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The Future of Industry

Eine vernetzte Welt ist mehr als nur IoT

6 März 2019
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Lesezeit: 4 Minutes

Bei zahlreichen Unternehmen stehen der Nutzen, die Möglichkeiten und der Mehrwert, aber auch die Veränderungen, die IoT, Augmented Reality, Data Analytics oder Machine Learning bieten, ganz oben auf der To-do-Liste. Damit diese ihre ganzen Vorteile ausspielen können, müssen sie sich jedoch an den Zielen des Unternehmens orientieren und in die übergreifende Strategie der Organisation eingebunden sein.

An der Digitalen Transformation kommen Unternehmen heute nicht mehr vorbei, egal, welcher Branche sie angehören. Sie gibt den Unternehmen Werkzeuge, Informationen und Möglichkeiten an die Hand, um ihre Prozesse zu optimieren, ihre Maschinen effizienter zu betreiben, neue Umsatzquellen zu erschliessen, mit kreativen Geschäftsmodellen Erfolg zu haben und ihre Kunden kontinuierlich mit Mehrwert zu begeistern. Intelligentere Applikationen, Prozesse und Geräte senken nachhaltig Kosten, sorgen dafür, dass Lieferfristen eingehalten werden, sie minimieren unerwartete Ausfälle, erhöhen die Overall Equipment Efficiency, generieren innovative Service-Angebote, gewährleisten höhere Produktqualität oder ermöglichen eine verkürzte Time-to-Market.

IoT-Lösungen bringen viele Wettbewerbsvorteile in B2B- oder B2C-Märkte und sind das Fundament für den Einsatz weiterer Technologien und Methoden. Industrieunternehmen beispielsweise nutzen IoT um eine Vielzahl von Anwendungsfällen, wie z.B. Remote Monitoring & Service oder Predictive Maintenance, zu realisieren und durch neuartige Services für sich und ihre Kunden Mehrwert zu generieren.

Neue Dimension der Business Innovation

Das alleinige Ziel von IoT ist es, Produkte zu vernetzen, das heisst, Geräte und Apparate mit zusätzlicher Sensorik und Software auszustatten und mittels Connectivity-Modul oder eines Gateways mit dem Internet zu vernetzen. Die Daten werden dann über unterschiedliche Wege übertragen und in einer Cloud zentral gesammelt. Dabei ist der entscheidende Erfolgsfaktor, wie die mit IoT gewonnenen Daten genutzt werden. Deshalb muss das Internet of Things von Anfang an in eine digitale Gesamtstrategie mit konkreten Zielen eingebunden und interdisziplinär angelegt sein.

Es geht nicht darum, Dinge einfach nur zu vernetzen. Die intelligente Vernetzung von Geräten ist nur Mittel zum Zweck. Das Ziel muss es sein, bestehende Prozesse zu digitalisieren um Quantensprünge in der operationellen Exzellenz zu erreichen und auf diesem Weg bereits die Datenplattform zu schaffen und zu füttern, die später den Weg ebnet für weitere Services auf Basis von Data Science. Methoden der künstlichen Intelligenz wie Machine Learning helfen, mit den bestehenden und nun zusätzlich kontinuierlich akquirierten Daten den Nutzern neue Dimensionen der Business Innovation zu eröffnen. Sie erhalten ungekannte Einblicke und ungeahnte Möglichkeiten, angefangen beim Schaffen von Transparenz über die Automatisierung von Entscheidungen bis hin zur Entfaltung von neuartigen Geschäftsmodellen.

Ein paar Beispiele:

  • Durch die Vernetzung seiner Parkuhr erhält Taxomex, der führende Hersteller von Parkuhren in der Schweiz, Echtzeitinformationen zur Parkplatzbelegung oder zum Systemzustand seiner Produkte, wodurch sowohl die Effizienz als auch die Transparenz erheblich gesteigert werden. Die Daten werden an zentraler Stelle aggregiert und können über das entwickelte Webportal jederzeit abgerufen und verwaltet werden.
  • Die Entwicklung eines Algorithmus erlaubt es KSB, dem Hersteller von Pumpen und Armaturen, die Zustands- und Betriebsdaten weltweit arbeitender Maschinen über ein zentrales Webportal zu überwachen. Eine App liefert den Pumpenbetreibern jederzeit Informationen darüber, ob eine Pumpe sparsam oder mit zu hohem Energieverbrauch läuft. Während KSB die Daten für seinen Kundendienst und die Optimierung seiner Produkte nutzen kann, erhalten die Kunden wichtige Informationen für die Einsatzplanung und Abrechnung.
  • Auf Basis der HoloLens entwickelt thyssenkrupp einen digitalisierten Verkaufsprozess inklusive 3D-Visualisierung und -Vermessung direkt vor Ort beim Endkunden, der die Effizienz steigert und die Customer Experience revolutioniert. Mit der Verknüpfung der verschiedenen Schnittstellen wie der Mixed Reality Brille, einer App und der Cloud, bietet thyssenkrupp seinen Kunden nicht nur ein einzigartiges Erlebnis, sondern verkürzt auch die eigene Lieferzeit um den Faktor vier.
  • Mithilfe digitaler Services optimiert Jungheinrich, der Hersteller von Flurförderzeugen, seine Reparaturprozesse und steigert so seine Effizienz um ein Vielfaches. Techniker werden über eine Mixed Reality-Lösung bei der Reparatur von Maschinen und Anlagen unterstützt und schrittweise durch den gesamten Vorgang geführt.

