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Agile Unternehmensführung

Wie sich Wissensmonopole brechen lassen

Die Digitalisierung und der breite Einsatz von Informationstechnologien ermöglichen neue Geschäftsmodelle. Die neuen Akteure, deren Aufbau auf Agilität ausgerichtet ist, sind für die traditionelle Wirtschaft längst ernsthafte Konkurrenten geworden und schöpfen im hohen Masse die Nachfrage der bisherigen Anbieter ab.

Effiziente Abschöpfung der Nachfrage durch Agilität

Im Mittelpunkt steht dabei das bessere und präzisere Eingehen auf individuellen Kundenpräferenzen. Ein Beispiel ist das Geschäftsmodell von Uber: Der Fahrtenvermittler führt durch seine App Angebot und Nachfrage zusammen. So können Fahrer ihr eigenes Fahrzeug temporär als Taxi einsetzen, wobei die App die Transaktionskosten reduziert bei der Vermittlung von Kundeninformationen und bei der Abrechnung, wodurch die Dienstleistung geringere Investitionen bedingt und günstiger abgewickelt werden kann. Das Ergebnis für den Kunden ist, dass die gleiche angebotene Dienstleistung günstiger und schneller wird im Vergleich zum traditionellen Taxi-Unternehmen. Das ermöglicht die Dienstleistungssubstitution am Taxi-Markt. Der ehemals durch Monopol beziehungsweise Oligopol geprägte Markt entwickelt sich so zu einem Wettbewerbsmarkt mit einer eigenen Dynamik. Die bestehende Nachfrage wird abgeschöpft und eine weitere Nachfragegruppe generiert, da die Dienstleistungen insgesamt günstiger geworden sind. Folglich steht der Kunde besser da.

Zahlreiche weitere Unternehmen bauen in ihren Geschäftsmodellen auf den Einsatz von Informationstechnologie. Dabei werden durch die weitere Bündelung und Offenlegung der bereits vorhandenen Informationen über Angebot und Nachfrage weitere Werte generiert. Der Einsatz der Informationstechnologie erfolgt demnach nicht zum Selbstzweck, sondern so, dass Wertschöpfung generiert werden kann.

Auch der Produktionsprozess unterscheidet sich von dem eines traditionellen Marktteilnehmers. Die Ressourcen sind nach wie vor dieselben. Anstatt den Ressourceneinsatz zu erhöhen, werden diese anders eingesetzt, woraus ein Effizienzgewinn resultiert. Angebot und Nachfrage werden durch die Informationstechnologie in Einklang gebracht.

Die traditionellen Wirtschaftsakteure sind im hohen Masse gefordert, auf die neuen Entwicklungen zu reagieren. Wie kann man durch den Einsatz von Informationstechnologie die Nachfrage weiter aufdecken und wie lässt sich dadurch zusätzliche Wertschöpfung generieren? Eine Möglichkeit, auf diese Herausforderungen zu reagieren, ist das Einführen der Agilität im eigenen Unternehmen. Die meisten Geschäftsmodelle sind heute IT-gestützt; die neuen Marktteilnehmer sind durch die Informationstechnologie erst möglich geworden. Daher ist es naheliegend, sich umzuschauen und darüber nachzudenken, ob nicht das agile Vorgehen auf das gesamte Unternehmen übertragen werden kann. Das agile Vorgehen stammt aus der Software-Entwicklung, indem in kleinen, selbstorganisierten, crossfunktionalen Teams und in kleinen Schritten Software-Lösungen entwickelt werden.

Die agile Organisationsstruktur zeichnet sich durch die folgenden Eigenschaften aus:

Charakteristikum der Agilität Auswirkung
Zielerreichung des Unternehmens Produktion- und Dienstleistungserbringung ist ausgerichtet auf der Kundenebene.
Management des Arbeitsablaufes Selbstorganisierte Teams, die auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind.
Radikale Transparenz Informationen sind für alle verfügbar und zugänglich.
Stetige Verbesserung und Implementieren von Innovation Austausch und Kollaboration ermöglichen zwischen den einzelnen Teammitgliedern Reflexion über das vorherige Vorgehen, wodurch sich die Möglichkeit zur Optimierung bietet.

 

Agilität als Unternehmenskultur

Die Agilität steht für einen flexiblen Handlungsrahmen der Mitarbeiter und deren Interaktionen untereinander. Die Verantwortung für die Arbeitsresultate und für die Bewältigung des Arbeitsprozesses werden zusammengeführt und nicht mehr entkoppelt behandelt. Durch die höhere Flexibilität und Eigenverantwortung erhalten die einzelnen Angestellten mehr Raum für Kreativität und eigenes Engagement. Die Rolle des Einzelnen gewinnt mehr an Dynamik. Bei dieser dezentralen Entscheidungsfindung können sich weitere positive Effekte ergeben wie die Minimierung asymmetrischer Information, wodurch sich Produkte schneller fertigstellen lassen.

Der einzelne Mitarbeiter bringt seine Persönlichkeit stärker ein in die Angebotserstellung. Das kann sich auch sehr positiv auf das Verständnis der Nachfrage auswirken. D.h., die neue Flexibilität bei der Angebotserstellung erlaubt ein feineres Aufnehmen von Marktsignalen. Das kann einen zusätzlichen, nützlichen Input für den Wertschöpfungsprozess generieren. Das könnte eine gelungene Antwort auf die neuen digitalen Marktteilnehmer sein.

