en
de

Verbesserungsprozesse aktiv förderna

24 März 2014
| |
Lesezeit: 3 Minutes

Schon Henry Ford hat erkannt: Geld verdient man nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen. Nach der Lean-Philosophie sind die wichtigsten Ressourcen für Verbesserungsvorschläge die eigenen Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Um diese Ressourcen optimal zu nutzen braucht es ein System – den KVP (Kontinuierlicher Verbesserungprozess). Denn jede vergebene Chance, eine Verbesserung zu realisieren, ist Verschwendung. Nur ein systematisches Vorgehen vermag das volle Potential auszuschöpfen. Doch in vielen Firmen reicht ein kurzer Blick auf das KVP-Board um zu sehen, dass dieser Prozess nicht wirklich lebt. Ein Erklärungsversuch und einige konkrete Verbesserungsvorschläge.

Warum es für Verbesserungen ein System braucht

Die Antwort auf diese Frage ist leider wenig schmeichelhaft:

  1. Wir Menschen sind in der Regel zu faul, oder aus anderen Gründen unfähig bei jedem Problem sofort eine Verbesserung zu implementieren.
  2. Wir sind sehr vergesslich. Wir können uns weder daran erinnern, was wir letzten Mittwoch zu Abend gegessen haben, noch mit welchen Problemen wir letzte Woche konfrontiert waren. Deshalb geht jede Idee, die nicht aufgeschrieben wird, mit ziemlicher Sicherheit schnell wieder vergessen.
  3. Alle guten Ideen der Welt nützen nichts, wenn sie von niemandem umgesetzt werden. Die Umsetzung braucht aber oft eine minimale Planung, Zuweisung von klaren Aufgaben und etwas Beharrlichkeit.
  4. Zuletzt ist es nicht ganz unerheblich, ob die umgesetzte Lösung das ursprüngliche Problem auch wirklich behoben hat. Oft ist der erste Anlauf nicht ganz erfolgreich, und deshalb darf der Prozess nicht nach der ersten kleinen Verbesserung enden, sondern muss kontinuierlich weitergehen.

Das Ziel definieren

Der KVP ist kein Wunschkonzert für Mitarbeiter, sondern sein Sinn besteht darin, kontinuierliche Verbesserung im Sinne der obersten Unternehmensziele zu produzieren. Damit das funktionieren kann, muss allen beteiligten Personen wirklich klar sein, was die Ziele bezüglich Qualität, Durchlaufzeit und Kosten sind.

Teilnahme einfordern

In einer Lean-Firma besteht Arbeit vereinfacht ausgedrückt aus nur zwei Bestandteilen:

  • Das Ausführen standardisierter Abläufe
  • Das Verbessern dieser Abläufe

Da kaum jemand Verbesserungen in seiner Freizeit vornehmen wird, sollte die aktive Teilnahme am KVP ein fester Bestandteil der persönlichen Zielvereinbarung für jeden Mitarbeiter sein. Je höher die Funktionsstufe, umso mehr Zeit sollte für die kontinuierliche Verbesserung zur Verfügung stehen. Die eigenen Mitarbeiter und Lieferanten sollen also nicht nur mitmachen dürfen, sondern mitmachen müssen. Es macht deshalb Sinn, aus Prinzip von jedem Mitarbeiter und Lieferanten regelmässig eine gewisse Anzahl von Verbesserungen einzufordern.

Die Stolperfallen vermeiden

Damit der KVP funktioniert, müssen sich alle Akteure an gewisse Regeln halten. Ziel dieser Regeln ist es, eine richtiggehende Verbesserungs-Dynamik zu schaffen, die allen Mitarbeitern, aber auch den Kunden und Lieferanten das Gefühl gibt, aktiv am Erfolg des Unternehmens beteiligt zu sein. Hier meine 10 Top-Tipps um die prominentesten Stolperfallen im KVP zu umgehen:

