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In acht Wochen von der Idee zum Prototypen

13 Juni 2017
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Lesezeit: 4 Minutes

Etablierte Unternehmen tun sich oft schwer, die Welt durch die Augen ihrer Kunden zu sehen. Ein Start­-up­-Team von Zühlke kann sie dabei unterstützen.

Wenn man Konsumenten fragt, warum sie online shoppen, verweisen sie auf Bequemlichkeit und Einfachheit. Aber sind diese Argumente stichhaltig? Verbringen Sie, wenn Sie Kleidung online bestellen, wirklich weniger Zeit damit, die für Sie passenden Outfits zu finden? Addiert man die Zeit des Suchens, Bestellens, Anprobierens und Rücksendens, mag man das bezweifeln.

Oder anders gefragt: Sind die Zweifel, ob das Ausgesuchte auch wirklich passt, nicht etwa der Grund dafür, dass viele potenzielle Käufer Online-Shopping nach wie vor ablehnen? Und können wir beim einsamen Bestellvorgang und dem Rücksendeprozedere wirklich noch von einem Kundenerlebnis sprechen – im Vergleich zum Flanieren und Shoppen beispielsweise in der Altstadt?

Mixed Reality

Abhilfe könnte die Mixed-Reality-Technologie schaffen. Dank einer eingescannten Silhouette und einer wenig auftragenden Mixed-Reality-Brille entsteht eine Kombination von virtueller und realer Welt. Plötzlich würde Ihr Double vor Ihnen im Wohnzimmer stehen. Ihr Ebenbild könnte im Beisein von Familienmitgliedern oder Freunden.

Kleider aus dem Online-Katalog anprobieren. Sie würden um das Double herumgehen, um zu prüfen, wie Ihnen die Kleidung wirklich gefällt. Das Online-Shopping könnte wieder zum echten Erlebnis werden. Technologisch ist dies heute möglich.

Nun aber von der Mixed-Reality-Brille zur Kundenbrille. In Gesprächen mit Managern und Unternehmern taucht immer wieder die eine grosse Frage auf: Was hindert Unternehmen und Mitarbeitende daran, konsequent die Kundenbrille aufzusetzen? Ist der Mensch einfach zu egozentrisch? Oder fehlt es an Mut und Vertrauen, den Kunden frühzeitig oder überhaupt in die Produkt- sowie Dienstleistungsgestaltung einzubeziehen? Ist es, weil der Kunde denken könnte, Sie wüssten nicht, was Sie tun? Doch das Gegenteil ist der Fall, wenn Sie mutig sind und dem Kunden vertrauen, indem Sie ihn aktiv einbinden.

Fast jedes Unternehmen kennt die Situation: Eine vom Management als gut empfundene Idee, von der man das Gefühl hatte, der Markt habe darauf gewartet, setzt sich am Ende doch nicht durch. Der Markterfolg hat trotz – oder vielleicht gerade wegen – der langen Vorbereitungszeit auf sich warten lassen, oder er ist nie eingetreten. In der Nachbetrachtung stellt man dann ganz überrascht fest, dass der Wurm eben nur dem Angler geschmeckt hat und nicht dem Fisch.

Das Ziel ist bekannt: Es geht darum, die Chance zu erhöhen, dass eine Innovation beim Kunden auch wirklich ankommt. Doch wo starten? Der erste Schritt ist auf jeden Fall das Aufsetzen der Kundenbrille. Stellen Sie sich zum Beispiel die Frage: Was wäre, wenn sich einer Ihrer Kunden entschiede, in Ihrem Tätigkeitsbereich auf grüner Wiese ein Unternehmen zu gründen? Noch besser: Sie fragen Ihre Kunden direkt, oder Sie beweisen Mut und laden ihn zu einem Workshop ein. Wodurch würde sich die Dienstleistung oder das Produkt auszeichnen? Was wäre anders im Vergleich zum bestehenden Geschäftsmodell und aktuellen Set-up? Argumente à la «Das war schon immer so» würde Ihr Kunde mit Sicherheit nicht gelten lassen.

Doch wie gewinnt man die dazu nötige Freiheit? Zühlke hat dafür das Angebot «Rent a Startup» kreiert. Es ist in verschiedenen Firmen und Branchen bereits im Einsatz. Das Prinzip: In Freiheit, also losgelöst vom Tagesgeschäft und ausserhalb der eigenen Organisation, können Unternehmen ein komplettes Start-up-Team mieten.

Darin arbeiten Zühlke-Experten aus den unterschiedlichsten Disziplinen mit ausgewählten Spezialisten des Kunden an künftigen Produkten und Dienstleistungen. Die technologischen Möglichkeiten können zu diesem Zeitpunkt der Reise wertvolle Antworten liefern hinsichtlich der Lösung, die aus Kundensicht den gewünschten Mehrwert bietet – selbst wenn Sie heute in einem noch nicht digitalisierten Geschäft unterwegs sind.

Der «Rent a Startup»-Ansatz ist auch die Antwort darauf, dass in einem sich immer rascher verändernden Marktumfeld dem direkten Kunden-Feedback hohe Bedeutung zukommt.

Blockchain und Co.

Typischerweise kann in einem «Rent a Startup»-Projekt nach sechs bis acht Wochen ein Prototyp in den Markttest gehen. Und das nicht nur bei der Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten unter Anwendung von bekannten Technologien wie Apps oder Kundenportalen, sondern auch mit neueren Möglichkeiten wie Mixed Reality, Blockchain oder Machine-Learning.

Übrigens: Es sind nicht mehr nur die jungen Wilden, die solche fortgeschrittenen Technologien anwenden. Zu den Nutzern zählen unterdessen auch etablierte Unternehmen, die für ihre Kunden auch künftig Partner des Vertrauens sein wollen.

Dass Mixed-Reality-Applikationen nicht nur Potenzial für den Online-Handel bietet oder etwas für Spieler sind, zeigen die konkreten Einsatzmöglichkeiten. Der Einsatz einer HoloLens von Microsoft erlaubt es beispielsweise einem Servicemonteur, mit beiden Händen eine Maschine auf Anleitung zu prüfen und zu reparieren. Seine Arbeit wird dadurch angenehmer; ausserdem spart er sowohl für den Kunden als auch für sein eigenes Unternehmen Zeit und Geld.

Dieser Artikel erschien zuerst in der NZZ-Beilage zum Swiss Economic Forum (SEF) 2017

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