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Industriebetriebe müssen sich mit dem Thema Internet of Things auseinandersetzen, sonst werden sie plötzlich überholt

13 Juli 2015
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Lesezeit: 4 Minutes

Digitale Transformation, Internet of Things (IoT), Industrie 4.0: Schlagwörter wie diese machen in der Industrie seit geraumer Zeit die Runde. Doch was heisst das nun für einen klassischen Industrie-Betrieb? Und geht das auch ein mittelständiges Unternehmen etwas an? Ich bin überzeugt: Ja, auf jeden Fall. Nägel mit Köpfen gemacht hat Securiton, ein Anbieter von Sicherheits- und Alarmsystemen. Vor einigen Tagen durfte ich dort einen Workshop mit rund 100 Kadermitgliedern zum Thema IoT mitgestalten und begleiten. Meine bisherigen Erfahrungen haben sich dabei bestätigt.

«Industriebetriebe müssen sich mit dem Thema Internet of Things auseinandersetzen, sonst werden sie plötzlich überholt»

Die Frage, ob sich Schweizer Industrie-Betriebe um das Thema Internet of Things kümmern sollten, ist für mich eigentlich schon längst beantwortet. Für mich stellt sich viel mehr die Frage, warum sie nicht schon lange damit angefangen haben. Denn die Möglichkeit der Vernetzung von Maschine, Anbieter und Kunden ergibt völlig neue Chancen. Einzelne Teile der Wertschöpfungskette oder sogar ganze Geschäftsmodelle müssen komplett hinterfragt werden. Kundenservice, Wartung oder auch Bezahlmodelle werden auf den Kopf gestellt. Im Klartext heisst das aber auch, dass plötzlich neue Teilnehmer im Markt mitmischen. Wer hätte beispielsweise vor einigen Jahren gedacht, dass eine IT-Firma aus San Francisco praktisch aus dem Nichts die Zürcher Taxiszene aufwirbelt oder dass eine relativ einfache App wie WhatsApp das SMS-Geschäft der Schweizer Telekomanbieter zum Erliegen bringt? Gewiss, das mögen extreme Beispiele sein. Doch ähnliche Szenarien sind auch in der Industrie denkbar.

Umso mehr hat mich gefreut, dass sich mit Securiton, einem Hersteller von Alarm- und Sicherheitssystemen, ein mittelgrosses Unternehmen an einem Kaderanlass im Juni den ganzen Tag mit den Themen Vernetzung und Internet of Things auseinandersetzte. Als Verantwortlicher für IoT bei Zühlke durfte ich den Tag mitgestalten, den Workshop leiten und am Ende die Podiumsdiskussion moderieren. Ziel des Anlasses war, die versammelten Kadermitarbeiter auf das Thema IoT zu sensibilisieren. Die Teilnehmer sollten sich Gedanken darüber machen, welchen Einfluss die Möglichkeiten der Vernetzung auf die eigene Tätigkeit haben werden. Im Workshop ging es konkret darum, Anwendungsfälle von IoT bei Securiton zu bestimmen, den Nutzen für den Endkunden wie auch für das Unternehmen selbst zu erarbeiten und mögliche Herausforderungen beziehungsweise Hürden aufzuzeigen. Im abschliessenden Podium diskutierten Armin Berchtold (CEO Securitas Gruppe Schweiz), Guido Portmann (CEO Securiton), Dr. Bruno Messmer (Swisscom) und Dr. Markus Weinberger (Bosch IoT Lab) über die Möglichkeiten von IoT, die Auswirkungen auf Securiton und die Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Für mich haben sich sowohl während des Workshops als auch während der Podiumsdiskussion meine bisherigen Erfahrungen bestätigt:

Als Industriebetrieb muss man sich den Themen Digitale Transformation und Internet of Things zwingend annehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man früher oder später von links und rechts überholt wird.

  • Die Unternehmen dürfen keine Zeit mehr verlieren: lieber heute als morgen loslegen.
  • Die Geschäftsleitung muss das Thema in die Hand nehmen. Digitale Transformation lässt sich nicht delegieren.
  • Das Kader und auch die Mitarbeitenden im Unternehmen müssen frühzeitig ins Boot geholt werden. Internet of Things ist nur vordergründig eine technische Sache. Vielmehr geht es um grundsätzliche Veränderungen im Unternehmen und der gesamten Wertschöpfungskette. Das betrifft letztlich alle Mitarbeitenden.
  • Schritt für Schritt: Der grosse Wurf auf einmal ist kaum möglich. Man muss die Vernetzung im Unternehmen in Etappen vorantreiben.
  • Internet of Things gewinnbringend zu nutzen, heisst vor allem auch bekannte Denkmuster hinterfragen und das bisherige Tun „challengen“. Ein externer Partner, der auf diesem Gebiet Erfahrung mitbringt und über die branchenübergreifende Expertise verfügt, kann diesen Prozess unterstützen und beschleunigen.

Securiton hat Mut bewiesen und sich dem Thema gestellt. Ideen sind da und befinden sich zum Teil bereits in Umsetzung. Wie diese konkret aussehen, werden wir sehen. Sich mit den Möglichkeiten von IoT auseinanderzusetzen war ein erster, aber ganz entscheidender Schritt. Damit ist Securiton vielen anderen Unternehmen bereits eine Nasenlänge voraus.
Und wie sieht es bei Ihnen aus? Wie beeinflussen die Möglichkeiten der Vernetzung Ihr Geschäftsmodell? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen. Eines ist klar: Auch in Zukunft werden wir über Zühlkes Erkenntnisse im IoT-Bereich berichten.

Diskutierten über die Möglichkeiten von IoT: Guido Portmann (CEO Securiton), Dr. Bruno Messmer (Swisscom), Hansjürg Inniger (Zühlke), Armin Berchtold (CEO Securitas Gruppe Schweiz), Dr. Markus Weinberger (Director IoT Bosch Lab)

Diskutierten über die Möglichkeiten von IoT (v.l.n.r.): Guido Portmann (CEO Securiton), Dr. Bruno Messmer (Swisscom), Hansjürg Inniger (Zühlke), Armin Berchtold (CEO Securitas Gruppe Schweiz), Dr. Markus Weinberger (Director IoT Bosch Lab)

Guido Portmann, CEO von Securiton, hat die Bedeutung von IoT erkannt und stellte den Kaderanlass ganz ins Zeichen von Vernetzung.

Guido Portmann, CEO von Securiton (ganz links), hat die Bedeutung von IoT erkannt und stellte den Kaderanlass ganz ins Zeichen von Vernetzung.

 

Kommentare (1)

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MaxKritisch

20 Januar 2016 um 00:10

Jeder überholt jeden.

Zum Schluss gibt es leider nur einige wenige Gewinner und viele Verlieren.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden wir irgendwann alle unter den Verlieren sein.

Denn das Grundprinzip von IOT und Automatisierung (im Generellen) ist: NHN – NoHumanNeeded.
Maschinen ersetzen immer mehr Leute. Und irgendwann, wird es ganz schön viele Leute treffen.

Was kann man machen?
Evtl. eine Automatisierungs-Steuer.
Denn: von Automatisierung soll jeder profitieren, nicht nur der Super-Reiche Firmenchef, der seine Maschinen in den Vollautomatisierten Produktionshallen zusehen kann.

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