Augmented Reality

AR-Brille vs. Smartphone: Showdown beim Möbelkauf

Welches Device ist das richtige für mich? Diese Frage stellt sich für jeden, der Augmented Reality nutzen will – sei es für beeindruckende Verkaufserlebnisse, als Navigationshilfe oder im Bereich Remote Support. Mittlerweile sind mit dem HTC Vive, der Microsoft HoloLens, der Vuzix M30 Meta 2 und dem ARKit von Apple schon vier verschiedene Systeme auf dem Markt, alle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Die wichtigste Entscheidung ist jedoch eher grundsätzlich: Datenbrille oder Smartphone? Die Vor- und Nachteile dieser Lösungen wollen wir anhand eines aktuellen Beispiels erörtern.

Folgende Ausgangslage: Ein junges Paar steht in der ersten eigenen Wohnung. Die Räume sind leer und sollen individuell aber harmonisch abgestimmt eingerichtet werden. Da die beiden nicht nur frisch verliebt, sondern auch technikbegeistert sind, wollen sie hierfür auf Augmented Reality zurückgreifen. Das junge Paar startet dazu die App eines Möbelhauses auf ihrem Smartphone und durchsucht den Online-Katalog nach passenden Möbeln, die sie virtuell aufstellen.

ARKit erkennt Boden und Wände nicht

Die beiden drehen ohne Kraftaufwand Möbel, verschieben sie und passen sie farblich an. Sie richten die ganze Wohnung ein und wechseln sich dabei im Positionieren und Bedienen des Smartphones ab. Nach dem dritten Zimmer wird die gemeinsame Ansicht auf dem kleinen Display allerdings allmählich mühselig. Eine Dekoration des Bodens oder der Wände ist nicht möglich, da sie von der Augmented Reality App nicht erkannt werden. Hierzu fehlen dem Smartphone die nötigen Sensoren. Am Ende des Tages müssen die beiden bereits aus der App heraus ihre Möbel bestellen. Zwar hätten sie lieber nochmal eine Nacht darüber geschlafen, aber das Smartphone kann sich die Position der Möbel nicht merken. Es erfasst den Raum nur „live“ und speichert ihn nicht ab.

Vorteile:

  • Vertraute Bedienung der Augmented Reality App auf der häufig genutzten iOS-Plattform

Nachteile:

  • Interaktion mit den Hologrammen nur über das Smartphone möglich
  • Device muss durchgängig in den Händen gehalten werden
  • Die Erkennung des Bodens und der Wände ist zum Teil problematisch

Augmented Reality mit der HoloLens

Die Anforderungen des jungen Paares konnten mit der Augmented Reality App für iOS, wenn auch nicht vollständig, erfüllt werden. Kann man die Nachteile dieser Lösung mit einer anderen Hardware auffangen? Die Microsoft HoloLens ist seit einem Jahr in Deutschland verfügbar. Als Device für B2B oder B2E Cases ist sie eigentlich nicht für Endkunden konzipiert. Aber sie ist die derzeit fortschrittlichste Datenbrille für Augmented Reality und damit der passende Sparringspartner für das ARKit von Apple. Lassen Sie uns also einmal schauen, wie das Erlebnis hiermit aussehen könnte:
Das junge Paar kommt in die Wohnung. Einer der beiden beginnt damit, die Wohnung mit der HoloLens einzuscannen. Dabei werden alle Räume inklusive der Wände und des Bodens erfasst und auf dem Gerät abgespeichert. Jetzt setzt auch der Zweite seine HoloLens auf.
Beide laufen von Zimmer zu Zimmer und platzieren die Möbel. Zwar wird der Immersionseindruck durch das eingeschränkte Sichtfeld von 30° eingeschränkt. Dafür kann das Paar um die Möbel herumgehen und die Produkte via Sprachbefehlen und Gesten platzieren. Beide können sich getrennt voneinander im Raum bewegen und jeder kann mit den Möbeln interagieren.

