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Hyperinnovativ – Warum die Wirtschaft im Gründungsfieber ist

28 Oktober 2016
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Lesezeit: 3 Minutes

Die Wirtschaft ist im Gründungsfieber. Zumindest könnte man diese Diagnose stellen, wenn man die Pressemitteilungen von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen verfolgt. Etablierte Firmen investieren munter Milliardenbeträge in junge Unternehmen. Egal ob die Großen Innovationszentren gründen oder andere Formen der Kooperation mit Startups etablieren: Es gehört zum guten Ton, an einschlägigen Orten mit ausgeprägter Startup-Szene wie Berlin, London oder dem Silicon Valley vertreten zu sein.

Warum ist das so?

Längst sind Startups nichts mehr für Uni-Absolventen und verschrobene Gründer-Gestalten mit verrückten Ideen, nein, Startups sind zum Mainstream geworden. Ganze Vorstandsstäbe von Dax-Unternehmen tingeln ins Silicon Valley, um Startup-Luft zu schnuppern. So verändern die Kleinen nachhaltig die Art und Weise, wie große Unternehmen innovative Ideen umsetzen (wollen). Was versprechen sich große Unternehmen davon, wenn sie in sehr junge Unternehmen investieren und Kooperationen eingehen? Hoffen die Investoren auf den großen Wurf? Spekulieren sie darauf, mit etwas Glück und dem richtigen Riecher in das nächste GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) zu investieren? Ist das alles Zockerei? Meine Einschätzung lautet: Nein, hier geht es nicht darum, das „schnelle Geld“ zu machen. Es gibt sehr viel subtilere Gründe für diesen Trend.

Der Innovationsstau

Die Investition in Startups scheint das Allheilmittel für die Nachteile zu sein, die unternehmerischer Erfolg mit sich bringen kann. Spätestens seit Clayton Christensen analysiert hat, warum große, zunächst sehr erfolgreiche Unternehmen sagenhaft scheitern können, wissen wir, dass es die vermeintlich idealen Voraussetzungen eines Unternehmens sind, die disruptive Innovation hemmen können. Geld, Marktzugang, qualifiziertes Personal; mit all diesen Dingen können erfolgreiche Unternehmen aufwarten. Allerdings neigen gerade die etablierten Organisationsstrukturen erfolgreicher Unternehmen dazu, der Innovation entgegenzuwirken. Keine Unternehmung kannibalisiert gerne ihr eigenes Geschäft und Sätze wie: „das haben wir schon immer so gemacht“, „das funktioniert nur so“ und „das haben wir alles schon probiert“ sind die effektivsten Waffen dieses Immunsystems. So schützen die natürlichen Abwehrkräfte eines Unternehmens etablierte Strukturen und sorgen dafür, dass sich längst überfällige Innovationen aufstauen und der Handlungsdruck wächst.

Die Antwort heißt Startup?

Da ist es umso verständlicher, dass Unternehmen nach Wegen suchen, dieses Immunsystem außer Kraft zu setzen. Der radikalste Weg ist sicherlich die Ausgründung einer eigenen Firma zur Umsetzung neuer Ideen und Projekte. Doch muss derjenige, der innovativ sein möchte, ein Startup sein? Oder lohnt es sich, das Thema mit etwas Distanz zu betrachten und sich darüber klar zu werden, über welche innovationsfördernde Eigenschaften Startups verfügen. Anders formuliert: Welche Eigenschaften macht Startups erfolgreich und wie lassen sich diese Eigenschaften auch auf „klassische“ Projekte, die innerhalb eines Unternehmens abgewickelt werden, übertragen? Im Folgenden haben wir drei dieser Eigenschaften herausgearbeitet.

Distanz

Ein Startup hat eine große Distanz zum Kerngeschäft. Auch wenn Ausgründungen oft an Orten mit entsprechend aktiver Szene angesiedelt sind und das Kerngeschäft einige hundert Kilometer entfernt sitzt, ist es nicht die räumliche Distanz, die hier den Unterschied macht. Stattdessen sind die organisatorische Distanz und die Entkopplung eines Projektteams von bestehenden Organisationsstrukturen die entscheidenden Faktoren. So können losgelöst von existierenden Prozessen und Abläufen des Kerngeschäfts neue Geschäftsmodelle entstehen.

Autarkie

Startups haben Narrenfreiheit, was unternehmerische Entscheidungen und die Wahl von Technologien und Werkzeugen angeht. Sie sind nicht in bestehende Linienorganisationen eingebunden und müssen sich nicht an gültige Unternehmensstandards, IT-Richtlinien und Entscheidungslinien halten. Diese Standards haben sich für das bestehende Geschäft und „operational Excellence“ als nützlich erwiesen, für neue Ideen können sie jedoch schlicht unpassend sein. Die Möglichkeit, Entscheidungen autark treffen zu können, ist wichtig.  Jedoch braucht es dafür kein rechtlich eigenständiges Unternehmen. Stattdessen braucht ein Team, dass Innovationen umsetzt, die richtigen, beziehungsweise angemessenen Freiheiten, um Ideen schnell am Markt zu erproben und weiterzuentwickeln (Mehr hier).

Menschen mit Gestaltungswillen

Gründer haben oftmals Haus und Hof verpfändet und stecken all ihre Energie in die neue Unternehmung. Doch muss Innovation mit dem Risiko verbunden sein, seinen Lebensstandard zu verlieren, wenn die Idee scheitert? Sicher, eine große Hingabe an das Projekt ist wichtig. Aber kann ich unter diesen Voraussetzungen wirklich unternehmerisch sinnvolle Entscheidungen treffen? Besteht nicht vielmehr die Gefahr, dass ich mich im Zweifelsfall an den falschen Strohhalm klammere? Für den Erfolg einer Innovation ist es wichtig, einen bestimmten Schlag Mensch im Projekt zu haben. Menschen mit einer hohen Kreativität, Eigeninitiative und vor allem einem ausgeprägten Gestaltungswillen.

Warum sollten sich diese Erfolgsfaktoren – je nach Projektsituation – nicht auch auf auf „klassische“ Projekte in etablierten Unternehmen übertragen lassen? Distanz, Autarkie und der richtige Skill-Mix im Projekt sind entscheidende Faktoren für den Erfolg und sollten im Projekt-Setup berücksichtigt werden.

Planen Sie, ein Projekt mit Startup-Charakter aufsetzen? Sind Innovationen an der digitalen Kundenschnittstelle ihr Thema? Dann sollten wir miteinander sprechen. Erfahren Sie hier mehr über unsere Innovationsprojekte im Bereich Digitalisierung oder hier über unser Angebot „Rent a Startup“.

Quellen:

https://www.db.com/newsroom_news/2016/medien/deutsche-bank-opens-innovation-lab-in-silicon-valley-en-11531.htm

https://www.deutsche-startups.de/2015/10/01/comdirect-oeffnet-fuer-gruender-die-start-garage/

Christensen, Clayton (1997): “The Innovator’s Dilemma: When New Technologies Cause Great Firms to Fail”, Harvard Business Review Press

„build-measure-learn“ http://theleanstartup.com/principles

 

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