Ein Gesamtkonzept ist Voraussetzung

Vielen Unternehmen ist heute längst klar, dass IoT unverzichtbar ist. Doch genau wie andere Technologien der Digitalisierung – sei es Mixed Reality, Digital Twins oder Machine Learning – kann auch das Internet der Dinge sein volles Potenzial nur entfalten, wenn es keine Insellösung ist, sondern Teil einer Gesamtkonzeption welche nach einer neuartigen, hybriden IT-Architektur verlangt.

Das heisst natürlich nicht, dass Unternehmen nicht auch bei IoT im Kleinen starten sollten. Die Umsetzung kann dann mit einem kleinen Teilprojekt starten, das sich besonders leicht umsetzen lässt oder mit wenig Aufwand bereits viel Nutzen bringt (low hanging fruits). Dieses Projekt gilt es dann zu validieren und auf Basis der ersten Erfahrungen Schritt für Schritt ein funktionierendes Gesamtsystem entstehen zu lassen. Dabei ist erwiesenermassen der Aspekt der Technologie nie die Herausforderung. Oft kommen IoT Projekte nicht über den Prototypen-Status hinaus, da konkrete Nutzerszenarien fehlen oder ein Return on Investment sich in den ersten Jahren nicht rechnen, geschweige denn realisieren lässt.

Mehrwert erst durch intelligente Vernetzung

Die Wertschöpfungskette einer IoT-Lösung besteht aus verschiedenen technologischen Elementen, welche in der Konzeption oder den benötigten Fähigkeiten und Kosten nur bedingt miteinander vergleichbar sind aber nur in der Gesamtheit ihre Wirkung entfalten können. Eine penible Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen sowie das Ableiten einer tragfähigen Architektur mit subsequenter Realisierung der einzelnen Fähigkeiten scheint soweit eine vielversprechende Vorgehensmethode zu sein. Dass es sich dabei um mehrjährige Vorhaben in der Grössenordnung von tiefen siebenstelligen Beträgen handelt, sollte ebenfalls berücksichtigt werden.

Wichtig ist dabei: Damit IoT erfolgreich ist, muss es Teil einer Lösung sein, die ein echtes Kundenbedürfnis befriedigt und wirtschaftlich tragfähig ist. Somit ist die Betrachtung der Monetarisierung der Lösung ein gewichtiger Teilaspekt eines jeden IoT-Vorhabens und kann bei Vernachlässigung zum Scheitern führen. Um möglichst früh die Akzeptanz der Ideen zu prüfen, hat sich die Einbindung einer beschränkten Nutzergruppe, welche kontinuierlich befragt wird und so an der Entwicklung der Services beteiligt ist, als hilfreich erwiesen. Ein prominentes Beispiel ist das Microsoft „Technology Adoption Programm“ in welchem ausgewählte Kunden und Lieferanten die Software bereits ab Entwicklungsstadium nutzen und regelmässig Feedback zurückgeben. Dieses Wissen und die gesammelten Erfahrungen können dann als Wettbewerbsvorteil im Markt genutzt werden.

Entscheidend, um das volle Potenzial von IoT auszuschöpfen, ist es also, das grosse Ganze im Blick zu haben und sich nicht nur auf die technischen Aspekte zu fokussieren. Genauso müssen schon am Anfang die Wirtschaftlichkeit evaluiert und Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden berücksichtigt werden. Auf dieser Basis können dann die weiteren Schritte von Use-Case-getriebenen Projekten entwickelt werden. So kann Stück für Stück eine vernetzte Welt entstehen, die echten Mehrwert nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für seine Kunden generiert.

Zu weiteren Artikeln der «Future of Industry»-Reihe:

  • Ist die Schweiz wirklich Innovationsweltmeister? Zum achten Mal in Folge wurde die Schweiz zum innovativsten Land der Welt gekürt. Doch was sagt dieser Titel aus? Und wird ihm die Schweiz tatsächlich gerecht?
  • Ist „solide“ ein Auslaufmodell? Nach Rekordzahlen in den vergangenen Jahren mehren sich die Stimmen, die vor einem merklichen Abkühlen der Wirtschaft warnen. Welche Industriefirmen werden die nächste Krise am besten überstehen?

Ansprechpartner

Schweiz

Mario Schmuziger

Business Solution Manager IoT

Mario Schmuziger

Deutschland

Peter Güntzer

Business Solution Manager IoT

Peter Güntzer

Österreich

Business Development Manager

Bernhard Zimmermann

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