Vorteile beim Einrichten

Es gibt zwei Features, die auf dem iOS-Gerät nicht verfügbar waren: Neben den Möbeln erkennt die HoloLens auch die Wände und den Boden, so dass das junge Paar auch gleich die Tapete und den Teppich aussuchen kann. Der Eindruck der Wohnung wird dadurch noch lebhafter. Mit der HoloLens können die beiden auch noch eine Nacht über die Ergebnisse schlafen, denn das System hat alle Räume mit seinen virtuellen Möbelplatzierungen gespeichert. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil die schwere HoloLens nach einiger Zeit doch ein wenig unbequem wird.
Die Möglichkeit, Räume und Positionen zu speichern , ist auch praktisch, wenn die Möbel geliefert werden: Als die Bestellung ankommt können die beiden, der Hands-free-Technologie sei Dank, alle Möbel planungsgetreu direkt auf die Hologramme rücken.

Vorteile:

  • Vollständiger Raum-Scan (dank Speicherung nur einmal erforderlich)
  • Bessere User Experience
  • Einfache Bedienung mittels Sprachbefehl oder Gesten

Nachteile:

  • drückt nach einiger Zeit am Kopf
  • eingeschränktes Sichtfeld
  • Deutlich höhere Kosten

Augmented-Reality-Systeme für unterschiedliche Anwendungen

Beide Devices weisen jeweils Vor- und Nachteile auf. Die HoloLens punktet vor allem mit einem immersiven Gesamteindruck, welcher das Paar direkt in die neu eingerichtete Wohnung versetzt. Im Allgemeinen kommen die Vorteile der HoloLens vor allem in Szenarien zum Tragen, bei welchen die Hände anderweitig eingesetzt werden müssen und das Halten eines Smartphones oder Tablets zu umständlich oder sogar unmöglich wäre. Ein Beispiel hierfür ist der AR-unterstützte Reparaturfall. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass das System den Raum selbstständig vermisst und speichert. Die Nachteile sind vor allem der höhere Preis des Systems aber auch das vergleichsweise hohe Gewicht, das auf dem Kopf lastet und von einigen Nutzern nach längerer Zeit als störend empfunden wird.
Die Lösung mit dem Smartphone bietet den Nutzern vor allem den Vorteil einer vertrauten Oberfläche. Zudem ist bei manchen Anwendungen ein kleines Smartphone schneller zur Hand als eine Datenbrille. Dafür müssen die Nutzer gewisse Einschränkungen bei der Funktion und Bedienung in Kauf nehmen.

ARKit läuft auf mehr Devices

Der größte Vorteil der Smartphone-Lösung dürfte dem jungen Paar aus unserem Beispiel ziemlich egal sein, kann aber für einen Anbieter eine umso größere Rolle spielen: Es ist die Anzahl der Devices, auf denen eine entsprechende App laufen würde. Ab dem iPhone 6S sind die Apple-Smartphones Augmented-Reality-fähig – hier sind also etliche Millionen Devices auf dem Markt. Bei der Microsoft HoloLens ist die Anzahl der Devices dagegen deutlich geringer, weil sie nicht für den Consumer Markt gedacht ist. Deshalb wird eine entsprechende Augmented Reality App keine so große Verbreitung finden.
Welches Device nun das Richtige ist, hängt also von dem spezifischen Anwendungsszenario ab: Wie soll die Bedienung aussehen? In welchem Bereich soll Augmented Reality eingesetzt werden? Wer sind die Nutzer? Wie lange wird die Augmented Reality App eingesetzt? Wie viel Budget steht zur Verfügung? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, wird die Empfehlung auf unterschiedliche Systeme fallen.

Gewinner beim Möbelkauf: ARKit

Beim konkreten Beispiel unseres virtuellen Möbelkaufs würden wir lieber zum Smartphone und damit zum ARKit greifen. Das schlagende Argument ist hier das Budget: Schließlich bekämen wir für die zwei HoloLens-Systeme derzeit beispielsweise ein richtig gutes Ledersofa – und auf dem verbringen wir mit Sicherheit mehr Zeit als beim Einrichten der Wohnung.

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