Der Einzelne steht allerdings nicht alleine da, sondern ist in ein Team eingebunden, das sich selbst organisiert. Das selbstorganisierte, crossfunktionale Team im agilen Umfeld wird von folgenden Prinzipien geleitet: radikale Transparenz in den Arbeitsabläufen, interaktive Zusammenarbeit und das Streben nach stetiger Verbesserung bzw. Innovation. Die gelungene Kollaboration, die verständliche Kommunikation im Team, die eigene Reflexion über den Status quo und der Wille zur stetigen Verbesserung sind daher notwendige Bedingungen für selbstorganisierende Teams nach agilem Vorbild.

Diese Prinzipien müssen allerdings nicht nur innerhalb des einzelnen Teams erfüllt sein, sondern die Unternehmenskultur selbst muss dem Agilitätsprinzip folgen. Wenn die Unternehmenskultur nicht über die ausreichende Reife verfügt oder die Anreize für die Mitglieder des Teams nicht attraktiv genug sind, um zu kooperieren und Wissen zu teilen, besteht die Gefahr, dass die neu gewonnene Flexibilität zu eigenem, egoistischen Vorteil ausgenutzt wird. Das Unternehmen kann in dem Fall einen Schaden davontragen kann. Demzufolge müssen bestimmte Mechanismen greifen, die das neue Verständnis über die Rolle des Mitarbeitenden und seiner Tätigkeit im agilen Umfeld präzisieren.

Es gibt zahlreiche agile Frameworks, die angewendet werden können wie Scrum, Lean Management, oder Kanban. Hier werden die Governance, Prozesse und Strukturen abgegrenzt und das Team kann sich nach diesen Methoden selbst organisieren. Auch eine eigene Kombination aus diesen Frameworks kann im Unternehmen zum Einsatz kommen. Allerdings sind die Vorgaben für das Team nach wie vor nicht im Detail vorgezeichnet und es muss den Lösungsweg selbst bestimmen. Hier liegen sowohl die Stärke und als auch die Schwäche der Agilität. Der Erfolg des Unternehmens und der einzelnen Projekte ist so vom Funktionieren einzelner Teams abhängig.

Zusammenfassend wird deutlich, dass Agilität auf der einen Seite zum Abbau bestimmter Strukturen und Prozesse führt, auf der anderen Seite aber auch neu gebildet werden müssen. Die Agilität erlaubt Flexibilität, aber ein zuverlässiger Handlungsrahmen ist weiterhin unabdingbar. Es bedarf weiterhin auch der Stabilität in einem agilen Umfeld. Diese stabilen Strukturen sind unerlässlich, um die Zuverlässigkeit und Belastbarkeit des Produktionsprozesses zu gewährleisten.

Die nächste Evolutionsstufe der Betriebswirtschaft

Was sagt uns der Trend Agilität eigentlich? Es ist wichtig, dass die Unternehmen sich immer an ihre Umgebung anpassen. Die Herausforderungen unserer Zeit setzen traditionell wirtschaftende Unternehmen unter noch grösseren Veränderungsdruck. Agilität betont die Handlungsprinzipien: Transparenz, Kollaboration und Kommunikation. Diese Vorgehensrezepte sind nicht neu, doch sind sie als Wettbewerbsfaktor wichtiger denn je.

Um den Wettbewerbsfaktor aber tatsächlich generieren zu können, muss das Unternehmen selbst über eine reife Unternehmenskultur verfügen, ihre Teams richtig aufstellen und eine attraktive Anreizstruktur schaffen, damit die agilen Handlungsprinzipien gelebt werden können. Das erfordert anfangs Unternehmensressourcen und gekonnte Steuerung der Produktionsprozesse. Nicht jedes Unternehmen kann sich schnell hin zu Agilität bewegen. Die zu schnelle Veränderung kann auch Nachteile mit sich bringen.

Der Wink mit der Agilität kann auch als ein diplomatischer Hinweis an die traditionellen Unternehmen heute verstanden werden – in der eigenen Organisation aufzuräumen, denn eine lahme Organisationsstruktur wirkt sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit heraus. Es soll mit etablierten Interessenlobbys, Wissensmonopolen, Silos, Politik und unfairen Arbeitsweisen gebrochen werden. Das wäre der erste Schritt, um die Nachfrage weiter aufdecken und abschöpfen zu können.

Advanced Business Analyst

Beatritsche Malova

Kommentare (2)

David Baer

David Baer

21 September 2017 um 08:54

Schöner Post, hat ein paar interessante Punkte!

Christopher Voth

21 September 2017 um 10:00

ein sehr guter Post, Beatritsche !
Eine Unternehmensorganisation zu einer agilen Organisation ist ein Mammutunternehmen! Dies hängt natürlich von den gelebten alten Organisationsmustern ab. Je weniger, desto schneller kann der Change erfolgen.
Scrum ist nur ein winziger Teil einer agilen Unternehmensorganisation, jedoch ein wichtiger Enabler.
SAFe zeigt die Größe des Vorhabens.
Meine Buchempfehlungen sind: Lean Change Management von Jason Little und Agile Strukturen von Valentin Nowotny.

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