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CIO-Trends 2013 – Bericht von der 19. Handelsblatt-Jahrestagung „Strategisches IT-Management“

3 April 2013
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Lesezeit: 5 Minutes

Auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Strategisches IT-Management“ treffen sich jedes Jahr die CIOs zahlreicher Unternehmen, um sich über die Themen auszutauschen, die ihre Organisationen bewegen. Dabei standen auf der diesjährigen Konferenz keine völlig neuen Trends oder grundlegende Veränderungen im Vordergrund. Consumerization und BYOD rufen keine Diskussion mehr hervor; es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Zentral war, dass die Potenziale der Kombination von Social Media, mobilen Endgeräten in verschiedenster Form, Analytics und der Cloud immer deutlicher werden, und immer mehr Unternehmen beginnen damit, sich dies zu Nutzen zu machen.

Schwerpunktthemen der Konferenz waren in meiner Wahrnehmung

  • IT im Automotive-Umfeld
  • Transformation der Medienindustrie
  • Enterprise Apps und Prozessoptimierung
  • Big Data und Analytics

IT im Automotive-Umfeld

Die Bedeutung der IT in der Automotive-Branche wurde dadurch unterstrichen, dass bei der Konferenz das „ABCD“ der deutschen Automobil-Industrie vertreten war: Audi, BMW, Continental und Daimler. Und zwar sehr prominent: von Audi war Prof. Rupert Stadler selbst da.

Gleich zwei Sprecher zitierten die FAST-Studie („FAST 2025 – Future Automotive Industry Structure“) von Oliver Wyman und dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Dieser Studie zufolge entfällt derzeit mehr als ein Drittel der Wertschöpfung eines Fahrzeugs auf Elektronik und Software, bald dürfte es mehr als die Hälfte sein. Dabei verdoppelt sich der Wertschöpfungsanteil der Software außerhalb der eingebetteten Systeme auf ca. 15%. Zudem sagt die Studie vorher, dass künftig zwischen 70 und 90 Prozent aller Innovationen im Auto auf Software basieren werden – ein Trend, den wir bei Zühlke in ähnlicher Form auch in anderen Branchen beobachten.

Auf die sehr breite Spanne der Einsatzmöglichkeiten von IT im Automotive-Umfeld – Stichworte sind beispielsweise Augmentierung und Schwarmintelligenz – werde ich demnächst in einem weiteren Blog-Post näher eingehen.

Transformation der Medienindustrie

Die Situation der Medienindustrie hat aus meiner Sicht Dr. Andreas Wiele, der Axel Springer-Vorstand für BILD, sehr plastisch beschrieben:  Das bisherige Monopol der Journalisten für Informationsbeschaffung, -Deutung und -Verteilung existiert nicht mehr; es hat sich in den letzten fünf Jahren komplett aufgelöst. Informationen, die man in der Zeitung findet, hat man häufig zuvor schon im Internet oder im Fernsehen gesehen. Andere Informationen kommen nur noch über das Internet – man denke an Meldungen aus Syrien, Ägypten etc.

Dr. Wiele hat in seinem Vortrag eine Reihe von Erkenntnissen angesprochen, die ich extrem interessant fand:

  • Trotz der Angst, sich selbst zu kannibalisieren, hat sich die Nettomarkenreichweite von „Bild“ durch bild.de fast verdoppelt.
  • Das glaubwürdigste Medium bleibt Print mit 37% vor 24% für Fernsehen. Das gilt so auch für junge Zielgruppen!
  • Print hat eine hohe Werbewirksamkeit – Faktor 3,25 im Vergleich zu Fernsehen.

Und, nochmal zur Befürchtung der Selbstkannibalisierung: Axel Springer macht 2012 knapp 40% seines Umsatzes im Bereich digitale Medien, Tendenz steigend. Ein Datenpunkt dazu, wie die Zukunft der Medienbranche aussehen mag…?

Enterprise Apps und Prozessoptimierung

Enterprise Apps greifen den Nutzen auf, den Mobile Devices versprechen. Dabei erfolgt eine Dekomposition von monolithischer Unternehmenssoftware wie beispielsweise SAP mit der komplexen SAP GUI hin zu service-orientierten, modularisierten Anwendungen, die einzelne Prozesse gezielt und effizient unterstützen. Die Apps stellen dabei eine Ergänzung zur konventionellen Anwendungslandschaft dar. Ein gutes Beispiel brachte Tobias Rölz von Hilti: Bei Hilti werden Apps für Prozesse wie Pricing, Kontaktmanagement und Kundeninformation eingesetzt, für die die Verwendung der Desktop-Applikationen ineffizient wäre. Bis der Außendienstler ein Laptop hochgefahren hat, sich zuerst ans VPN und dann an SAP angemeldet  und dann die kundenspezifischen Konditionen aus dem ERP-System gezogen hat, ist er mit den entsprechenden Apps schon dreimal am Ziel. Um das zu ermöglichen, muss die Anwendungslandschaft entsprechend flexibel gestaltet werden. Dazu gehören einerseits ein „solid core“ mit den zentralen ERP- und CRM-Systemen, und andererseits „flexible boundaries“, die einen Zugang über maßgeschneiderte Apps ermöglichen.

Big Data und Analytics stehen weiter im Zentrum der Aufmerksamkeit. IBM wie auch Cognizant betonen in diesem Zusammenhang die Technologiekombination Social Media – Mobile Devices – Analytics und Cloud, die von Cognizant mit dem Akronym „SMAC Stack“ belegt wird. Big Data kombiniert die Auswertung klassischer Enterprise-Daten über Data Warehouses, eventuell mit Appliances wie PureData von IBM oder ExaData / Exalytics von Oracle, mit der Auswertung von Real-World-Daten sowie Daten aus dem Social Web mit Hilfe von NoSQL-Datenbanken und Streaming Analytics ohne Speicherung der Daten. Ziel ist es, die Nadel im Heuhaufen auffindbar zu machen, d.h. aus der schieren Menge von Daten spezifische Erkenntnisse für das jeweilige Business zu Tage zu bringen. Dabei wird aber zunehmend deutlich, dass das Heben der in der Gesamtmenge an Daten verborgenen Schätze eine systematische Herangehensweise und eines gewissen Backgrounds bezüglich Statistik und Datenanalyse bedarf – wesentliche Erkenntnisse treten weder bei einer primär an den technologischen Möglichkeiten orientierten Vorgehensweise („lasst uns Hadoop einsetzen, die Erkenntnisse werden dann schon kommen“) noch beim Anwenden einer reinen Business-Perspektive zutage. Die Unternehmen, denen es gelingt, diese Kompetenzen zusammenzubringen, haben gute Chancen, für ihren Markterfolg wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.

Insgesamt passen die Trends, die auf der Handelsblatt-Jahrestagung diskutiert wurden, gut zu den Herausforderungen, die ich in meinen Projekten in der Medienindustrie, im Maschinenbau und in der Finanzwirtschaft erlebe. Die Herausforderungen liegen in den meisten Fällen in der Integration, im Zusammenbringen von Systemen, die vorher noch nicht zusammengearbeitet haben, und dem Nutzbarmachen der neuen Möglichkeiten, die sich durch deren Kombination ergeben. Das sind die Themen, die mich immer wieder aufs Neue begeistern.

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