Know-how zurück.

Warum Innovation mit User Experience Design?

User Experience (UX) ist durch die International Standards Organization’s definition (Human-centered design for interactive systems (ISO 9241-210:2010) beschrieben [4].  Der starke Einbezug von Benutzern und Kunden ist das Herz von UX Design. Ebenso die kontinuierliche Verbesserung von Ideen und Konzepten. Diese werden iterativ mit dem Benutzer besprochen und getestet, wobei zum Beispiel Prototypen zur Anwendung kommen. Basierend auf dem Feedback werden die Konzepte angepasst mit dem Ziel die Bedienqualität (Usability) zu optimieren. Zudem werden zum Beispiel Eindrücke und Emotionen vor und nach der Nutzung analysiert (User Experience). Insgesamt wird der Zyklus solange durchlaufen, bis die gesetzten Ziele erreicht worden sind, und das Ergebnis durch den Anwender verstanden und benutzt werden kann.

Human-centered design for interactive systems (ISO 9241-210:2010) in Anlehnung an [4]

Bei der Analyse von Benutzern und deren Bedürfnissen steigert sich die Entwicklung eines Produkts bis zum Erreichen der bestmöglichen UX innerhalb eines gegebenen Rahmens, der durch das bestehende Produkt gegeben ist. Auf diese Weise kann der Wert für den Benutzer und dadurch die Chance für einen nachhaltigen Markterfolg und eine erfolgreiche Innovation gesteigert werden.

Einblicke gewinnen für inkrementelle Innovationen – zum Beispiel mit Contextual Inquiry

Wer mit den Benutzern spricht, um ein neues Innovationsinkrement zu erreichen, der möchte vor allem die Begeisterungsfaktoren (vgl. Kano-Modell, Quelle) herausfinden. Oft wissen die Befragten jedoch nicht, was ihnen wirklich hilft oder haben Mühe dies zu verbalisieren. Daher liefern Interviews oder Workshops nur bedingte Möglichkeiten, diese oftmals versteckten und nicht ausgesprochenen Anforderungen zu erheben. Man muss mit eigenen Augen sehen und verstehen, was Benutzer wirklich brauchen und wo die „pain points“ zu finden sind, die es mit neuen Ideen und Konzepten zu überwinden gilt.

Consumer Insights

Oft wissen Kunden nicht, was ihnen wirklich hilft oder haben Mühe dies zu verbalisieren

Als UX Methode dazu bieten sich Observationen an, basierend auf dem Vorgehensmodell von Beyer & Holtzblatt (siehe [2]) namens „Contextual Design“. Mit einer Observation bzw. „Contextual Inquiry“ werden Benutzer in ihrem gewohnten Umfeld (Kontext) beobachtet. Die Interpretationen des Beobachters können durch gezielte Rückfragen verifiziert werden, bevor auf deren Basis neue Ideen und Konzepte entwickelt werden.

Durch eine Contextual Inquiry wird der Benutzer nicht gestört. So können alltägliche Abläufe beobachtet werden, wobei vor allem unbewusste Handlungen interessant sind. Viele Benutzer „bauen“ sich „Workarounds“, um mit den Defiziten von Produkten und Anwendungen umzugehen. Gerade hier besteht enormes Potential für inkrementelle Innovation. Aus den Beobachtungen können Rückschlüsse gebildet werden, welche in Ideen oder Hypothesen münden (Induktion).

Innovationsprojekte richtig angehen

Technologie schafft neue Erfindungen und Möglichkeiten. Innovation sorgt dafür, dass diese Erfindungen einen Mehrwert für die Kunden und Konsumenten darstellten. UX Experten sollten demnach in keinem Innovationsprojekt fehlen. Sie sind die richtigen Teammitglieder, wenn es darum geht Benutzer oder Kunden besser zu verstehen und deren Bedürfnisse zu analysieren. Die Fähigkeiten von UX Experten Konzepte zu generieren, diese prototypisch umzusetzen und zu testen, passen zum Innovationsprozess.  So wird von Anfang an sichergestellt, dass neue Ideen die Erwartungen und Bedürfnisse der Zielgruppe treffen (Value Proposition).

Über ein schönes Beispiel für inkrementelle Entwicklung von Produktinnovationen haben Hilmar Meier von Phonak und Stephanie Föhrenbach von Zühlke auf den X.Days 2013 gesprochen.

Quellenverweise

  1. „Incremental and Radical Innovation: Design Research versus Technology and Meaning Change “, von Donald A. Norman und Roberto Verganti, online unter http://www.jnd.org/dn.mss/incremental_and_radi.html
  2. Beyer, H. & Holtzblatt, K. (1998). Contextual Design: Defining Customer-Centered Systems. San Francisco: Morgan Kaufmann. ISBN 1-55860-411-1
  3. „Toyota’s Principles of Set-Based Concurrent Engineering.“, von Sobek II, Durward K., Allen C. Ward, and Jeffrey K. Liker, in Sloan Management Review: 67-83. Online unter: http://sloanreview.mit.edu/article/toyotas-principles-of-setbased-concurrent-engineering/
  4. Ergonomics of human-system interaction – Part 210: Human-centred design for interactive systems (ISO 9241-210:2010); German version EN ISO 9241-210:2010

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