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Erfolg durch Kopieren: Altes für neue Märkte

11 Juli 2017
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Im Jahr 2008 gründeten die Samwer-Brüder Zalando – neun Jahre später wird das Unternehmen mit rund neun Milliarden Euro bewertet. Nicht schlecht für ein Unternehmen, von dem viele behaupten, es habe wesentliche Ideen von dem US-Online-Händler Zappos kopiert. Der Erfolg stellte sich ein, weil Zalando ein offensichtlich erfolgreiches Prinzip auf einen neuen Markt – hier von den USA auf Deutschland – übertragen hat.

Etwas zu kopieren ist bei uns häufig negativ belegt. Wir denken sofort an Produktpiraterie, also gefälschte Markenartikel bis hin zu gefälschten Medikamenten mit Milliardenschäden für die Wirtschaft. In anderen Kulturen ist das nicht so. Schon Konfuzius sagte: “Lernen ist Kopieren vom Meister.”

Befassen wir uns also deshalb mit den positiven und legalen Aspekten des Kopierens und Adaptierens: Cross Industry Innovations sind Ideen, die in einer Branche bereits bekannt sind und durch einen kreativen Prozess in eine andere Branche übertragen werden.

Produktinnovationen

Ein sehr gutes Beispiel ist der Milchaufschäumer von Nespresso. Jahrelang wurden Milchaufschäumer mit einem konventionellen Elektromotor mit Achse und Propeller versehen. Das war schlecht zu reinigen und hatte durch die Achse auch eine potenzielle Undichtigkeit. Zühlke-Ingenieure haben erstmalig die Idee des Labormischers (kontaktloser Magnetantrieb) für den Nespresso Milchaufschäumer Aeroccino eingebracht und als Produkt konzipiert. Die Konsumenten waren begeistert.

Geschäftsmodellinnovationen

Cross-Industry-Innovation funktioniert auch für Geschäftsmodelle. Ende der 90er-Jahre wurden erstmalig LKW-Flottenmanagement-Systeme entwickelt. Die Logistikunternehmen hatten so Zugriff auf ihre gesamte Flotte, kannten alle logistischen Informationen (Beladung, Routen, freie Kapazitäten etc.) und technischen Informationen (z.B. Fehlermeldungen von Motor und Fahrzeug). Diese Ideen wurden später auf andere Branchen übertragen (z.B. Baufahrzeuge: das System LiDAT  von LIEBHERR, Maschinenbau: das System TruConnect  von Trumpf, Konsumer: Kaffeemaschine von Franke ). Dadurch konnten der Service optimiert, Stillstandszeiten reduziert und der Komfort verbessert werden. Man spricht auch heute noch in unterschiedlichsten Branchen von “Flottenmanagement”.

Bedienkonzeptinnovationen

Viele Geräte – gerade im auch im Maschinen- und Anlagenbau – wurden lange Zeit über PC-Bedienoberflächen gesteuert. Auch bei TOPTICA, einem hochspezialisierten Anbieter von Lasergeräten, war das so. Die Nutzer der Geräte – meistens Physiker – stellten Konfigurationen für ihre Versuche über einen PC in ihren Büros ein. Wenn sie dann im Labor feststellen, dass Korrekturen nötig waren, mussten Sie zurück zum PC ins Büro gehen. Diese vielen Wege waren lästig und so wuchs der Wunsch nach etwas Besserem: Sie wollten das Lasergerät bedienen wie ihr iPhone – direkt am Gerät und über eine intuitive Touch-Bedienung. So wurde mit dem “DLC pro ” erstmalig das Bedienkonzept eines iPhones auf ein Hochleistungs-Lasergerät übertragen.

Allgemeines Lösungsmuster kopieren

Um Produkte identifizieren zu können, werden seit vielen Jahren im Produktionsprozess eindeutige Nummern erzeugt und auf Produkte aufgetragen. So erhalten beispielsweise jedes Fahrzeug und jeder Geldschein eindeutige Seriennummern. Auch dieses Prinzip kann auf neue Märkte übertragen werden. Aktuell werden etwa zehn Prozent der weltweit verfügbaren Medikamente gefälscht. Was gibt es für Möglichkeiten, diese Fälschungen zu verhindern? Ab Februar 2019 erhält jedes verschreibungspflichtige Medikament in der EU bei der Produktion eine eindeutige ID, die dann bei der Ausgabe an der Apotheke aus dem nationalen Verifikationssystem ausgebucht wird. Giesecke & Devrient hat das aus deren Geldproduktion bekannte Prinzip der Serialisierung auf die Pharmabranche übertragen – und sich so ein neues Geschäftsfeld erschlossen (Produktname: SeriTrack Pharma).

Die Beispiele zeigen: Es lohnt sich auf bewährte Ideen, Methoden und Technologien zurückzugreifen und sie in einen neuen Kontext zu kopieren. Was dabei hilfreich ist: eine Kombination aus Kreativität und branchenübergreifenden Kompetenzen bezüglich Technologie und Business Innovation. Sehr gerne steige ich mit Ihnen in diese Diskussion ein – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt.

 

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