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Die Bitcoin-Blase darf ruhig platzen

28 November 2017
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Bitcoin bricht einen Rekord nach dem anderen und hat heute auf etlichen Börsen die Marke von 10’000 Dollar überschritten, die entsprechenden Schlagzeilen sind nicht zu übersehen. Der immense Wertzuwachs heizt aber auch die Angst vor dem plötzlichen Ende der Blase an. Sollte diese tatsächlich platzen, hätte dies nicht nur negative Folgen.

Im Juni 2011 gewann meine Neugier über meine Bedenken. So kam es, dass ich mir im Rahmen einer Sicherheitsstudie Bitcoins im Wert von damals rund 20 Dollar zugelegt. Hätte ich geahnt, wie sich der Kurs entwickeln würde, hätte ich mehr investiert. Denn soeben hat der Bitcoin-Kurs die schwindelerregende Höhe von 10’000 Dollar erklommen – und ich hätte mit meinem damaligen Investment einen Gewinn von 50’000 Prozent eingefahren. Und genau diese Aussicht bringt neue Investoren aufs Parkett. Sogar mein Coiffeur fragt mich seit einiger Zeit aus, ob es Sinn macht zu investieren – das weckt Erinnerungen an die Vorzeichen zum Börsencrash von 1929.

Hohe Nachfrage aus Japan

Randnotiz: Laut Zahlen von Bitcoincharts.com dürfte die Nachfrage aus Japan ein wichtiger Grund für die aktuelle Entwicklung sein: Demnach liefen in den vergangenen 30 Tagen 59 Prozent aller Trades gegen den japanischen Yen. Davon abgesehen: Die Lager rund um die volatile Digitalwährung haben sich formiert werden immer lauter. Während einige namhafte Akteure wie der „Guardian“ oder Jamie Dimon, CEO von J.P. Morgan, davor warnen, in Bitcoin zu investieren und die Währung als Betrug betiteln, sind andere Meinungsmacher genau gegenteiliger Ansicht und sehen in Bitcoin den sicheren Hafen. Auch die Debatte um den Stromverbrauch des Netzwerks hat an Fahrt aufgenommen: Kürzlich war beispielsweise im Blog Diconomist zu lesen, rund 30 Terawattstunden betrage der Jahresverbrauch, was dem Energiebedarf ganzer Länder wie Marokko entsprechen soll. Nicht zuletzt gibt es wegen Streitigkeiten in der Community Abspaltungen: Bitcoin Cash machte den Anfang im August.  Im Oktober folgte Bitcoin Gold und kürzlich Bitcoin Diamond. Fakt ist, dass der aktuelle Bitcoin-Rush stark vergangenen Blasen ähnelt. Ob es allerdings zum vielzitierten Crash kommt, steht in den Sternen. Dazu sind die Hintergründe des Dotcom-Booms und jene des aktuellen Bitcoin-Hypes zu verschieden.

Aus technischer Sicht darf dies ruhig geschehen. Denn viel wichtiger als der Kurs einer Kryptowährung ist die Technologie dahinter. Die derzeitige Debatte wirkt wie ein Katalysator und schürt das Interesse an und die Diskussionen rund um Blockchain. In einem noch nie dagewesenen Tempo werden neue Ledger-Systeme entwickelt und alte verbessert. Das wiederum befeuert neue Ideen, wie etwa eine Mobilitätslösung, die Fahrdienstvermittlern wie Uber das Wasser abgraben könnte, oder ein Hotelbuchungssystem, das als Buchungsplattform dient und Intermediären wie booking.com das Leben schwermachen würde. Wer hier als erstes ein neues Ökosystem schafft, legt den Grundstein für eine grosse Zukunft.

Bitcoin ist gekommen um zu bleiben, dafür sorgt die Blockchain. Wer sich nun doch an Kryptowährungen wagt, dem rate ich zu mehr Farbe im Portfolio und zum nüchternem Blick. Wer sich mit der Thematik auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass es nebst den Big Players auch interessante Alternativen wie Litecoin oder IOTA gibt. Letztgenannte Kryptowährung wurde 2014 von Dominik Schiener, Serguei Popov und David Sønstebø entwickelt und auf den Markt gebracht.

Tangle Ledger statt Blockchain

Um eine schnelle und beliebig skalierbare Währung zu erhalten, wurde die ursprüngliche Blockchain des Bitcoin durch einen sogenannten Tangle Ledger ersetzt. Folglich gibt es bei IOTA keine Miner und Blocks, sondern Transaktionen. Gründer Dominik Schiener erklärt das Funktionsprinzip so: „Die Transaktionen sind miteinander verbunden, und jeder, der eine Transaktion absendet, nimmt am Konsens teil. Wenn du eine neue Transaktion bildest, musst du zwei vorhergegangene Transaktionen verifizieren.“ Ein solches Verfahren unterscheidet sich grundlegend vom Bitcoin-Mining. „Wenn man sich heute eine Blockchain anschaut, ist das ein einziger chronologischer Strang, der Block auf Block setzt. Das hat Beschränkungen, etwa das Zehn-Minuten-Intervall bei Bitcoin. Was IOTA nun macht, ist, dass es anstatt einen Strang viele Stränge benutzt.“

IOTA hat durch diese prinzipiell unendliche Skalierbarkeit einen grossen Vorteil gegenüber dem Bitcoin. Künftig wird es Milliarden Maschinen geben, die miteinander handeln, kommunizieren und Daten austauschen, Stichwort: Machine to Machine Communication (M2M). Diese Geräte brauchen es ein flexibles Payment-System, das in einem solchen M2M-Markt Transaktionen schnell und beliebig durchführen kann. Man denke etwa an M2M-Beziehungen zwischen Parkhaus und Auto oder Wetterstation und Solaranlage.

Business Solution Manager

Stefan Hirzel

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