  • Zusicherung des Top-Managements an alle beteiligten Akteure, dass niemals jemand entlassen wird weil seine Arbeit durch eine Prozessverbesserung überflüssig wird!
  • Alle eingereichten Vorschläge werden diskutiert und dokumentiert!
  • Alles darf offen hinterfragt werden. Fehler zu verstecken ist der grösste Fehler!
  • Diskutiert wird nur der Vorschlag, nie die Person, die den Vorschlag gemacht hat!
  • Kein Jammern und Beklagen von Problemen sondern Vorbringen von Lösungen!
  • Keine Schuldzuweisungen!
  • Vorschläge nur mit Begründung ablehnen!
  • Gute Ideen auch umsetzen, wenn sie scheinbar nicht rentieren!
  • Probieren statt studieren! Zeigen Sie, dass der KVP wirklich wichtig ist, indem Sie Entscheidungen immer so schnell wie möglich fällen und Verbesserungen nie aufschieben.
  • Scheitern zulassen! Werden nur Ideen umgesetzt, die mit Sicherheit erfolgreich sind, dann werden wirklich innovative Verbesserungen kaum stattfinden.

Den Prozess mit den richtigen Tools unterstützen

  • Eine gut gestaltete KVP-Karte ist für die einfache Erfassung der Vorschläge und die effektive Dokumentation der Entscheidungen und Aktivitäten das wichtigste Werkzeug. Sie hilft enorm dabei, effiziente Kaizen-Meetings abzuhalten und die Ideen rasch in Massnahmen und Resultate zu verwandeln. Das Template für meine KVP-Karte schicke ich Ihnen gerne zu. Schreiben Sie mir einfach eine kurze Email an info@zuehlke.com.

Den KVP zum Leben erwecken (Karte)

  • Ein KVP-Board, an dem die Ziele des KVP’s, alle Vorschläge (Eingegangen, In Arbeit, Abgelehnt, Umgesetzt) und die erreichten Erfolge für jedermann einsehbar sind.
  • Ein schlagkräftiges Team, das für die praktische Umsetzung (z.B. handwerkliche Arbeiten, Änderung von IT-Prozessen oder Templates, Warenbestellungen) zuständig ist.

Handeln sie jetzt

Verbesserungen sind immer möglich. Verteilen Sie noch heute 10 leere Karten für Verbesserungsvorschläge an alle Ihre Mitarbeiter und verlangen Sie von jedem 5 ausgefüllten Karten innerhalb einer Woche zurück. Dann setzen Sie sich zum Ziel, jeden Tag eine Idee umzusetzen. Übung macht den Meister. Los geht’s!

Kommentare (2)

Maria

30 März 2014 um 19:52

Aus meiner Erfahrung kann ein KVP-/Ideenmanagement-System im Angestelltenbereich auch kontraproduktiv sein. Sehe es nicht mehr als State-of-the-Art. Denn Mitarbeiter, die in einem positiven Umfeld arbeiten, überlegen nicht, ob sie eine Idee einreichen sollen, sondern initiieren gleich ihre Umsetzung = Lernende Organisation.

Ich habe viel Negatives wahrgenommen, z.B.
* Ideen werden eingereicht um Ziele zu erreichen > wenig gute Ideen, viel Admin- und Bewertungsaufwand und Ärger.
* Prämien motivieren nicht bzw. führen nicht zu Qualität sondern Quantität

Im Arbeiter- / Produktionsbereich, wo es weniger Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten gibt plus viel Potential für direkte Einsparungen von Zeit und Material, hat es natürlich seine Existenzberechtigung und da kommt es auch her.

    Daniel Bär

    Daniel Bär

    31 März 2014 um 14:03

    Vielen Dank für deinen Kommentar Maria. Mein Background ist tatsächlich die Produktion und ich bin einverstanden, dass nicht immer nur gute Ideen kommen. Ich denke aber, es braucht ein System und einen Anreiz für kontinuierliche Verbesserung, denn unter den vielen Ideen verstecken sich immer wieder einige „Perlen“, die sonst nie entdeckt worden wären. Ein positives Arbeitsumfeld ist sicherlich eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen dafür.

×

Updates

Schreiben Sie sich jetzt ein für unsere zwei-wöchentlichen Updates per E-Mail.

This field is required
This field is required
This field is required

Mich interessiert

Select at least one category
You were signed up successfully.